29

Sep

Das Mysterium um den OmniTurm ist gelüftet

Ein Hochhaus hat nicht einfach willkürlich eine bestimmte Höhe. Wie hoch in einem bestimmten Bereich maximal gebaut werden kann, das entscheiden weder Bauherr noch Architekt: Dies ist im jeweils gültigen Bebauungsplan geregelt. Der aufmerksame Beobachter stellt jedoch fest, dass es bei manch einem Hochhaus eine Diskrepanz zwischen Bebauungsplan und tatsächlicher Höhe gibt. In anderen Worten: Hier und da wird ein Hochhaus höher als vorgesehen, wie zum Beispiel der OmniTurm. Dort sind im Bebauungsplan 175 Meter vorgesehen, ausgehängte Pläne im Planungsdezernat sprachen von 185,4 Meter – doch die Webseite vom Bauherren weist 190 Meter auf. Der Skyline Atlas hat sich gefragt: Wie kommen diese unterschiedlichen Höhen zustande und wie hoch wird der OmniTurm nun?

Auf Nachfrage beim Planungsamt der Stadt Frankfurt meldete sich Herr Rosmus beim Skyline Atlas, zuständig für Planungen innerhalb vom Cityring. Herr Rosmus klärt auf: „Die maximale Höhe in einem Bebauungsplan kann von der späteren Höhe tatsächlich abweichen, zum Beispiel wenn Technikgeschosse in die Kubatur integriert werden. Technikgeschosse werden bei der Höhenberechnung nicht mitgezählt.“ Dies sei beispielsweise beim Jumeirah Hochhaus der Fall, bei dem 3 Geschosse kaum wahrnehmbar in die Architektur vom Gebäude eingebettet wurden.

„Genauso verhalte es sich auch beim OmniTurm“, so Rosmus. Der OmniTurm verfüge über Technikgeschosse, die in die oberirdischen Geschosse eingeplant wurden. Die Höhe von 185,4 Meter stamme noch aus dem architektonischen Wettbewerb und sei nicht mehr aktuell. Im offiziellen Bauantrag für den OmniTurm stünden 189,9 Meter (also knapp die vom Projektentwickler TishmanSpeyer angegebenen 190 Meter). Daher halten wir fest:

Der OmniTurm hat eine Höhe von 189,9 Meter.

01

Sep

Die City braucht den Gegenpol – Frankfurt Southbank

Ja, Frankfurt hat eine Skyline. Schön und gut. Aber im internationalen Maßstab stehen wir doch eher bescheiden da. Wer einmal in Städten wie London, Toronto oder Chicago war, der weiss: Frankfurt hat städtebaulich sicher noch viel Potenzial. In den ausländischen Medien heißt dass dann etwas anders: Frankfurt wäre provinziell, langweilig oder ein „Canaray Wharf in the green“.

Wie könnte also eine Weiterentwicklung aussehen? Spinnen wir die Idee von Wohntürmen doch einmal weiter. Wie wäre es, wenn wir moderne Hochhäuser nicht mehr nur einer elitären Minderzeit zugänglich machen und diese stadtnah bauen? Es gibt genügend Orte, wo Wohntürme Sinn machen… vor allem dort, wo gewohnt wird: in Sachsenhausen. Der Skyline Atlas hat daher einen Vorschlag zur Belebung vom südlichen Mainufer ausgearbeitet, den wir hiermit feierlich präsentieren. Wir haben das Konzept Frankfurt Southbank genannt und es soll als Ideengeber gelten können.

Jetzt fehlt nur noch eins: Mutige Projektentwickler und die passenden Architekten für das Mainhattan von morgen!

