Mal durchmischt, mal getrennt, dann auch mal so dicht wie möglich und so luftig wie möglich.
Die Stadt Frankfurt hat im Laufe des 20. Jahrhunderts einige tiefgreifende Veränderungen erlebt, besonders in der Gestaltung seiner Straßenbilder. Einst als breite Boulevards angelegt, waren sie Orte des Verweilens, zum Flanieren und für den Verkehr mit Pferdekutschen. Doch was ist davon geblieben?
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Frankfurt als autofreie Stadt?
Frankfurt wird von Leitbildern geformt – Von der autogerechten zur autofreien Stadt
Wohnungsnot ist kein neues Problem. Vor rund 100 Jahren lebten viele Menschen in Großstädten unter noch schlimmeren Bedingungen: in beengte, düstere Wohnungen haben sich große Familien gezwängt, qualmende Öfen und Gemeinschaftstoiletten im Hinterhof waren Alltag. Die Not war so gravierend, dass die Weimarer Verfassung das Recht auf eine angemessene Wohnung festschrieb. In den 1920er und 1930er Jahren erlebte der öffentlich geförderte Wohnungsbau einen beispiellosen Aufschwung, und in Städten wie Berlin, Stuttgart und Frankfurt entstanden Quartiere für tausende Menschen.
Der Bauboom nach dem Ersten Weltkrieg förderte den Bauhaus-Gedanken. Unter Ernst May entstanden in Frankfurt über 12.000 moderne Wohnungen, oft mit Zentralheizung, Bad, Küche und Balkon. Architekten wie Walter Gropius und Margarete Lihotzky, die die Frankfurter Küche entwickelte, prägten die Baukunst. Die Siedlung Römerstadt war die erste vollständig elektrifizierte in Deutschland, getreu der Leitlinie „Licht, Luft und Sonne für alle“.
Nach den verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde das Stadtbild neu gestaltet. Inspiriert von den Ideen des Internationalen Kongresses für neues Bauen (CIAM) von 1933, setzte man auf die „funktionale Stadt“. Das bedeutete eine strikte Trennung von Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Industrie. Die Stadtplaner und Architekten der Nachkriegszeit machten das Automobil zum Maßstab ihrer „autogerechten Stadt“.
In den 1950er Jahren begann der Umbau Frankfurts zu einer autogerechten Stadt. Breite Verkehrsadern wie die Berliner Straße prägten das neue Stadtbild und rückten den motorisierten Verkehr in den Vordergrund. Die daraus resultierenden Stadtteile, wie die Nordweststadt, wurden speziell für die Bedürfnisse der Pendlerbevölkerung entwickelt. Diese Transformation bedeutete eine deutliche Abkehr von der traditionellen Nutzung der Straßen als öffentliche Lebensadern.
Schnell traten jedoch die Nachteile dieser Entwicklung zutage. Ab den 1960er Jahren begann die Stadtverwaltung, Maßnahmen zu ergreifen, um die autogerechten Strukturen zurückzubauen. Seitdem begann man Teile der Innenstadt für den Autoverkehr zu sperren. Besonders bemerkenswert war die Umgestaltung der Zeil im Jahr 1972 sowie weiterer wichtiger Einkaufsstraßen und Plätze in den folgenden Jahren.
Diese Neuausrichtung der Stadtplanung zielte darauf ab, die urbane Aufenthaltsqualität zu verbessern und die Lebensqualität der Bürger zu erhöhen. Durch das Zurückdrängen des Autos und die Förderung fußgängerfreundlicher Zonen leitete Frankfurt eine Renaissance der urbanen öffentlichen Räume ein.
Die Entwicklung Frankfurts erzählt uns als geschichtliche und städtebauliche Quelle, wie sich die Bedürfnisse und Vorstellungen der Bevölkerung im Laufe der Zeit verändern. Heute läuft der Trend von der „autogerechten Stadt“ zur „menschengerechten Stadt“. Aktuelle Entwicklungen, wie zum Beispiel im Oederweg oder Grüneburgweg, sind Beispiele für diesen Wandel und können hier nachgelesen und diskutiert werden.























