Interim-Standort für die Städtischen Bühnen im Gutleutviertel vorgestellt

Die Stadt Frankfurt hat die Innenräume des künftigen Interimsorts der Städtischen Bühnen in der Gutleutstraße 324–326 vorgestellt. Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig und Planungsdezernent Dr. Marcus Gwechenberger präsentierten das Gelände und Bestandsgebäude, das als Übergangsquartier während des Neubaus von Oper und Schauspiel dienen soll.

Das rund 15.400 Quadratmeter große Areal, ehemals Archivzentrum der Dresdner Bank, wurde 1985 von Walter Henn geplant und stand über zehn Jahre leer. Mit dem Kauf durch die Stadt Anfang 2025 konnte der Abriss verhindert werden. „Jetzt haben wir die Chance, hier Entwicklungen anzustoßen, die Jahrzehnte tragen“, so Dr. Ina Hartwig.

In der Gutleutstraße soll ein Interim, also ein Übergangsquartier, für die Städtischen Bühnen entstehen. Denn – so haben es die Stadtverordneten entschieden – Schauspiel und Oper müssen neu gebaut werden. Für den Zeitraum zwischen dem Rückbau der bestehenden Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz bis zu den fertigen Neubauten braucht es solche Übergangsbauten, um den Spielbetrieb in möglichst hoher künstlerischer Qualität aufrechterhalten zu können. Wobei das Schauspiel in das Gebäude der Oper interimsmäßig einziehen soll, während die Oper auf dem Grundstück in der Gutleutstraße unterkommen soll.

Für Proben und Aufführungen sollen zukünftig im Gutleutviertel zwei frühere Archivhallen genutzt werden – bis zu 16 Meter hoch und 35 Meter lang. Die größere Halle bietet Platz für rund 400 Besucherinnen und Besucher, die kleinere für den Probenbetrieb. In den oberen Etagen mit Blick auf die Skyline sind Nebenräume wie Maske und Werkstätten vorgesehen. Ergänzend ist neben dem Bestandsbau eine temporäre Spielstätte mit bis zu 1000 Plätzen denkbar.

Interim - Staedtische - Buehnen - Gutleutviertel - Oper - Schauspiel

Frankfurt: City of Wow!

Bereits ab März 2026 wird das Gebäude Teil des Programms zur World Design Capital Frankfurt Rhein Main 2026 (WDC 2026). In einer der Hallen entsteht die immersive Videoinstallation „Frankfurt: City of Wow“, die 800 Jahre Stadtgeschichte multimedial erlebbar macht. Interaktive und explorative Elemente laden Besucher:innen dazu ein, sich der Stadtgeschichte spielerisch zu nähern. Hochmoderne Medientechnik und eine rund zehn Meter hohe 270°-Projektion mit mehr als 1.200 Quadratmetern Fläche sollen eine eindrucksvolle visuelle Erzählung bieten.

Die Umbauarbeiten für das Projekt Frankfurt: City of Wow!  starten in den kommenden Tagen. Finanziert wird das Projekt von der Messe Frankfurt, ergänzt durch 500.000 Euro aus dem städtischen Tourismusbeitrag. Der Vorverkauf soll im Februar beginnen. Frankfurt: City of WOW! entsteht in Zusammenarbeit von Nordisk und satis&fy. Unterstützt wird das Projekt von der Messe Frankfurt Exhibition GmbH und der Stadt Frankfurt am Main. Über das Designjahr 2026 hinaus soll der immersive Erlebnisort eine dauerhafte Adresse in der Frankfurter Kulturlandschaft werden.

Quartiersentwicklung mit Mischung aus Wohnen, Gewerbe, Kultur und Bildung

Die Liegenschaft liegt im Entwicklungsgebiet Gutleut-West, das als „Produktives Quartier“ mit einer Mischung aus Wohnen, Gewerbe, Kultur und Bildung transformiert wird. Planungsdezernent Dr. Markus Gwechenberger betont: „Gutleut-West zeigt, wie wir Leerstand überwinden und neue Qualitäten im Dialog mit der Nachbarschaft entwickeln.“ Das Vorhaben wird durch Fördermittel des Landes Hessen unterstützt – 1,1 Millionen Euro aus dem Programm „Nachhaltiges Wohnumfeld“. Auch die Verlängerung der Straßenbahnlinie in der Gutleutstraße soll die künftige Anbindung sichern.

Mit der kulturellen Zwischennutzung in der Gutleutstraße und weiteren Projekten wie der Aktivierung des Adolf-Meyer-Pavillons im Sommerhoffpark setzt die Stadt auf frühzeitige Impulse, um den Wandel im Quartier sichtbar und erlebbar zu machen. In unmittelbarer Nachbarschaft des künftigen Bühnen-Interims liegen die Milchsackfabrik und der neue Techno-Club „Tokonoma“. Gegenüber im Sommerhoffpark bezieht die Kult-Bar Orange Beach bald ihr neues Domizil. Das Viertel verbindet industrielle Spuren wie das Post-Verteilzentrum und die Betonwerke mit der historischen Wurzelsiedlung aus den 1920er-Jahren.

Zeitplan für Interims-Spielort und Neubau

Die Städtischen Bühnen werden voraussichtlich in den 2030er Jahren ihr Interim in der Gutleutstraße beziehen. Ein konkretes Jahr nennt derzeit jedoch niemand. Auch der ursprünglich anvisierte Zeitplan für die Neubauten — die Oper am Willy-Brandt-Platz und das Schauspiel an der Neuen Mainzer Straße bis etwa 2040 — gilt inzwischen als eher unverbindlich.

Derzeit bereitet die Stadt die nächsten Schritte für den Neubau der Städtischen Bühnen vor. Dazu gehören Änderungen des Bebauungsplans sowie die Ausarbeitung von Erbbaurechtsverträgen. Im Anschluss ist ein Architekturwettbewerb vorgesehen, der die künftigen Entwürfe für Oper und Schauspiel hervorbringen soll. Vorgesehen sind ein Großer Saal, mehrere Probebühnen, ein Opernstudio, ein Kulissenlager sowie Werkstätten und Apartments für Künstlerinnen und Künstler. Selbst ein öffentlich zugänglicher Dachgarten ist in der Vision enthalten. Noch handelt es sich allerdings um frühe Überlegungen. Verbindliche Planungen für Oper und Schauspiel fehlen bislang.

Holen Sie sich jetzt Ihre Mitgliedschaft

Werden Sie SKYLINE ATLAS Mitglied und finden Sie damit künftig Inhalte besser, die zu Ihnen passen. Damit können Sie auch Artikel unter einem Psyeudonym oder Ihrem Klarnamen kommentieren und demnächst Inhalte wie Fotos veröffentlichen.

Jetzt Mitglied werden
Community

Wie ist Deine Meinung zu diesem Thema?

Kommentar hinterlassen