Wohntürme am Mainufer in Sachsenhausen. Das finde ich...
21

Jul

Morgan Stanley mietet sich offenbar in Frankfurter Omniturm ein

Der Brexit wirft immer konkreter seine Schatten voraus. Es könnte die erste Anmietung in Frankfurt werden, die eindeutig auf dem Brexit beruht: nach Medienberichten soll Morgan Stanley mehrere Stockwerke im Hochhausprojekt Omniturm belegen. Bisher war unklar, wohin es Morgan Stanley ziehen wird, wenn der geplante EU-Austritt Großbritanniens sie zum teilweisen Abzug ihrer Mitarbeiter aus London zwingen sollte.

Offenbar hat Morgan Stanley jetzt eine Entscheidung getroffen und sich Frankfurt und auch schon für eine konkrete Immobilie entschieden. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zufolge hat die US-amerikanische Investmentbank dort 8.000 Quadratmeter Bürofläche im Hochhaus Omniturm gemietet, das zur Zeit errichtet wird. Diese 8.000 Quadratmeter entsprechen fünf oder sechs der 45 Stockwerke im Omniturm und damit fast einem Fünftel seiner knapp 44.000 Quadratmeter Bürofläche.

Der New Yorker Projektentwickler Tishman Speyer, der Frankfurter Wurzeln hat, baut den gemischten Wohn- und Büroturm derzeit im Bankenviertel an der Großen Gallusstraße. Für Ende 2018 ist die Fertigstellung angekündigt.

Bisher sitzt Morgan Stanley in einem Bürogebäude an der Junghofstraße. Ob dieser Standort dann aufgegeben wird ist bisher unklar.

02

Jul

Ein Frankfurter zu Besuch in London, Hochhäuser und der Brexit.

Der Skyline Atlas begibt sich auf Spurensuche in Sachen Brexit und Stadtentwicklung. Ein Vor-Ort-Besuch in London bei einem Mitarbeiter von J.P. Morgan.

Es ist ein Samstag Morgen. Ich steige um 7.15 Uhr in die British Airways Maschine von Frankfurt nach London. Doch ich lande diesmal nicht im westlich gelegenen Heathrow, sondern mitten in der Stadt – auf dem City Airport. Nach etwas mehr als einer Stunde Flug bin ich angekommen. Es ist erst 7.25 Uhr denn mir hat die neue Zeitzone eine Stunde geschenkt.

Ich habe kein Gepäck, laufe aus dem Terminal, steige in die DLR (Docklands Light Railway) und bin weitere 10 Minuten später in den Docklands und der dazugehörigen Canary Wharf, einem der Entwicklungsgebiete hier in London. Mein Blick schweift über die vielen bekannten Türme und ich sehe den Hochhausturm One Canada Square mit seiner pyramidenartigen Gebäudespitze, sowie Hochhäuser mit den Logos von HSBC, Citi, J.P. Morgan sowie Barclays. So weit, so gut.

Dann besuche ich Paul. Paul ist 35 Jahre alt, wohnt seit 7 Jahren hier in London und arbeitet für die Investmentbank J.P. Morgan in der Canary Wharf. Er ist vor einigen Monaten hier in die Docklands umgezogen aus einem von hier 15 Minuten entfernten Gebiet. Ich stehe vor dem Haus in dem Paul wohnt und schaue nach oben. Das sind locker 25 Geschosse und es sieht alles neu aus denke ich mir. Dann tippe ich seine Apartment-Nummer in das Klingeltableau ein. Die Tür geht auf, der Doorman begrüßt mich freundlich und ich fahre mit dem Aufzug in eine der obersten Etagen.

Paul öffnet freundlich die Tür und fällt mir in die Arme. Wir kennen uns seit mehr als 10 Jahren, als er noch gar nicht in London wohnte. Ich betrete sein Designer-Apartment und schaue mich um. Nirgendwo Ikea, beste Ausstattung, es wirkt hier vieles wie aus einem Katalog und alles ist nagelneu. Dann schreite ich zur Fensterfront und schaue nach draußen.

