Warum gibt es Hochhäuser in Frankfurt?

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Warum gibt es Hochhäuser in Frankfurt?

Lesedauer: 3 Minuten
Skyline Frankfurt am Main - Hochhaus-Skyline - Stadtsilhouette aus Wolkenkratzern - vom Fluß Main aus gesehen - Jahr 2019

Frankfurt am Main ist die führende Hochhausstadt in Deutschland und eine der führenden Hochhausstädte in Europa. Keine andere Stadt in Deutschland kann mit einer solchen Skyline aus Wolkenkratzern aufwarten. Die Skyline in Frankfurt besteht aus mehr als 30 Hochhäusern, die mehr als 100 Meter hoch sind. 19 der 20 höchsten Wolkenkratzer in Deutschland stehen in Frankfurt und mehr als 50 Hochhäuser sind aktuell im Bau und geplant. Doch, warum ist dies so?

Begrenzter Raum
Frankfurt war und ist eine vergleichsweise kompakte Großstadt. Beispielsweise hat Frankfurt weniger Fläche als die Stadt Münster in Westfalen. In Frankfurt wurde daher schon immer dicht gebaut. Hinzu kommt, dass das Stadtgebiet heute eingekesselt ist: der umfangreiche Grüngürtel erlaubt nicht den Bau weiterer Gebäude und im Bereich der Einflugschneisen vom Flughafen dürfen keine Wohnungen entstehen.

Geld, Geld, Geld
Boden war schon immer teuer und eine zahlungskräftige Klientel vorhanden. Am internationalen Handelsplatz Frankfurt ließ es sich gut leben und hier wurden Geschäfte gemacht. Man kam gut hin und viel wichtiger: schnell wieder weg.

Nicht typisch deutsch
Typische Frankfurter waren und sind vor allem Zugezogene, die wegen der Arbeit in die Mainmetropole kamen. Daher verwundert es wenig, dass heute mehr als 50 Prozent der Frankfurter Bürger keinen deutschen Pass haben bzw. einen Migrationshintergrund aufweisen. Wie formulierte es Oberbürgermeister Peter Feldmann einmal: „Mehr als die Hälfte der Frankfurter hat keine deutschen Wurzeln. Und die andere Hälfte kam irgendwann auch von irgendwo hierher.“ Frankfurt ist damit eine sehr weltoffene und tolerante Stadt. Eben nicht typisch deutsch.

Verflogene Selbstliebe
Vor Hundert Jahren war die Frankfurter Altstadt mit seinen verwinkelten Gassen der große Stolz der Stadt. Mehr als 1.000 Gebäude drängelten sich dicht an dicht und formten das über Hunderte Jahre gewachsene mittelalterliche Zentrum mit seinen wunderschön verzierten Häusern. Die Liebe der Frankfurter zu ihrer Stadt erlosch jedoch mit dem 2. Weltkrieg fast vollständig. Denn bei Luftangriffen der Alliierten wurde der Stolz der Stadt, die gesamte mittelalterliche Altstadt, ausradiert. Im Jahre 1965 war Frankfurt städtebaulich nicht viel anders als Städte wie Hannover oder Essen. Frankfurt war damals kein Ort, wo man unbedingt sein wollte. Doch dann kam eines zum anderen.

160 Park View - Westend - Frankfurt

Historisches Glück – Teil 1
Deutschland wurde nach dem 2. Weltkrieg geteilt. Berlin konnte aufgrund der Teilung nicht mehr ein Bankenzentrum sein. Und so siedelten sich viele Banken in Frankfurt an, nicht zuletzt auch die Deutsche Bundesbank. Aus der Not heraus wurden in den 1950er bis 1970er Jahren in der Innenstadt Nachkriegsbauten hochgezogen, die einst für ein modernes Frankfurt stehen sollten. Jahrzehnte später galten diese Bauten jedoch als unansehnlich, standen am Ende leer und verschandelten die Stadtlandschaft. Frankfurt bekam schleichend eine Identitätskrise. Irgendwann war nichts mehr zu retten. Strupellose Investoren nahmen sich, was nur geht und zimmerten – angefacht durch den Boom der Nachkriegsjahre – immer höhere Gebäude hoch. Ausgerechnet ein öffentliches Bauwerk, der 1972 fertig gestellte AfE-Turm der Universität, durchbrach schließlich die 100-Meter-Grenze. In den 1970er und 1980er Jahren folgten weitere Hochhäuser, die sukzessive höher wurden. In dieser Zeit bekam die Stadt Schimpfnamen, die heute nicht mehr gängig sind. Am Ende der 1980er Jahre wurden dann architektonisch anspruchsvollere Türme gebaut. Die immer dichter werdende Frankfurter Skyline entwickelte sich zum Wahrzeichen der Stadt und wurde schließlich das Symbol für Prosperität und Zukunftsorientierung. Frankfurt konnte sich selbst wieder lieben.

Steuerung der Außenwirkung
Seit 1998 regelt schließlich der Hochhausrahmenplan, wo und wie Hochhäuser gebaut werden dürfen. Die meisten Hochhäuser in Frankfurt stehen dicht an dicht im Bankenviertel und im Europaviertel. Heute wird versucht, Hochhäuser vor allem gebündelt an bestimmten Standorten zu erlauben. Dadurch soll eine Pulkwirkung entstehen. Aus diesem Grund wirkt die Skyline von Frankfurt heute so kompakt: neue Hochhausstandorte werden vor allem dort ausgewiesen, wo aus der Ferne gesehen Lücken im Stadtpanorama vorhanden sind.

Historisches Glück – Teil 2
Frankfurt lag schon immer zentral in Deutschland, bedeutende Verkehrswege kreuzen hier. Doch mit der Osterweiterung der europäischen Union lag Frankfurt per Zufall ziemlich genau in der geographischen Mitte der EU. Dank der europäischen Einigung, der Einführung des Euro und des Verhandlungsgeschicks von Helmut Kohl konnte die Europäische Zentralbank in Frankfurt angesiedelt werden. Es entstand ein weiterer Sog Tausender gut bezahlter Fachkräfte, die sich gehobene Wohnlagen leisten konnten und auch so genügend Geld zum Ausgeben hatten.

Vom Makel zur Marke
Die Bevölkerung identifizierte sich zunehmend mit ihren schicken Hochhäusern, nicht zuletzt weil immer mehr Türme öffentlich zugänglich wurden. Seit 1996 feierten die Menschen in Frankfurt in unregelmäßigen Abständen sogar ihre Skyline mit dem Wolkenkratzer-Festival. Unansehnliche Türme wurden in der Innenstadt fast alle abgerissen oder renoviert und durch moderne Hochhäuser ersetzt.

Historisches Glück – Teil 3?
Mit dem Referendum der Briten zum Austritt aus der europäischen Union hat sich unerwartet ein weiterer Baustein für Wachstum in Frankfurt aufgetan. In den kommenden Jahren werden zahlreiche Banken und Dienstleister weitere gutbezahlte Jobs im Dienstleistungssektor schaffen. Welche Dimension dies für die weitere Stadtentwicklung haben wird, steht noch in den Sternen. Doch ganz klar ist:

Die Skyline ist zum Markenzeichen der weltoffenen Mainmetropole geworden. Frankfurt ist Deutschlands boomende Weltstadt, der neue „Place to be“.

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