Frankfurt - Hochhausrahmenplan 2021 - Hochhausentwicklungsplan 2020 - Hochhausplan 2021 - Skyline Frankfurt gemalt

Hochhaus-Rahmenplan 2021

Die Stadt Frankfurt möchte mit dem Hochhausrahmenplan 2021 ihre politische Meinung darüber ausdrücken, wie und wo Hochhäuser in Zukunft entstehen sollen. Damit sollen sich Investoren und Bauherren besser orientieren können.

Das Planungsdezernat arbeitet aktuell erneut an der Fortschreibung vom Hochhausentwicklungsplan 2000, der bereits im Jahr 2008 fortgeschrieben wurde. Aufgrund dieser Rahmenpläne können aktuell noch an 16 möglichen Standorten offiziell Hochhäuser errichtet werden. Darunter gehört eine Fläche südlich vom Hauptbahnhof gelegen, auf der ein 180 Meter hoher Turm entstehen dürfte, und ein Areal an der Messe, auf dem einmal der bis zu 365 Meter hohe Millennium Tower entstehen sollte.

Hochhäuser in Clustern

Im Planungsdezernat der Stadt Frankfurt ist man dabei, eine Fortschreibung des Hochhausentwicklungsplans vorzubereiten, der auch Standorte benennen wird, an denen neue Hochhaustürme entstehen können. Bisher setzt die Stadt auf Cluster (Hochhauspulks), in denen jeweils mehrere Türme über 60 Meter Höhe entstehen können. Alleinstehende Hochhäuser sollen die absolute Ausnahme sein. Der nächste Hochhausplan, dessen Vorlage bereits für 2018 und dann 2019 vorgesehen war, soll nun im Jahre 2021 vorgelegt werden.

Sinn und Zweck

Der neue Rahmenplan soll nach Angaben vom Planungsdezernat auch ausweisen, wo selbst Hochhäuser unter 60 Meter nicht entstehen dürfen. Das sei nötig, um die „Stadtsilhouette zu beruhigen“ und bestimmte Standorte und Stadtteile vor Bodenspekulation zu schützen.

Was noch nicht offen ist: Ob im neuen Hochhausentwicklungsplan konkrete Standorte oder nur grobe Zonen für die neuen Hochhäuser festgelegt werden sollen. Projektentwickler haben sich gegen die Bennung klarer Baufelder ausgesprochen, da deren Wert sonst stark steigen würde. Um der Bodenspekulation einen Riegel vorzuschieben, hatte sich die Stadt in der Vergangenheit jeweils für konkrete Standorte entschieden. In dieser Sache sei es aber noch nicht zu einer Entscheidung gekommen, heißt es aus dem Planungsdezernat.

Rechtlich verbindlich wird dieser neue Hochhausplan allerdings nicht, wie alle Hochhauspläne bisher. In den vergangenen Jahren erlaubte die Stadt eine Reihe Hochhäuser (siehe Übersicht weiter unten), ohne dass diese jemals in einem Hochhausrahmenplan vorgesehen waren. Ein Hochhausrahmenplan ist also nichts weiter als eine politische Meinungsäußerung der Stadt (und vor allem denjenigen, die den Plan formulieren) zu einem bestimten Zeitpunkt.

Genehmigt „ohne Plan“

Mit dem Hochhausentwicklungsplan 2021 möchte die Stadt „Wildwuchs“ im Städtebau verhindert und den Bau von Hochhäusern gezielt lenken. Doch es wurden bereits eine Reihe von Hochhäusern genehmigt und gebaut, ohne dass diese ursprünglich in einem Hochhausrahmenplan vorgesehen waren:

Warum also schafft es manches Projekt, realisiert zu werden, und andere nicht? Ganz einfach: Es gab für das genehmigte Projekt eine politische Mehrheit. Diese Mehrheit war entweder schon vorhanden oder sie konnte beschafft werden. Entweder es herrscht ohnehin große Einigkeit über das Projekt (Stichwort EZB) oder der Bauherr versüßt der Stadt das „Ja“-Wort durch Zugeständnisse, wie den Bau von günstigem Wohnraum.

