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Sep

Kann die Stadtplanung in Toronto ein Vorbild für Frankfurt sein?

Ein Besuch am Ontariosee: zwischen Bürgerbeteiligung und Profitinteressen

Die Innenstadt von Toronto, dem Finanzzentrum von Kanada, ist geprägt von Hochhäusern. Hier fühlt man sich ein bisschen wie nach Midtown Manhattan versetzt. Der CN Tower ist mit einer Höhe von 553 Metern das Wahrzeichen von Toronto.

Im Finanzdistrikt stehen dicht an dicht die Hochhäuser der grossen Banken dieser Welt. Entlang des Ontariosees, der direkt an die Innenstadt grenzt, sieht man hingegen viele Apartmenthochhäuser (sogenannte „condo towers“). Die meisten davon sind erst in den letzten Jahren gebaut worden. Diese Apartmenthochhäuser ragen teilweise bis zu 270 Meter in den Himmel.

Was löste diesen enormen Bauboom hier aus? In Toronto und seinen Aussenstädten wohnen ca. 8 Millionen Einwohner. Toronto zählt mittlerweile zu den einwohnerstärksten Ballungsräumen Nordamerikas. Jedes Jahr kommen im Schnitt mehr als 100.000 Zuzügler und Migranten dorthin und wollen in der Stadt am Ontariosee leben.

Damals in den 1970er Jahren war Toronto sehr darauf bedacht, nur Häuser bis maximal 13,7 Metern Höhe bei Neubauten in der Innenstadt zuzulassen. Dann haben die Planer jedoch verstanden, dass die Hundert Tausenden von Zuwanderer nicht alle in den Vorstädten untergebracht werden konnten. Der einzige Weg war damals und ist es heute, nach oben zu wachsen. Der Boom der Apartmenthäuser hat es ermöglicht, eine dichte und lebhafte Innenstadt zu bilden.

Dieser Boom wird durch stadtplanerische Instrumente gelenkt damit keine Bauten in „Wild West“-Manier entstehen. Beispielsweise ist der Stadt ein klare Kommunikation und Mitsprache der Bevölkerung wichtig. Die Stadtverwaltung achtet sehr darauf, wo die Gebäude entstehen, wieviel Schatten sie erzeugen, welche Materialien eingesetzt werden und wieviel sie für die öffentliche Bereicherung beitragen. Dieser Prozess wird transparent gestaltet: Die Bürger werden durch Stadtplaner über jedes neue Bauvorhaben über Infotafeln (siehe Fotos) und im Internet (unter www.toronot.ca/aic) informiert und mit einbezogen, nach dem Motto „PLANING A GREAT CiTY TOGETHER“.

Zur Zeit sind 140 Hochhäuser in der Innenstadt von Toronto im Bau. An dieser hohen Anzahl an Hochhaus-Neubauten, in erster Linie Wohnhochhäuser, ist abzulesen welche Veränderungen in einer Mega City wie Toronto aktuell geschehen. Hochhäuser ermöglichen es hier, einer breiten Masse an Bewohnern direkt in der Stadt zu leben.

Bei all diesen Veränderungen ist es der Stadtverwaltung von Totonto wichtig, die Bürger zu informieren und zu beteiligen, den Planungsprozess transparent zu gestalten damit die Akzeptanz der Bürger steigt und die Qualität der Planungen verbessert werden.

Frankfurt erlebt ebenfalls einen neuen Trend zu Wohnhochhäusern, wobei hier die Wohnungen noch einer sehr zahlungskräftigen Klientel vorbehalten bleiben. Aber auch im Bürosegment entstehen neue Hochhäuser. Leider vermissen aufmerksame Beobachter hier eine ähnliche Transparenz wie sie in Toronto gelegt wird. Es wäre wüschenswert wenn seitens des Planungsamtes der Stadt Frankfurt mehr Transparenz und ein Einbeziehung der Öffentlichkeit frühzeitig stattfinden würden, zum Beispiel durch Infotafeln und im Internet. Es wäre schön, wenn es nach kanadischem Vorbild „PLANING A GREAT CiTY TOGETHER“ in Frankfurt geben würde.

Ein Beitrag von Jürgen Petzold.