Frankfurt plant grüne Zukunft über der Autobahn 661 – und neuen Stadtteil an der A5
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Frankfurt wagt zwei der größten städtebaulichen Projekte seiner jüngeren Geschichte. Die Stadtverordnetenversammlung hat Mitte Dezember den Startschuss für die Planungsphase zur Überdachung der A661 sowie zum Bau eines neuen Stadtteils östlich der A5 gegeben. Beide Vorhaben sollen die Stadt nachhaltiger, leiser und lebenswerter machen – erfordern aber Investitionen von insgesamt fast zwei Milliarden Euro.
Die Idee, die A661 zwischen Bornheim und Seckbach zu überdachen, beschäftigt Frankfurt seit fast zwei Jahrzehnten. Die A661 bildet heute eine starke Zäsur zwischen Bornheim, Seckbach und Preungesheim; die Einhausung soll diese Trennung deutlich reduzieren und die Stadtteile besser verknüpfen. Bereits 2007 forderten Bürgerinitiativen und die Linke im Stadtparlament, die Kosten einer sogenannten Einhausung zu prüfen. Damals blieb der Vorschlag ohne Mehrheit – heute gilt er als einer der „erfolgreichsten abgelehnten Anträge“, weil er eine Entwicklung anstieß, die nun Realität wird.
Das A661-Projekt: Vom Lärmschutzprojekt zum Stadtgrün
Ursprünglich war lediglich ein 400 Meter langer Deckel vorgesehen. Nach mehreren Machbarkeitsstudien der Deutschen Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) stellte sich jedoch heraus, dass eine längere Variante technisch sinnvoller und städtebaulich wertvoller ist. Die jetzt favorisierte Lösung sieht eine 1,3 Kilometer lange Überdachung zwischen Friedberger Landstraße und Seckbacher Landstraße vor – ausreichend, um künftig sogar acht Fahrspuren zu überspannen.
Die Kosten liegen laut aktueller Berechnung bei rund 690 Millionen Euro. Einschließlich Unterhalt und Gestaltung der Grünflächen könnte das Projekt auf fast eine Milliarde Euro anwachsen. Die Stadt rechnet mit einem Baubeginn frühestens in den 2030er Jahren, die Fertigstellung könnte 2038 erfolgen. Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) hofft auf Zuschüsse von Bund, Land und EU. Ziel ist, über der stark befahrenen Autobahn ein ausgedehntes Band aus Parks, Radwegen, Spielplätzen und Gärten entstehen zu lassen – der sogenannte „Grüne Bogen 661“.
Mit der Einhausung, so die Vision, würden der Günthersburgpark und der Huthpark zu einer durchgehenden Grünfläche verbunden. Rund sechs Hektar neue Freiflächen könnten entstehen – so groß wie der Volkspark Niddatal. Für viele gilt das Projekt als „größtes Grünflächenvorhaben seit der Einrichtung des Frankfurter Grüngürtels“.
Durch die Einhausung können Lärm- und Schadstoffbelastungen der angrenzenden Quartiere deutlich gemindert werden, ergänzt durch bereits früher geplante Lärmschutzwände beim Ausbau der A661. Das Projekt ist eng mit anderen Vorhaben wie dem Ausbau der A661, dem Riederwaldtunnel und einem möglichen sechsstreifigen Ausbau abzustimmen, damit die Verkehrskapazitäten und Sicherheitsanforderungen erfüllt bleiben.
Hier ein Video des Stadtplanungsamts zum Projekt: https://www.youtube.com/watch?v=iSvSX32O0VQ
Stadtteil der Quartiere: Neue Urbanität an der A5
Parallel dazu wurde der Weg für das Entwicklungsgebiet östlich der A5 frei. Unter dem Titel Stadtteil der Quartiere soll hier in den kommenden Jahrzehnten ein neuer Stadtteil entstehen, in dem Wohnen, Arbeiten und Freizeit eng verzahnt werden. Der Bereich erhält den Status einer städtischen Entwicklungsmaßnahme, was der Stadt weitreichende Planungsbefugnisse gibt. Nach der aktuellen Planung sind circa 6.800 bis 7.000 Wohnungen vorgesehen, ausgelegt für etwa 17.000 Bewohnerinnen und Bewohner.
Die Investitionssumme wird auf nahezu eine Milliarde Euro geschätzt. Anders als bei der A661 sollen die Kosten hauptsächlich durch den Verkauf der neu entstehenden Baugrundstücke gedeckt werden. Damit will Frankfurt ein Finanzierungsmodell umsetzen, das die Stadt langfristig entlastet.
Noch steht das Projekt am Anfang: Nach der Erstellung der ersten Bebauungspläne folgen komplexe Abstimmungen mit regionalen Behörden und Nachbarkommunen. Der Baubeginn könnte – bei günstigem Verlauf – Ende der 2020er Jahre erfolgen. Die Vision: ein moderner, klimafreundlicher Stadtteil mit kurzen Wegen, Energieeffizienz, nachhaltiger Mobilität und gemischter Nutzung.
Einhausung A661 - ambitioniertes Generationenprojekt bis 2038
Beide Projekte werden Frankfurt über Jahrzehnte begleiten. Der sechsspurige Ausbau der A661 soll bereits 2029 abgeschlossen sein; zunächst mit bis zu zehn Meter hohen Lärmschutzwänden. 2033 soll der in Bau befindliche Riederwaldtunnel in Betrieb gehen, der zusätzlichen Verkehr von der A66 auf die A661 lenken wird. Die Einhausung der A661 soll nach aktueller Planungfrühestens im Jahr 2038 fertiggestellt sein.
Manche Stadtverordnete fordern, beide Bauphasen – inklusive der Arbeiten am Riederwaldtunnel – zu synchronisieren, um Zeit und Kosten zu sparen.
SPD, Grüne und CDU sprechen von einer einmaligen Chance, die Stadtlandschaft grundlegend zu verändern. „Wir korrigieren eine alte Fehlplanung, die Wohnquartiere vom Grün getrennt hat“, sagte SPD-Stadtverordneter Holger Tschierschke. Kritiker wie die AfD warnen dagegen vor finanzieller Überlastung.
Ob als Antwort auf jahrzehntelangen Verkehrslärm oder als Symbol für Frankfurts Wandel zur „grünen Metropole“ – beide Projekte stehen für einen neuen Anspruch an Stadtentwicklung: weniger Trennendes, mehr Verbindendes.






















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