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Der Büromarkt Frankfurt und der Brexit

Dr. Stefan Mitropoulos im Gespräch

Der Bereich Volkswirtschaft/Research der Hessischen Landesbank (Helaba) legte im Oktober 2019 unter der Leitung von Chefvolkswirtin Dr. Gertrud R. Traud und Autorin Ulrike Bischoff seine Studie zum Finanzplatz Frankfurt vor. Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • Erste Brexit-Banker in Frankfurt angekommen
  • 31 ausländische Brexit-­Banken haben sich für Frankfurt ent­schieden
  • Nur leichter Anstieg der Bank­beschäftigten bis Ende 2021
  • An der Attraktivität des Finanz­platzes muss ge­arbeitet werden

Die Brexit-Banker in Frankfurt – es gibt sie wirklich. Im Stadt­bild Frank­furts sind die Brexit-­Banken in­zwischen pro­minent vertreten und haben Büros meist in Pre­mium­lagen an­gemietet. Mittler­weile haben 31 aus­ländische Brexit-Banken aus 14 verschiedenen Ländern Frankfurt aus­erkoren. Das Ranking der europä­ischen Finanz­plätze in der Gunst der Aus­lands­banken ist eindeutig: Mit großem Ab­stand hinter Frankfurt folgen Paris (elf), Dublin und Luxemburg (neun bzw. acht) sowie Amster­dam (fünf). Das ist das Ergebnis der aktuellen Finanz­platz­studie der Helaba.

Der Frankfurter Büro­markt profitiert weiter­hin von einer regen Flächen­nach­­frage bei moderater Bau­tätigkeit, so dass die Büro­mieten steigen und der Leerstand auf rund 7 % gesunken ist. Die positive Ent­wicklung sollte sich fortsetzten. Dazu tragen die Impulse durch die Brexit-­­­­Banken schon im Vor­feld des EU-­Austritts bei. Stärker noch wirkt allerdings der Stellen­zuwachs in anderen Dienst­leistungs­branchen. An­gesichts einer Reihe von größeren Projektentwicklungen dürfte allerdings in den nächsten Jahren keine echte Knappheit an Büroflächen entstehen.

Der SKYLINE ATLAS stellte einige Fragen zum Büro­markt Frankfurt an Dr. Stefan Mitropoulos, der als Leitung Konjunktur- und Immobilienanalyse bei der Helaba arbeitet und an der Helaba-Finanzplatzstudie mitgewirkt hat.

Fragen zum Frankfurter Büromarkt an Dr. Stefan Mitropoulos

Herr Dr. Mitropoulos leitet seit 2009 die Konjunktur- und Immobilienanalyse im Research der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen.

SKYLINE ATLAS: Schön, dass Sie sich Zeit für unsere Fragen zum Finanzplatz Frankfurt genommen haben. Sehen Sie Auswirkungen des Brexit für den Büromarkt in Frankfurt?

Dr. Stefan Mitropoulos: Der Brexit hat bereits und wird auch künftig für zusätzliche Arbeitsplätze im Frankfurter Bankenviertel sorgen. Damit geht eine Zusatznachfrage nach Büroflächen vor allem in zentralen Lagen einher. Zahlreiche Auslandsbanken haben eine Verlagerung von Geschäften aus London angekündigt und teils auch schon realisiert. Dieser Prozess wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Allerdings wird gleichzeitig die Konsolidierung in der Bankenwelt weitergehen und zu einem Verlust von Bankarbeitsplätzen führen, so dass der Nettoeffekt des Brexit für den Büromarkt eher überschaubar sein wird.

Der Frankfurter Büromarkt hängt aber gar nicht so stark von der Bankenbranche ab, wie häufig vermutet wird. Von 2008 bis 2018 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Stadt um mehr als 96.000 gestiegen, von denen etwa die Hälfte auf Büroarbeitsplätze entfällt. Dabei haben die Finanzdienstleister keine besonders große Rolle gespielt. Der Brexit wirkt sich also am hiesigen Büromarkt positiv aus – die Mieten steigen aber auch so weiter. 

Dr. Stefan Mitropoulos - Helaba Frankfurt - Immobilienexperte Hessische Landesbank - Portrait

Dr. Stefan Mitropoulos

SKYLINE ATLAS: Was bewegt aktuell die Nachfrage im Büroimmobilienmarkt Frankfurt?

Dr. Stefan Mitropoulos: Die Nachfrage nach Büroflächen hängt unmittelbar mit der Beschäftigungsentwicklung in büroaffinen Sektoren zusammen. Dabei stehen in Frankfurt die Finanzdienstleister nur für rund 13 % der Beschäftigten. Wichtig für den Büromarkt sind daneben auch sog. wissenschaftliche, technische und sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, die Immobilienwirtschaft, der öffentliche Bereich sowie Information und Kommunikation. Die Beschäftigungsentwicklung in diesen Branchen ist eng mit der allgemeinen konjunkturellen Lage verbunden. Hier zeichnet sich nach der Delle im zurückliegenden Jahr für 2020 eine Erholung ab, so dass sich insgesamt die Büroflächennachfrage in Frankfurt insgesamt weiter positiv entwickeln dürfte. Auch der generelle Trend in die großen Ballungsräume ist intakt – davon profitiert der Frankfurter Büromarkt.

SKYLINE ATLAS: Wie entwickelt sich der Büroleerstand in Frankfurt?

Dr. Stefan Mitropoulos: Die Büroleerstandsrate in Frankfurt ist in den letzten Jahren von in der Spitze über 15 % auf aktuell nur noch rund 7 % geschrumpft. Der Büroleerstand dürfte hier zunächst noch etwas weiter fallen. Dass es dennoch nicht zu größeren Engpässen am Frankfurter Büromarkt kommt, wird in erster Linie einer Reihe von Projektentwicklungen zu verdanken sein. Angesichts der gut gefüllten Entwicklungspipeline ist nicht damit zu rechnen, dass die Leerstandsrate in den nächsten Jahren – wie bereits in einigen anderen deutschen Top-Standorten – in Richtung 2 % bis 3 % sinkt. Daran wird auch die Brexit-bedingte Zusatznachfrage nichts ändern. Mittel- bis langfristig könnte sich der Trend zum flexiblen Arbeiten ohne feste Büroarbeitsplätze in der Büroflächennachfrage bemerkbar machen. Sinkende Pro-Kopf-Büroflächen könnten dann einem weiteren Rückgang der Leerstandsrate entgegen stehen.

SKYLINE ATLAS: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview wurde im Dezember 2019 geführt.

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