Vor mir liegt jetzt Canary Wharf zu Füßen – er hat von hier aus den perfekten Überblick. Ich bin Hochhäuser in Frankfurt gewöhnt und dachte bisher eigentlich immer, dass Frankfurt diesbezüglich ganz gut abschneidet in Europa. Doch jetzt fällt mir auf, wie massiv doch die Bauten in Canary Wharf eigentlich sind: die meisten der Bürogebäude haben mindestens die doppelte oder gar dreifache Tiefe von Hochhäusern in Deutschland. Hier in Großbritannien gibt es laxere Arbeitsvorschriften – die Tiefe von Hochhäuser erzwingt keine schmale Kubatur. Und so wirken die dicht aneinander stehenden Bauten nicht nur eindrucksvoll, sondern bedrohlich zugleich. Ein Eindruck, der sich später noch verstärken sollte.

Canary Wharf Bürogebiet Wolkenkratzer Brexit
Wolkenkratzer Krähne Bauen London
Docklands Luxusapartments Bauen

Paul erzählt mir, dass er sein Apartment nicht gemietet hat sondern jetzt dessen Eigentümer ist. Mieten wäre unverschämt teuer. Für eine Wohnung seiner Größe würden hier locker 3.000 Pfund Nettomiete fällig, pro Monat wohlgemerkt, zuzüglich Servicegebühr von 200 Pfund für den Portier und das Fitness-Studio. Dann schaue ich durch die Gegend und mir fällt vor allem eins auf: Kräne. Überall Kräne. Am Horizont, hinter der Autobahn, über der Straße, in jeder Richtung. London boomt, daran gibt es keinen Zweifel.

Paul klärt mich auf. „What you see are residential towers going up everywhere. This is a new trend here since just a few years.“ Paul erklärt mir, dass nicht einmal 500 Meter entfernt gleich acht Wohnhochhäuser emporwachsen. Alle haben mindestens 50 Geschosse, einige kratzen gar an der 70. „This is nothing. I will show you around a little bit later.“ sagt er zu mir und ich beginne zu begreifen, dass London gerade anders ist als andere Städte hierzulande.

Nach etwas Smalltalk machen wir uns auf den Weg. Keine 10 Minuten später stehen wir mitten in Canary Wharf, diesem etablierten Bürogebiet. Von hier aus ist die City von London rund eine halbe Metrostunde entfernt. Zwischen den Betonmonstern (anders kann man die Gebäudemassen dicht an dicht hier nicht nennen) verschwinden die Menschen und sehen aus wie klitzekleine Ameisen. Ich fühle mich mulmig und frage mich, warum so viele Menschen in dieser Tristesse arbeiten. Wir biegen um die Ecke und stehen vor dem Hochhaus der EMA, die ich bis vor einigen Monaten gar nicht kannte und erst seit dem Brexit durch die Presse den meisten Menschen bekannt wurde. Die EMA (European Medical Agency) ist eine der Agenturen der europäischen Union, die gemeinsam mit der EBA (European Banking Authority) demnächst Canary Wharf in Richtung Festland verlassen müssen. Mein Blick gleitet nach rechts und ich sehe plötzlich nur noch Baustellen. Hier ein Wolkenkratzer, dort ein Hochhaus, hier wird einfach nur gebaut. „Again, all these skyscrapers will contain apartments.“ „Diese Türme sind locker 150 Meter hoch, wenn nicht noch höher“ denke ich mir nur. Ich mache Fotos, und weiß gar nicht genau was ich zuerst fotografieren soll. Dann fange ich an zu zählen aber nach einiger Zeit merke ich, dass es fast unmöglich ist. Es müssen mehrere Dutzend Wohnhochhäuser sein, die entweder gerade fertig gestellt wurden oder eben gebaut werden – einfach nur an diesem Mikrostandort in London direkt neben Canary Wharf.

