Frankfurt ist deutscher Meister im Entsiegeln von Plätzen
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Frankfurt am Main hat beim bundesweiten Wettbewerb „Abpflastern“, der von März bis Oktober 2025 lief, den ersten Platz belegt und ist damit „deutscher Meister im Entsiegeln“. Den symbolischen Preis – einen Blumenstrauß als Vorboten einer „ewigen Blume“ aus Metall – nahmen am 18. Dezember Klima- und Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodríguez und Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert gemeinsam mit Vertreter:innen des Klimaentscheids Frankfurt entgegen.
Der Erfolg geht auf das Engagement der Zivilgesellschaft zurück. Der Klimaentscheid Frankfurt hatte die Teilnahme am Wettbewerb initiiert und eine Vielzahl bereits umgesetzter Entsiegelungsprojekte gemeldet. Ein zentraler Ausgangspunkt war die Umgestaltung des Paul-Arnsberg-Platzes 2023 im Ostend: Auf der rund 3.000 Quadratmeter großen Fläche wurde die Hälfte entsiegelt, neue klimaresiliente Bäume gepflanzt und eine Wildblumenwiese angelegt. Der Platz, einst eine „graue Wüste“, ist heute ein grüner Treffpunkt mit Schattenplätzen und Sitzgelegenheiten – ein Vorbild für weitere Umgestaltungen, wie dem Goetheplatz, dem Platz an Staufenmauer in der Nähe der Konstablerwache oder Walther-von-Cronberg-Platz n Sachsenhausen.


Umgestaltung des Goetheplatzes 2025

Umgestaltung des Platzes an der Staufenmauer 2025
Im Ranking des Wettbewerbs setzte sich Frankfurt mit 48.525 entfernten Pflastersteinen an die Spitze der „Großstädte-Liga“ – vor Darmstadt und Hamburg. Ziel des Wettbewerbs ist es, durch Entsiegelung die Wasserdurchlässigkeit zu erhöhen, Regenwasser versickern zu lassen und urbane Hitzeinseln zu reduzieren. Der Wettbewerb „Abpflastern„ wird 2026 erneut starten, und ab März 2026 kann man seine Vorschläge wieder einreichen.
Etwa 52 Prozent der Stadtfläche sind laut Umweltdezernat bereits Grünflächen – dennoch zählt Frankfurt zu den fünf heißesten Städten Deutschlands. Die Stadt will deshalb weiter „grüner“ werden: Neben größeren Projekten konzentriert sich die Verwaltung zunehmend auf Mikroentsiegelungen, bei denen selbst kleine versiegelte Flächen, etwa Parkplätze oder Gehwegabschnitte, in bepflanzte Stadtinseln umgewandelt werden.
„Entsiegelung bedeutet spürbar mehr Lebensqualität und Abkühlung an heißen Tagen“, betont Zapf-Rodríguez. Auch Siefert unterstreicht den Zusammenhang zwischen Mobilität, Klima und urbaner Lebensqualität: „Eine Stadt, die entschlossen entsiegelt, schafft Raum für Grün und ein lebenswertes Umfeld für alle.“
Neue Strukturen für mehr Tempo
Damit solche Projekte künftig schneller umgesetzt werden, schafft die Stadt neue Strukturen: Im Amt für Straßenbau und Erschließung sowie im Grünflächenamt entstehen zusätzliche Stellen, die sich ausschließlich mit Klimaanpassung und Entsiegelung beschäftigen. Auch Initiativen wie „Green it up“ der gemeinnützigen Lust auf Besser Leben GmbH tragen durch bürgerschaftliche Projekte zur Begrünung des Stadtraums bei.
Grünflächenamtsleiterin Heike Appel formuliert es so: „Entsiegelung kostet nicht – sie bringt etwas: Schatten, Frischluft, Aufenthaltsqualität und am Ende auch attraktivere Immobilienstandorte.“
Wie kann man sich als Bürger:in einbringen?
Frankfurterinnen und Frankfurter können an mehreren Stellen konkret mitentscheiden, wo Versiegelung verschwindet und neues Grün entsteht. Der Erfolg beim Wettbewerb „Abpflastern“ zeigt, dass Bürgerbeteiligung dafür zentral ist und so startet der Wettbewerb ab März 2026 erneut.
Der Klimaentscheid Frankfurt bündelt Hinweise auf entsiegelte und zu entsiegelnde Flächen und hat unter anderem die Teilnahme der Stadt am Wettbewerb „Abpflastern“ überhaupt angestoßen. Engagierte können sich dort ab März 2026 anschließen, eigene Flächenideen melden und gemeinsam Öffentlichkeitsarbeit für weitere Entsiegelungsprojekte machen.
So können Anwohner:innen auch bei dem städtischen Projekt „Mikrobeete“ anregen, dass einzelne Pflastersteine oder kleine Asphaltflächen im Gehwegbereich entfernt und stattdessen bepflanzt werden. Zuständig ist das Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE); dort können Vorschläge mit genauer Ortsbeschreibung eingereicht werden, etwa für Baumscheiben, Straßenecken oder Randstreifen.
Und die gemeinnützige Lust auf besser leben gGmbH unterstützt mit dem Wettbewerb „Green it up“ Bürgergruppen dabei, Parkplätze, Asphaltinseln oder kleine Plätze in Wildgärten umzuwandeln. In Stadtteilen wie Bockenheim, Bonames oder Sachsenhausen wurden so bereits Bewohnerparkplätze und asphaltierte Flächen in bepflanzte, von Freiwilligen gepflegte Mini-Gärten verwandelt.
Beim Paul-Arnsberg-Platz im Ostend, am Riedbergplatz oder am Atzelbergplatz in Seckbach haben Bürgerinitiativen über Jahre Druck gemacht und so die Umgestaltung hin zu mehr Grün und weniger Pflaster angestoßen. In diesen Verfahren können Bürger:innen sich über Beteiligungsformate, Stadtteilrunden oder direkte Gespräche mit Politik und Verwaltung einbringen und konkrete Vorschläge zur Gestaltung machen.
Wer konkrete Orte im Blick hat, sollte Fotos machen, Lage und aktuelle Nutzung dokumentieren und diese an ASE, Grünflächenamt, Klimaentscheid oder „Green it up“ herantragen. Organisierte Gruppen werden bei Entsiegelungsprojekten eher gehört, vor allem wenn sie Bereitschaft zur späteren Pflege der neuen Grünflächen signalisieren.






















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