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Drohnenflüge über Frankfurt: Neue EU-Drohnenverordnungen treten in Kraft

Die Europäische Union hat neue Drohnenverordnungen in Kraft gesetzt, die für alle Drohnenpiloten europaweit gelten und die nationalen Regelungen ergänzen sollen. Dadurch wird die Umsetzung von Drohnenprojekten noch aufwendiger und  anspruchsvoller als bisher. Mit diesem Artikel beschreibt Drohnenpilot Thomas Gessner die Hürden auf dem Weg zur einer einheitlichen europäischen Gesetzgebung und was diese für Drohnenpiloten bedeuten, insbesondere für Flüge im städtischen Raum.

Alles bleibt anders – am 1.7.2020 sind die neuen Europäischen Drohnenverordnungen offiziell in Kraft getreten. Die Umsetzung dieser Verordnungen sollen nun nach einer Corona bedingten 6-monatigen Verschiebung der EU-Durchführungsverordnung ab dem 1.1.2021 in Deutschland angewendet werden. Doch es existieren nach wie vor weder die technischen noch die behördlichen Vorrausetzungen, um einen EU-konformen Betrieb von Drohnen in 2021 zu gewährleisten. Und auch Corona empfängt uns im neuen Jahr wieder mit offenen Armen. Was bedeuted das für uns Drohnenpiloten – in (N)EU Deutsch “EU-Fernpiloten“ genannt – und welche Möglichkeiten gibt es, Projekte ab dem 1.1.2021 legal und wie gewohnt umsetzen zu können?

Ich möchte hier nur die wesentlichen Neuerungen und deren aktuelle Problematiken zusammenfassen, die zur Themenwelt des SKYLINE ATLAS passen. Also für gewerbliche Drohnenpiloten, die sich mit Projekten im städtischen Raum beschäftigen, sowie Unternehmen, die sich für solche Drohnenaufnahmen interessieren. Denn sonst würde das den Rahmen dieses Beitrags sprengen (ausführliche Informationen zu den neuen EU-Verordnungen).

Was will die neue Europäische Drohnenverordnung eigentlich?

Diese Verordnungen haben einerseits den Zweck, den rechtlichen Rahmen für den Betrieb von Drohnen in allen EU Ländern zu vereinheitlichen. Und es wird einen grenzübergreifenden Euro-Drohnenführerschein geben. Zudem sollen deutlich strengere Auflagen die Risiken von Drohneneinsätzen für Mensch und Umwelt minimieren. Diese Gesetze gelten sowohl für private als auch gewerbliche Drohnenpiloten. Also erstmal alles in allem eine gute Sache. Was die Umsetzung allerdings im Einzelnen betrifft, sorgt für viele Fragezeichen. Denn die 27-seitige EU-Durchführungsverordnung stellt Entscheidungsträger aus Politik, Behörden, etc vor eine technische und bürokratische Meisterprüfung. Und das in 16 Bundesländern, 27 EU-Mitgliedsstaaten (ohne das Vereinigte Königreich .. räusper) und natürlich auch bei uns Drohnenpiloten. Daher werden ständig neue Übergangsfristen und Interimslösungen definiert, um die verschiedenen Anforderungen und Regelungen nach und nach umsetzen zu können.

Was also sind die wesentlichen Neuerungen und was bedeuted das für Drohnenflüge im städtischem Raum?

Es geht bei der EU-Drohnenverordnung um Klassifizierungen der Drohnengewichte/technischen Eigenschaften, die Risiko-Kategorisierungen für geplanten Drohnenflüge, bzw. der Art der Flüge und zu guter Letzt um Registrierung und Lizensierung der Drohnenpiloten. Also kurz gesagt um Technik, Fluglizenzen und Risikoklassen.

Wie eingangs erwähnt, beziehen sich die folgenden Infomationen ausschließlich auf den Bereich der gewerblichen Nutzung von Bestandsdrohnen im städtischen Raum. Im Allgemeinen sind hierfür Drohnen innerhalb einer Gewichtsklasse zwischen 900 und 4.000 Gramm relevant. Diese werden der neuen Drohnenklasse “C2″ zugeordnet.