„There is a lot of money in the market. Most of the apartments are sold to foreign investors.“, sagt Paul. Nicht alle Wohnungen sind belegt. Vielleicht ist das nur ein Zufall oder den hohen Preisen geschuldet. Oder aber es finden sich keine Mieter. Wie dem auch sei, dem Bauboom tut das hier keinen Abbruch. Zumindest zurzeit.

Canary Wharf Expansion Baustelle

London erlebt im Augenblick einen Bauboom Sondergleichen. Mehr als 150 Hochhäuser befinden sich im gesamten Stadtgebiet im Bau. Ich möchte von Paul wissen, was er vom Brexit denkt. Paul ist gebürtiger Pole und sein Gesichtsausdruck verrät jetzt alles. „I still cannot believe it. Nobody here does. We are hoping that this is a big mistake and it can be reverted.“, rutscht aus ihm heraus. Paul erklärt, dass er mit seinem Job bei der amerikanischen Großbank sehr zufrieden ist. Er würde ungern hier weg. Sollte J.P. Morgan ihm eine andere Stadt ans Herz legen wäre er dafür natürlich offen. Einige seiner Kollegen aus Europa hätten sich schon mental verabschiedet. Die ungewisse Aufenthaltslage für ihn selbst verdrängt er bis jetzt.

Dann laufen wir weiter durch die Docklands und landen im schicken, gerade erst eröffneten Novotel-Turm. Wir fahren in die 38. Etage und die Aufzugstüren öffnen sich. Das Wummern von dezenter Housemusik empfängt uns und wir betreten die Aussichtsetage mit Loungecharakter. Hipster, Besserverdienende und Touristen vermischen sich hier. Das fühlt sich nicht an wie die x-te Bar, sondern hier wird der Aufenthalt zelebriert. Wir treten an die raumhohen Glasfassaden und schauen über die Stadt. Kräne. Überall Kräne für neue Hochhäuser. Ich mache wieder Fotos und wir wollen uns setzen. Doch kein Tisch ist frei. „Sorry, all tables are reserved.“ hören wir. Komisch, denn es ist Samstag Nachmittag, kurz nach 16 Uhr. Wir sehen eine Treppe, schlendern diese hoch. Jetzt klingt die Musik elektronischer – ist aber immer noch dezent. Dies ist der durchdesignte Restaurantbereich und auch hier fühlt man sich sofort angekommen und auch hier möchte man bleiben. Ein Pärchen steht auf und wir haben unseren Tisch am Fenster.

In der Ferne sieht man die City, erkennbar an seinen unverkennbaren Landmarkgebäuden wie „The Shard“ oder „die Gurke“. Erst jetzt fällt bei mir der Groschen. London ist nicht einfach nur eine Großstadt wie Berlin oder Madrid. London ist der Schmelztiegel zurzeit, ein „Place to be“. Doch die ganze Bauwut hat auch ihre Schattenseiten. Ich vermisse im Londoner Stadtbild viele Bäume und Natur, ich meine keine vereinzelten Bäume hier und da sondern Parkanlagen, die sich in deutschen Städten wie selbstverständlich zentrumsnah befinden. Dann denke ich an meine Heimatstadt Frankfurt zurück und in diesem Moment freue mich richtig, bald wieder daheim zu sein. Unsere Städte sind zwar überschaubarer aber haben eben eine andere Lebensqualität.

20

Jun

Frankfurt Neuer Stadtteil im Westen geplant

Frankfurt stellt endlich eine große Weiche für weiteres Wachstum der Einwohner – es soll in Frankfurt neuer Stadtteil entstehen. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat den Vorschlag der Römer-Koalition aus CDU, SPD und Grüne für den Standort eines neuen Stadtteils präsentiert. Im Westen des Frankfurter Stadtgebiets könnte danach auf beiden Seiten der Autobahn A5 ein neues Quartier auf einem etwa 550 Hektar großen Gebiet entstehen. Das Gebiet würde an die Stadtteile Niederursel und Praunheim angrenzen und quasi an den Stadtgrenzen von Eschborn und Steinbach enden.

