Skyline Frankfurt vom MAIN TOWER aus gesehen

 

Die Höhenrettung der Feuerwehr Frankfurt

„Eine Witterung wie extreme Nässe, große Hitze und Kälte oder Gewitter macht die Rettung aus der Höhe anspruchsvoller als die Überwindung der reinen Höhe selbst.“

Thorsten Träger (Leiter der Höhenrettung Frankfurt/Main)

Die Lebensumgebung hat sich im Zuge des Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg drastisch verändert. Hochhäuser und Hochbaustellen, Industrieanlagen, Krananlagen oder hohe Lichtmasten fordern im Schadensfall Rettungsaktionen, die mit konventionellen Techniken nicht mehr durchgeführt werden können, da sie mit zu großem Risiko für die Einsatzkräfte der Feuerwehr verbunden wären.

Deshalb hat die Feuerwehr Frankfurt 1993 als erste Feuerwehr in den alten Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland eine Rettungsgruppe eingerichtet, die Spezialaufgaben reichen in Frankfurt bis in Höhen von 300 Meter. Aber die Höhenrettung rettet nicht nur, wie er Name vermuten lässt, Personen aus großer Höhe sondern auch aus der Tiefe. Nicht umsonst bezeichnen Fachleute solche besonderen Rettungsgruppen bundesweit als Sondereinheit für „Spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen“ (SRHT). Einsätze einer Sondereinheit SRHT finden also beispielsweise auch in Baugruben oder Schächten statt, um Personen dann in die Höhe zu befördern. Die Frankfurter Höhenrettung ist vor Ort auch unter dem Begriff HÖRG („Höhenrettungsgruppe“) bekannt. 

Zu typischen Einsatzgebieten gehören zum Beispiel die Rettung von Personen aus Fensterputzgondeln, die Rettung von Baukranführern oder die Rettung Suizid gefährdeter Personen von technischen Einrichtungen in großer Höhe. Zu den Aufgaben der Höhenrettungsgruppe gehören ferner Sicherungsarbeiten oder das Abtragen Absturz gefährdeter Bauteile an Fassaden bzw. Gebäuden. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass insbesondere bei einem starken Wetterumschwung von kalt auf heiß (oder umgekehrt) Scheiben brechen, sich Fassadenteile lösen und somit zu einer Gefahr werden können. Die Einsätze sind über das Jahr hinweg kontinuierlich verteilt, jedoch aufgrund der Witterung wird in den Wintermonaten vor allem in Hallen oder überdachten Bereichen trainiert. Daher werden die Höhenretter im Frühling vermehrt durch Gewöhnungsübungen an Hochhäusern aus ihrem „Wintermodus“ geholt.

Die Arbeit in der Höhe erfordert einen besonderen Mut und ein hohes Maß an Besonnenheit. Wesentlich ist jedoch neben der normalen Ausbildung in der Feuerwehr eine Spezialausbildung und ein kontinuierliches Training, um die persönliche Sicherheit des Höhenretters im Einsatz sicherzustellen. 

Bei der Feuerwehr Frankfurt arbeiten 45 Männer in der Höhenrettungsgruppe, die in 3 Dienstgruppen tätig sind. Hiermit wird es ermöglicht, dass immer 5 Höhenretter Tag und Nacht einsatzbereit sind. Im Augenblick ist die Höhenrettung in Frankfurt jedoch eine reine Männerdomäne. Das war aber nicht immer so. „Es gab aber auch schon einmal eine Frau in unseren Reihen und wir sind generell diesbezüglich aufgeschlossen“, versichert der Leiter der Höhenrettungsgruppe. Generell müssen sich Höhenretter ständig fortbilden und haben deshalb ein Pflichtprogramm von 72 Übungsstunden pro Jahr zu absolvieren. Hierbei soll die persönliche Routine erhalten werden beziehungsweise vergrößert werden. Höhenretter wird man durch eine 2-wöchige Zusatzausbildung nachdem man bereits als Feuerwehrmann tätig ist.

Der Trainingseinsatz der Höhenretter erfolgt natürlich an hohen Gebäuden im Frankfurter Stadtgebiet, zum Beispiel an den Hochhäusern der Commerzbank oder der DZ-Bank. Aber es wird auch an flacheren Gebäuden und Strukturen trainiert. Ganz besonders stolz ist man im Übrigen über das europaweit relativ einmalige Trainingscenter der Feuerwehr am Marbachweg. In diesem als FRTC bezeichneten Gebäudekomplex trainiert die Frankfurter Feuerwehr Einsatzsituationen. Hier sind ganze Gebäude nachempfunden, es gibt eine Realbrandhalle und sogar einen U-Bahn-Simulator mit echten Bahnwaggons. (weitere Details zum FRTC auf der Website der Frankfurter Feuerwehr)

Die Notwendigkeit einer Höhenrettungsgruppe wird deutlich, wenn man sich einmal die Einsatzhäufigkeit betrachtet. Im Schnitt wird die Höhenrettung in Frankfurt zu ca. 80 Einsätzen pro Jahr gerufen, d.h. mehr als einmal pro Woche.

Inzwischen setzte in Feuerwehrkreisen hinsichtlich der Sinnfälligkeit der Höhenrettungsgruppe ein Umdenken ein. Nach diversen auswärtigen Rettungseinsetzen, in den Unterstützung beispielsweise durch Bochum, Dillenburg oder im Wetteraukreis erbeten wurde, sind zahlreiche Städte und Gemeinden dem Frankfurter Beispiel gefolgt. Mittlerweile gibt es fast 100 Höhenrettungsgruppen in Deutschland.

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