Zudem gibt es nur eine realistische Risikokategorisierung, die für Flüge mit Bestandsdrohnen in der Stadt halbwegs Sinn macht, die sogenannte “Offene Kategorie / A2“.

Schauen wir erstmal auf die Vorgaben für die Fluggeräte (Klasse C2) selbst.

Anforderungen an die Technik

Ab 2021 müssen Drohnen seitens der Hersteller in CE-Klassen (C0 – C4) zertifiziert werden. Je schwerer die Drohne, desto größer das Risiko beim Betrieb, desto höher die Klasse und damit der Aufwand für Genehmigungen:

Drohnen ab 900 Gramm Startgewicht müssen mit einer Fernidentifizierung und einer Geo-Sensibilisierung ausgerüstet sein. Die Fernidentifizierung überträgt während des Fluges in Echtzeit ein Datenprotokoll mit Drohnenregistrierungsnummer, Position, Höhe. Und die Geo-Sensibilisierung empfängt während des Fluges in Echtzeit Daten über Flugverbotszonen, um vor potentiellen Verletzungen von Luftraumgrenzen zu warnen. Diese technischen Voraussetzungen hierfür kann zur Zeit aber keine der auf dem Markt befindlichen Bestandsdrohnen der Klasse C2 erfüllen. Doch diese Unmöglichkeit wird innerhalb einer 2-jährigen Übergangsfrist aufgehoben. Bis zum 31.12.2022 darf man demnach mit alten Bestandsdrohnen fliegen, aber nur unter gewissen Auflagen. Dazu gleich mehr. Da ein Nachrüsten von Bestandsdrohnen (Stand jetzt) nicht möglich sein wird, ist man als gewerblicher Drohnenpilot also gezwungen, seine Flotte spätestens bis 2023 zu erneuern. Je nach benötigtem Equipment bleibt also zu hoffen, dass man genügend finanzielle Reserven dafür hat. RTK Vermesser und Drohnenpiloten für industrielle Spezialanwendungen dürfen wahrscheinlich einigen Aufwand in Bezug auf Technik und Lizensierung erwarten. Aber bis heute weiß niemand, ab wann Hersteller EU-konforme Drohnen mit den beschriebenen Eigenschaften auf den Markt bringen werden.

Fluglizenzen

Die aktuelle Basisausstattung für den legalen Betrieb von Drohnen besteht aus dem Kenntnisnachweis, einer Allgemeinen Aufstiegsgenehmigung nach §21 LuftVO und einer Luftfahrt-Haftpflichtversicherung. Ab dem 1.1.2021 wäre laut EU-Planung ein “EU-Kompetenznachweis“ bzw. das “EU-Fernpilotenzeugnis“ nötig. Für diese EU-Drohnenführerscheine werden aber noch keine Prüfungen angeboten. Daher darf man mit dem alten Kenntnisnachweis erstmal bis zum 31.12.2021 weiterhin fliegen. Und auch die Allgemeinen Aufstiegsgenehmigung kann bis zu diesem Zeitpunkt verlängert werden. Somit ist ein Betrieb mit alten Bestandsdrohnen in 2021 weiterhin gewährleistet, allerdings nur in bestimmten Risikoklassen.  

Risikoklassen

Zu den Geräte-, bzw. Gewichtsklassen addieren sich verschiedene Riskoeinstufungen, die sich aus Kategorien (open, specific, certified) und Unterkategorien (A1, A2, A3) zusammensetzen und verschiedene Auflagen, Genehmigungen und Führerscheine erfordern.

Klingt erstmal komplex … und ist es auch. Denn das Thema Risken hat im städtischem Raum eine besondere Relevanz. Wie in oberen Absatz erwähnt, darf man in 2021 mit alten Bestandsdrohnen und altem Kenntnisnachweis weiterhin fliegen. Allerdings nur in den Risikoklassen A1 und A3. Die Klasse A1 betrifft jedoch nur Drohnen unter einem Startgewicht von 900 Gramm. Drohnen der CE-Klasse C2 (900 – 4000 Gramm) dürfen daher nur innerhalb der Unterkategorie A3 weiterhin betrieben werden. Allerdings erlaubt diese Risikoklasse auch nur Flüge in einer Entfernung von 150 Meter (horizontal) zu Menschen, Wohn- oder Gewerbegebieten. In dieser Risikoklasse sind daher Drohnenprojekte in städtischem Raum kaum durchführbar. Was tun?