Davon seien rund 190 Hektar Bauland, auf dem nach Angabe der Stadt Frankfurt zwischen 8.550 und 11.400 neue Wohnungen entstehen können. Weitere Untersuchungen zur Baulandbereitstellung sollen folgen, kündigte Planungsdezernent Mike Josef an. Damit sollen auch die Grundstückspreise auf dem gegenwärtigen Niveau gehalten, um Spekulationen zu verhindern.

Mittlerweile wurden – wie bei solchen Projekten in Deutschland mittlerweile leider üblich – zahlreiche Bedenken geäußert. Insbesondere die FDP in Steinbach reagierte abweisend auf die Planungen. Die Politiker in Steinbach sehen hier keine Chancen, sondern wollen Altes bewahren. Dabei wird hier verkannt, dass sich Städte weiterentwickeln: Aus Siedlungen werden Dörfer, aus Dörfern werden Gemeinden, aus Gemeinden werden Städte und aus Städten werden Metropolen. In diesem Sinne müsste im Frankfurter Westen vor allem ein dichter, lebendiger Stadtteil entstehen mit Potenzial zum Verweilen. Bitte nicht nur Reihenhäuser und eine Schlafstadt — denn davon gibt es im Umland nämlich genug!

Eine Weiterentwicklung von Orten traf und trifft auf alle Gemeinden zu. Dieser Entwicklung kann und wird sich auch Steinbach nicht entziehen können in Sachen Frankfurt neuer Stadtteil. Gerade in Metropolregionen werden Stadt- und Gemeindegrenzen zunehmend irrelevant, weil die Menschen die Region in ihrer Gesamtheit erleben: Man wohnt in Steinbach, geht in Eschborn ins Kino, besucht Festivals in Frankfurt oder wandert durch den Odenwald. Steinbach ist also genauso Frankfurt Rhein-Main, wie Eschborn zu Dreieich gehört. Ohne Frankfurt wäre Steinbach nichts. Ohne Offenbach würde es Frankfurt schlechter gehen. Genau das fühlen doch die Menschen!

Administrative Grenzen sind ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert und haben mit unserer vernetzten Realität immer weniger zu tun. Wir sollten uns alle freuen, wenn Fortschritt und Weiterentwicklung unser Leben bereichert. Die Weiterentwicklung der Region Frankfurt sollte aber nicht nur punktuell im Frankfurter Westen erfolgen sondern parallel dazu an weiteren Standorten. Fährt man beispielsweise mit der S1 von Offenbach nach Frankfurt, so fährt man tatsächlich an Gemüsefeldern (!!!!) vorbei, nicht unweit der EZB. Da fragt man sich zurecht: Warum schafft man dort nicht Wohnraum, Arbeitsplätze oder zumindest Park- und Spielanlagen, die dann auch von der wachsenden Bevölkerung genutzt werden können. Gemüse können wir doch außerhalb anbauen!

Phorio: Die Städte Eschborn, Steinbach und Frankfurt am Main

23

Mai

Mike Josef will Hochhausbau beschränken

Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) beabsichtigt, neue Hochhausentwicklungen in Frankfurt nur noch in klar begrenzten Bereichen zu ermöglichen. Wie aus verschiedenen Presseveröffentlichungen in den letzten Tagen hervorgeht, soll damit „Spekulation“ entgegen gewirkt werden. Der neue Hochhausrahmenplan, der im nächsten Jahr vorgelegt wird, soll entsprechende Entwicklungsvorgaben zementieren. Damit möchte der Planungsdezernent die gängige Praxis der Stadt Frankfurt beenden, auch in Ausnahmefällen eine Genehmigung für geplante Hochhausstandorte auszusprechen. Fachleute aus der Immobilienwirtschaft halten diese Entscheidung für falsch weil sie gängiger Planungspraxis widerspräche. Moderne Hochhauswohnungen sind nur von besser verdienenden Arbeitnehmern zu finanzieren und diese Standorte stünden nicht in Konkurrenz zu günstigen Wohnstandorten.

