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Campanile Frankfurt - Bahntower Frankfurt - nie errichtetes Hochhaus

Der Campanile war ein bis zu 220 Meter hoher Wolkenkratzer, der in verschiedenen Planungsvarianten ab Anfang der 1980er Jahre in Frankfurt am Main entstehen sollte, aber letztendlich nicht errichtet wurde. Für den Campanile war ein Grundstück südlich vom Hauptbahnhof vorgesehen, auf dem seit den 1960er Jahren ein Parkplatz vorhanden war. Der Name Campanile (Glockenturm) leitet sich ab von italienischen Kirchtürmen, die oft frei neben Kirchengebäuden stehen – im Frankfurter Fall wäre der Turm neben der „Kathedrale“ Hauptbahnhof errichtet worden. 

Optische Gestaltung

Den ersten Entwurf, der auch Bahntower genannt wurde, leistete der Architekt Hans Robert Hiegel mit einer Gesamthöhe von 180 Metern im Auftrag der Stadt Frankfurt. Ein weiterer Entwurf für den Campanile, der in den Medien größere Beachtung fand, wurde vom Frankfurter Büro JSK Architekten vorgestellt. Darauf folgten höhere Varianten für das Campanile-Hochhaus sowohl von Hiegel als auch JSK Architekten. Einige Jahre später wurde in einem Wettbewerbsverfahren der Entwurf von Oswald Mathias Ungers mit dem ersten Preis prämiert. Ein Geschäftsführer von JSK war hierbei im Preisgericht vertreten.

Campanile Frankfurt - Bahntower Frankfurt - Hans Peter Riegel
Campanile Frankfurt - Bahntower Frankfurt - JSK Architekten
Campanile Frankfurt - Bahntower Frankfurt - Oswald Mathias Ungers

Wissenswert: Der von Hiegel gestaltete Entwurf vom Campanile beinhaltete eine Pyramide auf dem Dach, die Jahre später Vorbild für die Pyramidenspitze vom Frankfurter MesseTurm werden sollte.

Juristisches Tauziehen

Das Bauprojekt Campanile war umstritten, da im benachbarten Gutleutviertel eine Verdrängung der Wohnbevölkerung und eine Zunahme des Pkw-Verkehrs befürchtet wurde. Dennoch erteilte die Stadt Frankfurt am 12. März 1989 eine erste Teilbaugenehmigung für den Campanile – lediglich 48 Stunden vor der Kommunalwahl, die der CDU den Verlust der Regierungsmacht bedeutete und eine Koalition aus SPD und Grünen hervorbrachte.

Während die SPD den Campanile befürwortete, lehnten die Grünen den Turm grundsätzlich ab. Schließlich brachte ein juristischer Fehler in der Teilbaugenehmigung das ganze Vorhaben zu Fall: Eine Klausel machte die Rechtswirksamkeit der Genehmigung von der Zustimmung aller aufgrund des Nachbarschaftsrechts betroffenen Grundstücksnachbarn abhängig. Während die anderen Nachbarn gegen erhebliche finanzielle Zusicherungen auch zum Stillhalten gebracht werden konnten, stieß die Immobiliengruppe Fay, der damalige Bauträger des Campanile, und der Entwurf von JSK bei einer Nachbarin auf erheblichen Widerstand. Selbst Angebote millionenhoher Summen brachten die promovierte Aktivistin nicht davon ab, ihre Zustimmung zu verweigern und gegen das Bauvorhaben zu klagen, um die Gentrifizierung ihres Viertels zu verzögern. Zwar wurde die betreffende Klausel später gerichtlich für unwirksam erklärt, da sie faktisch eine Übertragung der Kompetenz für die Erteilung von Baugenehmigungen von der Stadt auf die Grundstücksnachbarn darstellte, doch da war das Campanile-Projekt längst gescheitert und in der rot-grünen Stadtregierung auch politisch nicht mehr gewollt.

