Über die Zukunft unserer Städte

Petra Roth im Gespräch

Michael Wutzke: Frau Roth, als Vizepräsidentin des Deutsches Städtetages und Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt stehen Sie mitten in der Diskussion um die zukünftige Rolle der deutschen Städte. Mit welchen Herausforderungen sind unsere Großstädte in naher Zukunft konfrontiert?

Petra Roth: Es sind in der Tat eine Reihe von Herausforderungen, wobei die deutschen Großstädte unterschiedlich betroffen sind. Berlin etwa hat als Hauptstadt eine Sonderstellung, aber auch ein Stadtstaat wie Hamburg. Wesentlich für alle ist sicher die hat die Haushaltskonsolidierung bei oft rückläufigen Steuer einen Namen. Das Verhältnis zwischen unausweichlicher Konsolidierung und unabdingbaren Investitionen wird sehr wichtig sein. Alle Großstädte haben Sicherheits Probleme, die Kulturfinanzierung ist ein Thema, die Integration der ausländischen Bevölkerung, Bildung und Ausbildung für junge Menschen; hier geht es wirklich um die Zukunft der Stadt Gesellschaft.

Michael Wutzke: Welche Rolle spielen städtebauliche Aspekte?

Petra Roth: Für den Zusammenhalt der Stadt Gesellschaft und für die Standort Werbung eine ganz erhebliche. Die Ausweisung von neuen Gewerbe und Wohngebieten, dass Verhältnis von Wohnen, Arbeiten und Freizeitqualität wird immer bedeutsamer. Das gilt erst recht für die Entwicklung der Innenstädte.

Michael Wutzke: Viele europäische Großstadt legen im Wettbewerb immer umfangreichere Planungen vor. Wie sehen die Entwicklung in Deutschland aus?

Petra Roth: Die Globalisierung ist in Deutschlands Großstädten längst Realität. Allerdings spielen die jeweiligen Regionen eine zunehmende Rolle. So konkurriert die Rhein-Main Region mit Frankfurt als Zentrum mit vergleichbaren Regionen in den Beneluxländern, Frankreich oder Süd England. Es kommt darauf an, die Stärken zu profilieren. Beispielsweise im Tourismus, bei der Verkehrsinfrastruktur, dem Kulturangebot, dem Investitionsklima oder der Effektivität der Verwaltung.

Michael Wutzke: Wie stehen unsere Großstädte im internationalen Vergleich da?

Petra Roth: Recht gut. Wobei natürlich spezifiziert und unterschieden werden müsste. Im Vergleich zu Metropolen wie New York, London, Paris und Tokio bekäme auch Berlin Probleme. Aber Hamburg, Köln, München und natürlich Frankfurt können sich mit vergleichbaren Städten durch ausmessen und schneiden vorzüglich ab. Frankfurt als Finanzzentrum etwa folgt unmittelbar hinter den oben genannten Metropolen.

Michael Wutzke: Sie sind oft im Ausland unterwegs. Welchen allgemeinen Eindruck hat man dort von deutschen Metropolen?

Petra Roth: Es wird stark nach den jeweiligen Profilen unterschieden. München, Köln oder Frankfurt werden mit ihren spezifischen Leistungen wahrgenommen.

Michael Wutzke: Kommen wir auf Frankfurt zu sprechen. Hier scheint sich in den nächsten Jahren einiges in Sachen Stadtentwicklung zu tun. Wie erklären Sie diese neue Richtung?

Petra Roth: Es ist gelungen, ideologische Blockaden, die in den achtziger und frühen neunziger Jahren dominierten, abzubauen. Nicht die Höhe eines Hauses ist alleine entscheidend, sondern seine Gestaltung und wie sie sich in die Umgebung einfügt. Die Einsicht hat sich allmählich durchgesetzt, dass wir uns in einem harten Wettbewerb mit anderen Städten und Regionen im in und Ausland befinden. Da wird uns nichts geschenkt. Wir müssen besser sein. Der Sinn für diese Wirklichkeit wurde geschärft.

Michael Wutzke: Vertreter der Stadt bemühen sich, vor allem im Ausland das Bild von Frankfurt durch Veranstaltungen auf zu bessern ist es nicht Zeit auch hierzulande etwas dafür zu tun?

Petra Roth: Beides ist notwendig und das geschieht auch. Als internationale Großstadt müssen wir selbstverständlich in New York für uns werben, im fernen Osten oder auf der Map im in Cannes vertreten sein. Aber wer die Wirtschaftsförderung und die Kultureinrichtungen mache natürlich in ganz Deutschland kontinuierlich und nach Schwerpunkten auf uns aufmerksam. Dabei gewinnt, wie ich schon sagte, Koordinierung an Bedeutung.

Michael Wutzke: Die amerikanische Stadt New York hat im Jahre 1974 eine eigene Imagekampagne I love New York gestartet. Könnte so etwas Vorbild für Frankfurt sein?

Petra Roth: Über Imagekampagne ist ständig nach zu denken. Das gilt auch für die Euro statt Frankfurt. Aber die Kampagne muss wirklich zu unserer Stadt passen, um zu überzeugen.

Michael Wutzke: Können Sie vielleicht im interessierten Leser kurz geziehen, welche städtebaulichen Perspektiven sich abzeichnen?

Petra Roth: Die Innenstadt wird erheblich erneuert werden. Die Zeil erhält nach den Vorschlägen aus dem Wettbewerb ein teilweise anderes Gesicht, die Kulturmeile Braubachstraße wird entstehen. Mit dem Europa Viertel wächst ein ganz neuer Stadtteil neben der Messe heran, mit dem Neubau der europäischen Zentralbank im Osten eröffnen sich auch dort großartige städtebauliche Perspektiven.

Michael Wutzke: Zeichnen Sie uns ein Bild wie Frankfurt in 15 Jahren aussehen könnte.

Petra Roth: Eine wirtschaftlich Boom in der Stadt mit einer einzigartigen erweiterten Skyline, die gegenüber allen anderen deutschen, ja europäischen Großstädten unverwechselbar macht. Eine Stadt mit einem hohen Anspruch genügen den Kulturangebot, eine sichere und attraktive Finanzmetropole.

Michael Wutzke: Vielen Dank für das freundliche Gespräch.

Das Interview wurde 2001 geführt.

Petra Roth (Oberbürgermeisterin von Frankfurt, 2001)
Petra Roth (hier abgebildet 2001) – als Oberbürgermeisterin von Frankfurt (Amtszeit 1995 bis 2012)