Mike Josef kann seit Beginn seiner Amtszeit auf kaum nennenswerte und stadtpolitisch relevante Entwicklungen zurückblicken. Statt entschieden für die Ausweisung von Expansionsflächen zu werben, wird Flickschusterei betrieben, lediglich mit Nachverdichtung geworben und damit wertvolle Zeit bei der Stadterweiterung verschwendet. Die Entscheidung für die Einschränkung von Hochhausstandorten lenkt von den eigentlichen Herausforderungen der stadtplanerischen Aufgaben ab. Mike Josef wäre besser beraten, eindeutig Position für Expansion zu setzen damit Wohnraum bezahlbar wird. Die Stadt Frankfurt kann von Glück reden, dass der ehemalige Planungsdezernent Dr. Martin Wentz mit Weitsicht etliche stadtplanerische Großprojekte auf den Weg brachte, von der die Stadt noch heute profitiert. Herr Wentz hat große stadtplanerische Fußspuren hinterlassen, die keiner seiner Amtsnachfolger bisher auch nur annähernd füllen konnte.

Eine Beschränkung von Hochhausstandorten wird nicht zur Entlastung der Mittelschicht in Sachen Wohnen führen sondern höchstwahrscheinlich wieder nur ein Puzzlestein sein, der eine Verknappung von Flächen fördert. Die Wähler werden diese Politik nicht belohnen in Zeiten von immer teurer werdenden Wohnungen, knapper Kindergartenplätzen, fehlender Schulen, schlechter ÖPNV-Ausgestaltung und teuren Parkplätzen. Die Stadt Frankfurt muss endlich strategisch handeln!

Foto: Der Hochhausbau der EZB entstand an einem Standort, der nicht in einem Hochhausentwicklungsplan vorgesehen war und die gesamte Entwicklung des Frankfurter Ostens nachhaltig beeinflusst hat.

Phorio: Alle Hochhäuser in Frankfurt am Main

Sollte die Stadt Frankfurt verbindlich Hochhausstandorte ausweisen?
29

Jan

Stadt Frankfurt setzt Land Hessen beim ehemaligen Polizeipräsidium unter Druck

Langsam wird das Thema um das ehemalige Polizeipräsidium am Platz der Republik, gelegen zwischen Messe und Hauptbahnhof, zum Trauerspiel. Denn das alt ehrwürdige Gebäude steht leer und verfällt zusehends. Seit dem Auszug der Polizei sind mehrere Anläufe gescheitert das Gelände einer Nutzung zuzuführen. Die Stadt Frankfurt am Main hat das Planungsrecht doch das Grundstück gehört dem Land. Das Land Hessen begründete bisher den Stillstand mit dem Bau des U-Bahn-Tunnels der unter dem Gelände verlaufen wird.

Es geht um ziemlich viel Geld

Das Areal steht mit 80 Millionen Euro in den Büchern vom hessischen Finanzminister Thomas Schäfer (CDU). Diese Summe kommt zustande weil an diesem Standort laut Hochhausrahmenplan Investoren ein Bürohochhaus mit bis zu 145 Metern Höhe bauen können. Doch sind Bürogebäude zur Zeit in Frankfurt im Vergleich zum boomenden Wohnungsmarkt nicht sonderlich stark nachgefragt. Es ist also fraglich, ob der vom Land Hessen anvisierte Betrag jemals von einem Investor bezahlt würde wenn es dabei bliebe, dass auf dem Gelände nur eine Büronutzung entstünden dürfte. „Das Land hat sich verspekuliert“, meint der Stadtverordnete Ulli Baier (Grüne). Der Finanzminister müsse eine Wertberichtigung vornehmen, tue sich damit aber schwer.