Man bemüht sich um die Zulassung für die Unterkategorie A2. Diese erlaubt Flüge in im städtischen Raum und Flüge in 30 Metern Entfernung zu Menschen (5 mtr. im Langsamflugmodus). Sondergenehmigungen für Flüge wie beispielweise über Wohngebieten, Nachtflüge oder Flüge über 120 Meter müssen nach wie vor beim Landesluftfahrtamt eingeholt werden.

Für die Unterkategorie A2 aber benötigt man den großen EU-Führerschein, das sogenannte “EU-Fernpilotenzeugnis“. Die Prüfung kann man aber erst ablegen, wenn man bereits den kleinen EU-Führerschein, den sogenannten “EU-Kompetenznachweis“ besitzt. Den kann man entweder beim Luftfahrt-Bundesamt machen (ab wann, weiß noch keiner) oder man läßt den alten Kenntnisnachweis auf die neue EU Version umschreiben (laut Luftfahrtbundesamt aber erst in Q4 2021 möglich).

Das Luftfahrtbundesamt hat es ja noch nicht einmal geschafft, die online Plattform für die Piloten Registrierung freizuschalten. Daher ist auch die Frist für diese Drohnenpiloten-Registrierungspflicht vom 31.12.2020 auf den 31.4.2021 verschoben.

Für gewerbliche Piloten führt in jedem Fall kein Weg am “EU-Fernpilotenzeugnis“ vorbei, um Drohnen in städtischem Flugraum betreiben zu können. Damit aber noch nicht genug der Veränderungen. Denn es wird viele Drohneneinsätze geben, die aufgrund bestimmer Umstände nicht in die  “Offene Kategorie“ fallen: Herzlich willkommen in der “Speziellen Kategorie“. Hier müssen von den zuständigen Behörden Risikobewertungen verschiedener Klassen (Standard Szenario / Individuelle Risikobewertung, SORA) durchgeführt werden, um Betriebsgenehmigungen zu erteilen. Aber das kennt man bereits aus der “Prä-EU-Verordnungszeit“.

Wie man also sieht, wird es in 2021 weiterhin möglich sein, innerhalb der “Offenen Kategorie“ Drohnenflüge zu absolvieren. Allerdings gibt es noch viele Grauzonen, sich immer wieder ändernde Fristen, Aktualisierungen und Interims Regelungen, bis die neue EU-Drohnenverordnung dann ab 2023 in allen Belangen umgesetzt sein wird. Oder 2024 vieleicht erst?

Fazit zu den neuen Drohnenverordnungen

Es kommen in den nächsten zwei Jahren sehr viel Aufwand und Investition auf uns Drohnenspezialisten zu, um weiterhin professionelle Drohnen Services und atemberaubende Perspektiven anbieten zu können. Die gute Nachricht: dieser ganze Prozess trennt auch die Spreu vom Weizen, bzw. den Hobbyflieger vom professionellen Berufspilot. Die schlechte Nachricht: man kann davon ausgehen, dass technischer und behördlicher Mehraufwand sich auch in den Kosten für Drohnenprojekte niederschlagen werden. Aber Kompetenz, Qualität und Sicherheit haben eben Ihren Preis.

Gerne beantwortet der Autor des Artikels Ihre Fragen zu diesem Thema. Denn es gibt noch viele Unklarheiten seitens der Behörden und Gesetze, bis alle Neuerungen etabliert sind. Schreiben Sie uns einfach unter media.services@skylineatlas.de

Ein Beitrag von Thomas Gessner, der in der professionellen Drohnenfotografie in Frankfurt zu Hause ist (www.thomasgessner.net). Man kann Thomas Gessner auch bei einem Drohnen Meetup in Frankfurt treffen.

Die Meinung einzelner Autoren spiegelt nicht die Meinung der Redaktion wieder.

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