Empfehlung für die Stadtentwicklung

1961 übertrug die Stadt Dr. Gerhard Stöber, Frankfurt, eine wirtschaftswissenschaftliche Analyse der Frankfurter City, um zukünftige Maßnahmen der Planung durch Einsichten in das Gefüge der Stadt abzusichern. „Ein Röntgenbild der Frankfurter City“ (…) als Hilfe für die Beurteilung der City-Entwicklung und Ausgangspunkt für die Beurteilung künftiger Entwicklungen. „Beabsichtigt war in erster Linie eine nüchterne Darlegung gegebener Fakten vom Standpunkt des Ökonomen, Soziologen und Statistikers, …., nicht aber eine geschlossene stadtplanerische Entwicklungskonzeption. (…)“

Die Studie prognostiziert Tendenzen, die den Raumdruck in der City noch verschärfen und ermahnt die Stadt, Maßnahmen zur Verkehrssanierung und Stadtlenkung beschleunigt in Angriff zu nehmen, andernfalls „muß die Verkehrsnot zur Katastrophe auswachsen, die der City vielleicht den wirtschaftlichen Todesstoß versetzt“. Denn „bisher hat die fortschreitende Bodenverknappung den ökonomischen Wert des City-Standorts stets erhöht“, doch „die Gefahr des rückläufigen Trends ist gegeben, wenn nicht bald eine spürbare Entlastung der City eintritt….“ … „Der Raummangel hätte zwei Folgen. Er leitet erstens in bestimmtem Umfang die Erweiterung des Citygebietes ein, zweitens führt er zur Standortauslese. In beiden Fällen, die natürlich auch kombiniert auftreten, unterstützen andere Standortvorteile den Verlagerungsvorgang. Ihre Grenzen findet die rational motivierte räumliche Dynamik jedoch in dem teilweise ausgeprägten Beharrungsvermögen vorhandener Standorte“.

Das Beharrungsvermögen vorhandener Betriebe und der zusätzliche Druck neuer tertiärer Zweige führt die Standortverdichtung zum Höhepunkt und sprengt die alten Grenzen der City. „Die Beharrungskräfte, der noch immer ungebrochene Drang zur zentralen Niederlassung, andererseits die Unmöglichkeit, den Cityraum beliebig auszudehnen, haben zwangsläufig Standortverschiebungen zur Folge. Sie drücken sich allerdings nicht nur in effektiven Verlagerungen aus, sondern mehr noch im veränderten Standortgewicht der betroffenen Funktionen in der City. Das Ergebnis sind Wandlungen in der Standortstruktur des Stadtgebietes. Das Verlassen der City leitet demgegenüber einen Ausleseprozeß ein, der das Gefüge des Zentrums selbst umbildet.“ „Die ökonomische Bedeutung der City als Standort zu erhalten und ihre gesellschaftliche Funktion wieder zu beleben, verlangt primär nach Entlastung und ordnender Lenkung ihrer Standortstruktur. Es muß versucht werden, gestaltend „auf sie einzuwirken, indem man vorhandene Gegenkräfte befreit und an die wirksamen Stellen lenkt“ ( ….)“. ( ….) Die bestehenden Tendenzen zur Dezentralisation und zur Standortauslese über steigende Raumkosten legen nahe, durch planmäßige Entwicklung von Nebenzentren die Entlastung der City gleichzeitig von außen zu fördern. Zum anderen folgt aus der scharfen Standortkonkurrenz, daß aus der City solche Einrichtungen verdrängt werden, die zwar zu den wirtschaftlich schwächeren gehören, aber am meisten urbanen Reiz ausstrahlen. „Im Stadtgebiet vorhandene Ausweichzentren könnten die Standortverlagerung für verschiedene, in der City entbehrliche Funktionen interessanter machen.“ “ Es muß das politische und gesellschaftliche Ziel einer auf Stadterneuerung gerichteten Entwicklungsplanung sein, den öden Charakter der Vorstädte und die teilweise noch dörfliche Struktur der Randbezirke aufzulösen und die Stadt in ihrer Gesamtheit aufzuwerten.“

Frankfurt 1965

Die Stöber-Studie hat zum Fazit: „Es kann also vorausgesagt werden, und die bisher entwickelten Konzeptionen des Stadtplanungsamtes gehen davon aus, daß in allen künftigen Stadterneuerungsgebieten der Bau von Hochhäusern an der Tagesordnung sein wird.“