Die Stadt verliert die Geduld

In der Plenarsitzung vom Stadtparlament sagte ein Teilnehmer, dass lange gezögert wurde und die Reißleine jetzt gezogen werden muss. Auf den Antrag der schwarz-rot-grünen Koalition wurde beschlossen, den Bebauungsplan zu überarbeiten. Ziel ist es, mehr Wohnungsbau an diesem Standort zu ermöglichen. Gleichzeitig würde das jedoch bedeuten, dass weniger oder keine Büronutzung mehr vorgesehen es. Unklar ist daher, wie sich damit die Wertvorstellungen vom Land Hessen ändern werden. Offen ist damit auch, ob damit weiterhin ein 145-Meter-Hochhaus erlaubt werden soll. Der Planungsdezernent Mike Josef sprach sich kürzlich sogar dafür aus, dass er sich mehrere kleinere Hochhäuser in einem Pulk vorstellen könnte. Josef kann sich auf dem Gelände nicht nur eine Mischung aus Büros und Wohnungen vorstellen. Denkbar seien auch eine Turnhalle für die benachbarte Falkschule, kulturelle Einrichtungen, ein Hotel oder ein Ärztehaus. Laut dem derzeit gültigen Bebauungsplan sind Bauwerke mit insgesamt rund 100 000 Quadratmetern Fläche möglich.

Ziel sei es nicht, mit dem Land Hessen auf Konfrontation zu gehen. Vielmehr müsste sich das Land Hessen endlich bewegen damit das gesamte Areal zügig bebaut werden kann.

23

Jan

Hochhäuser: Zwiespältige Gefühle

Zwischen Faszination und Ablehnung

Hohe Gebäude sind in großem Maße Inszenierungen und Selbstdarstellung wirtschaftlicher Macht. Jeder neuartige Entwurf dient als Blickfang, um Initiativkraft und Risikobereitschaft des Bauherrn visuell darzustellen.

Hochhäuser haben mehr als andere Konstruktionstypen der modernen Architektur in ihrer gut 120-jährigen Geschichte immer wieder Erstaunen, aber auch Kritik hervorgerufen. Den einen gelten hohe Gebäude als triumphales Symbol, den anderen verbinden damit Imponiergehabe und naturfeindliche Konzepte.

Fachleute warnen davor, das vor allem Wolkenkratzer durch einschüchternde Autorität auf die Menschen deprimierend wirken. Sie erzeugten dann Gefühle der Bedeutungslosigkeit und Anonymität.

Befürworter schreiben Wolkenkratzern einen hohen Grad an Identifikationsmöglichkeiten zu, die eine Stadt sinnbildhaft gestalten und prestigeträchtig branden. Die Form und Funktion solcher prestigeträchtigen Häuser können also immer auf verschiedene Weisen gelesen werden.

Architektur ist mehr als die physische Realisierung von Gebäuden. Sie besitzt auch eine kulturelle Realität, die eine Projektionsfläche für Deutungen, Sichtweisen und emotionale Reaktionen gibt. Die Bauten müssen in erster Linie funktionieren und erst in zweiter Instanz eine klare Botschaft transportieren.

Stadtraum oft unorganisiert

Wenn Hochhäuser vereinzelt über die Stadt verteilt entstehen, dann wirkt der Stadtraum oft unorganisiert. Sorgt aber eine Stadt dafür, dass Hochhäuser eher in einem geschlossenen System zusammengefügt werden, ergibt sich ein Stadtraum mit neuer Qualität und publikumswirksamer Wirkung.

Als oft vernachlässigtes Kriterium der Beurteilung von Hochhäusern muß die Stadtplanung angeführt werden, die früher oft vernachlässigt wurde. Heute hat sich dies insofern geändert, als kommunale und staatliche Instanzen die Logistik der Verteilung der Höhennutzung innerstädtischen Bodens zu beeinflussen suchen. Doch auch hier bleibt meist das Hauptaugenmerk auf den einzelnen Bau beschränkt.

