Architekturwettbewerb und Ideenwettbewerb - Menschen diskutieren über die Qualität der Architektur

Gewollt, aber nicht gekonnt

Gewollt, aber nicht gekonnt - Architekturwettbewerbe führen nicht immer zum besten Ergebnis

Ideenwettbewerbe für Architektur sind eine feine Sache. Denn es kommt am Ende immer das beste Ergebnis heraus, könnte man meinen. Doch, was kann bei einem Architekturwettbewerb denn das Problem sein?

Zu einem Wettbewerb werden in der Regel renommierte Architekturbüros eingeladen, ihre Ideen abzugeben. Doch es passiert immer wieder, dass der Entwurf gewinnt, der dem Bauherren von Anfang an am meisten zusagte. Was für Außenstehende wie ein Zufall aussieht, hat bei näherer Betrachtung System.

Die Expertenjury wird regelmäßig vom Bauherren so beeinflusst oder gar selbst nominiert, damit ihn viele der beteiligten Personen unterstützen. Häufig besteht das Preisgericht aus Personen, mit denen der Bauherr über viele Jahre hinweg bereits zusammenarbeitet – es werden also immer wieder dieselben „Experten“ präsentiert. Die Mitglieder der Jury können außerdem vor oder während dem Wettbewerb vom Bauherren versteckt beeinflusst werden. Auch wenn ein Entwurf anonym eingereicht wird, so erkennen die Fachleute meist jedes Büro an ihrer jeweiligen „Handschrift“: Meist verfolgt ein Architekturbüro eine bestimmte Gestaltungslinie, Materialwahl und Formensprache.

Der Bauherr hat häufig weitere Einflussmöglichkeiten. So kann ein bestimmtes Jurymitglied, aber auch ein beteiligtes Architekturbüro, eigentlich vertrauliche Hinweise übergeben bekommen, die andere nicht erhalten haben. Solche Informationen können auch Hinweise sein, was genau der Bauherr zusätzlich vom Entwurf erwartet, welche Entwürfe unliebsam sind oder welche Merkmale aus Bauherrensicht besser nicht umgesetzt werden sollen.

Ergebnisoffenheit muss gefördert werden

Amtierende Politiker und Staatsbeamte haben sich in den letzen Jahrzehnten immer wieder in Preisgerichten einspannen lassen, und wurden so vom Bauherren auf diese Weise in ihrem Sinne instrumentalisiert.

Damit in Zukunft solche Wettbewerbe ehrlicher und ergebnisoffener ausgetragen werden, bräuchte es hierfür ein unabhängiges Verfahren, das weniger stark als bisher vom Bauherren beeinflusst werden kann. Denn vor allem mit Ergebnisoffenheit läßt sich am Ende auch die Qualität der Architektur steigern.

Eine Kritik von Michael Wutzke.

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