Keine Wohnhochhäuser

Bei der Fortschreibung des Hochhausrahmenplans will die Stadt Frankfurt dem Vernehmen nach keine neuen Wohntürme ermöglichen. Diesbezüglich soll sich Planungsdezernent Mike Josef (SPD), der auch Tonangeber beim Hochhausrahmenplan ist, bei einer Fachtagung geäußert haben. Viele neue Wohnhochhäuser stünden teilweise leer und würden so einer Wohnnutzung vorenthalten. Diese Wohntürme dienten vor allem auswärtigen Investoren als Kapitalanlage und damit seien keine Entlastung für den Wohnungsmarkt.

Mike Josef verwies dabei auf den Henninger-Turm, in dem abends hinter vielen Fenstern kein Licht brenne. Deshalb sind bei der Fortschreibung des Hochhausrahmenplans insbesondere Bürotürme und gemischt genutzte Hochhäuser vorgesehen. Es wird daher etwartet, dass keine Standorte für neue Wohnhäuser im neuen Hochhausrahmenplan ausgewiesen werden.

Die erste öffentliche Veranstaltung zum geplanten Hochhausrahmenplan soll es im Jahr 2019 geben.

Fazit vom SKYLINE ATLAS

Experten sehen die Hochhausrahmenpläne als zweischneidiges Schwert: die Idee einer Hochhauslenkung ist grundlegend begrüßenswert, um beispielsweise bestimmte Wohnviertel zu schützen, doch die Implementierung ist bisher nicht stringend. Problematisch ist, dass bestimmte Standorte für Jahrzehnte zementiert werden und an den Anforderungen vorbeigehen können. Die Stadt wäre bei Hochhausrahmenplänen gut beraten, sich nicht auf die Anzahl der Hochhäuser zu beschränken, sondern stattdessen die häufig bemängelte Qualität der Architektur in den Vordergrund zu stellen.

Hochhäuser sieht man von allen Himmelsrichtungen aus der Ferne. Die Menschen haben eine ästhetische, lebenswerte Stadt verdient und wollen nicht auf lieblose Betonklötze schauen, sondern einen modernen Stadtraum erleben. Daher sollte die Idee hinter einem Hochhausplan lauten: je innovativer die Architektur und der Nutzen für die Allgemeinheit, desto exponierter können auch die Lage und Höhe von einem Hochhaus sein.

Mike Josef will mit dem Hochhausentwicklungsplan unter anderem Spekulation unterbinden. Das ist ein hehres Ziel. Doch warum soll ausgerechnet in Frankfurt gelingen, woran auch London gescheitert ist. Da helfen keine Lippenbekenntnisse, sondern eine neue Art der Politik: es braucht nicht hier und da ein neues Wohngebiet, sondern Frankfurt muss seinem inoffiziellen Metropolenauftrag endlich gerecht werden. Dazu zählt auch, dass das Land Hessen und die Bundesrepublik Deutschland diese Metropolenfunktion viel stärker finanziell unterstützen als in der Vergangenheit.

Michael Wutzke - SKYLINE ATLAS - Chefredakteur

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Sollte die Stadt Frankfurt verbindlich Hochhausstandorte ausweisen?

One Comment “Hochhausentwicklungsplan 2021

  1. Joerg Seibert say: 2 Monaten ago Reply

    Ich stimme der Idee zu, nicht eine Anzahl von Hochäusern zu bestimmen, sondern auf die architektonische Wirkung Wert zu legen. Kurz: Es ist wie immer, weniger Ideologie und mehr Metropolendenken. Das gilt vor allem auch, aber nicht nur, für die Landespolitik und deren häufig noch kleinkariertes Kirchturmdenken. Macht Frankfurt groß und Hessen blüht nachhaltig auf.

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