Früher ließen meist einzelne Konzerne für sich Hochhausbauten errichten. Heute ist dies anders. In den Hochbauten ist ein extrem hoher Anteil der Nutzungsfläche vermietet, in der Regel Banken, Versicherungen, Beratungsunternehmen und immer mehr auch an Anwaltssozietäten. Deshalb muß auch das Äußere stimmen. Architektur ist ein wichtiger Bestandteil der erfolgreichen Vermietung geworden. Diese Entwicklung sort für eine nachhaltige Verschönerung der Stadtsilhouette. Den Kritikern sind solche Argumente natürlich ein Dorn im Auge. Aber verhindert können sie mit ihrer Haltung gegen Hochhäuser diese nicht.

20

Dez

Architektur vs Investoren?

Immobilieninvestoren sehen in Gebäuden hauptsächlich Kapitalanlagen, die Gewinne abwerfen müssen. Dass sich Investitionen im Baubereich auch wirklich rentieren, ist dabei keine Selbstverständlichkeit.

Dafür, dass sie das tun, muss der auf dem Markt angebotene Bau der Nachfrage entsprechen, und zwar was seine Qualitäten angeht genauso wie preislich. Kapital ist für Investoren also lediglich ein Produktionsmittel, das, einer Maschine gleich, funktionieren und das produzieren muss, wofür es da ist, nämlich Rendite.

Tut es das nicht, geht den Investoren schneller das Geld aus, als man sich das gemeinhin vorstellt. Tatsächlich sind auch hier die Geschäfte mit großen Risiken verbunden, und zwar schon deswegen, weil die Chancen, gut zu verdienen, nur dann groß sind, wenn man dabei eventuell auch viel verlieren kann.

Um unter diesen Bedingungen erfolgreich zu sein, müssen Investoren aus ihren Projekten alles herausholen, was sich herausholen läßt. Risikobereitschaft spielt dabei eine große Rolle und liefert wohl den entscheidenen Wettbewerbsvorteil gegenüber den traditionellen Investoren. Für die Bauherren beginnen Risiken und Gewinnmöglichkeiten schon mit dem Erwerb eines Grundstücks. Soll das Geschäfts interessant sein, muss der Wert des Bodens über das normal zu erwartende steigen.

Auch was die Baukosten angeht, betragen die Gewinne grundsätzlich die Differenz zwischen dem, was die Investoren für die Leistungen bezahlen, die die beanspruchen, und dem, was sie auf der Grundlage der sonst üblichen Marktpreise selbst für die von ihnen erstellten Objekte erzielen.

In der Fähigkeit, diese Differenz herzustellen und möglichst groß zu gestalten, liegt ein Grund für die Wirtschaftlichkeit ihrer Arbeitsweise und ein weiterer Vorteil im Vergleich zu der Bauproduktion etwa der öffentlichen Hand. Sie spielt auch bei der Vergabe von Planungsaufträgen an Architekten und der Honorierung ihrer Arbeit eine große Rolle. Im Vergleich dazu ist die architektonische Qualität eines Entwurfs nicht mehr als einer von vielen Faktoren zweiten Ranges. Tatsächlich hängt die Lukrativität eines Projektes nur in begrenztem Maße von der Effizienz der Grundrisse und der Ökonomie der Konstruktion ab. Das, was sich durch eine geschickte Finanzierung, Terminierung und Vermarktung verdienen läßt, ist immer noch wesentlich mehr als das, was man durch einen noch so großen planerischen Aufwand erwirtschaften kann. Auch insofern spielt im Renditebau die architektonische Gestalt nur eine begrenzte Rolle. Ihr Gewicht wächst nur dort, wo sie sich positiv auf die langfristige Plazierung der Bauten auswirkt.