Werbeaktion Pro Campanile

Die Bauherren unternahmen rechtlich und vertrieblich alles, um in der Bevölkerung und der Politik das Projekt positiv zu positionieren. Doch es half alles nichts: Der Campanile wurde nie gebaut.

Kurios: Sogar durch Teilnahme an einer Postkartenaktion konnten Frankfurter Bürger ihre Sympathie für das Hochhausprojekt ausdrücken.

Wiederbelebung vom Standort

Der Stadtplaner Jochem Jourdan wurde mit seinem Büro Jourdan Müller PAS im Jahre 2005 von der Stadt Frankfurt beauftragt, eine Fortschreibung vom Hochhausentwicklungsplan zu erstellen. Unter den Standorten, die Jourdan für Hochhausprojekte als geeignet empfahl, befand sich bei einer ersten Präsentation im März 2007 auch das Campanile-Areal am Hauptbahnhof.

Jourdan schlug seinerzeit einen 180 Meter hohen Turm vor, der in die nördliche Ecke des Grundstücks an die Mannheimer Straße gerückt werden sollte. Im südlichen Teil könne so ein dringend benötigter Busbahnhof auf dem Areal entstehen. Dieser Vorschlag und weitere umstrittene Standorte sorgten in der schwarz-grünen Koalition für kontroverse und lang andauernde Diskussionen. Eine Entscheidung über den neuen Hochhausrahmenplan wurde mehrmals vertagt. Im April 2008 wurde bekannt, dass sich die Koalition aus CDU und Grünen beim Hochhaus am Hauptbahnhof geeinigt habe: Die Höhe werde auf nur noch 100 Meter beschränkt und der Bau eines Busbahnhofes sei zwingende Voraussetzung für den Hochhausbau. Bereits wenige Monate später, im September 2008, war diese Einigung wieder überholt. Es wurde bekannt, dass sich die Stadt mit dem Grundstückseigentümer Vivico Real Estate GmbH, die seit Dezember 2007 zur österreichischen Immobiliengesellschaft CA Immo AG gehörte, auf ein Hochhaus mit einer Maximalhöhe von 210 Metern verständigt habe. Ausschlaggebend für die Zustimmung zu einem doppelt so hohen Gebäude war das Interesse der Deutschen Bahn den Turm komplett zu mieten und damit etwa 3.000 Mitarbeiter aus Frankfurt an einem Ort zu konzentrieren. Eine weitere Auflage der Stadt Frankfurt für die Ausweitung der Höhe war die Errichtung eines Busbahnhofes am Standort sowie neue Wohnungen, insbesondere auch geförderte Sozialwohnungen. Ein Bebauungsplanverfahren sollte eingeleitet werden, wenn Vivico (heute CA Immo Deutschland) den Mietvertrag mit der Deutschen Bahn abgeschlossen hat.

Im März 2009 gab die Bahn bekannt, dass sie für etwa 2.000 Mitarbeiter langfristig den Silberturm im Bahnhofsviertel von der Commerzbank gemietet habe. Das Hochhaus stand seit dem Auszug der Mitarbeiter der Dresdner Bank leer und wurde ab Anfang 2009 umfassend saniert. Im April 2012 bezogen die Mitarbeiter der DB Systel, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn, ihre neuen Arbeitsplätze.

Auf dem nördlichen Teil des Grundstücks an der Mannheimer Straße entstand bis 2018 statt des geplanten Bahntowers ein achtgeschossiges InterCity-Hotel, auf dem südlichen Teil der zuletzt 2007 vorgeschlagene Fernbusbahnhof. Das temporäre Parkhaus, das sich neben dem 4-Sterne Hotel befindet, soll in einigen Jahren durch einen Büroturm ersetzt werden.

Hochhaus am Hauptbahnhof - Campanile Areal - Parkhaus, Busbahnhof, Intercity Hotel

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