Serie zum neuen Hochhausrahmenplan: der Campanile am Hauptbahnhof
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Der neue Hochhausentwicklungsplan, der im März veröffentlicht wurde, ermöglicht eine Weiterentwicklung der Frankfurter Skyline und sieht die Möglichkeit von 14 neuen Hochhausprojekten vor. Dazu kommen neun bereits vorhandene Hochhausprojekte mit Planungsrecht von 2008 und drei Standorte ohne Planungsrecht, so dass der neue Plan auch zwölf noch nicht realisierte Hochhäuser aus der vorherigen Fassung von 2008 übernimmt.
Eines der Projekte, das bereits seit über 40 Jahren im Gespräch ist, könnte nun realisiert werden. Es handelt sich um das Hochhaus Campanile, südlich des Hauptbahnhofs, für das bereits in den frühen 1980er Jahren verschiedene Planungsvarianten entwickelt wurden. Trotz der weit fortgeschrittenen Planungen wurde der Campanile, der auch Bahntower genannt wurde, letztendlich nicht gebaut. Das Gebäude sollte auf einem Grundstück südlich des Hauptbahnhofs errichtet werden und eine Höhe von bis zu 220 Metern haben. Das Grundstück, auf dem seit den 1960er Jahren ein Parkplatz vorhanden war, blieb jedoch jahrelang ungenutzt.

Zwei erste Entwürfe des Campanile mit einer Gesamthöhe von 180 Meter stammten 1989 von den Architekten Hans Robert Hiegel und von dem Frankfurter Büro JSK Architekten, wobei der Auftraggeber hierbei der Investor Josef Buchmann war. Später folgten höhere Varianten des Campanile-von beiden Architekturbüros. Der Campanile sollte mit einer Gesamthöhe von bis zu 220 Metern fast so hoch werden wie der Messeturm, der zur gleichen Zeit entstand und das damals höchste Bürogebäude Europas werden. Einige Jahre später wurde im Rahmen eines Wettbewerbs jedoch der Entwurf von Oswald Mathias Ungers mit dem ersten Preis ausgezeichnet.
Das Bauprojekt Campanile war wegen einer möglichen Verdrängung der Anwohner und einer Zunahme des Pkw-Verkehrs im Gutleutviertel umstritten und 1988 kam es zu Protest in der Bevölkerung. Dennoch wurde am 12. März 1989 eine erste Teilbaugenehmigung für den Campanile von der Stadt Frankfurt erteilt – kurz vor der Kommunalwahl, die eine Koalition aus SPD und Grünen hervorbrachte.
Scheitern des Projekts 1990
Obwohl die SPD den Campanile 1989 befürwortete, lehnten die Grünen den Turm grundsätzlich ab. Das gesamte Vorhaben scheiterte angeblich aufgrund eines juristischen Fehlers in der Teilbaugenehmigung. Eine Klausel machte die Rechtswirksamkeit der Genehmigung von der Zustimmung aller betroffenen Grundstücksnachbarn abhängig, wie es das Nachbarschaftsrecht vorsah. Obwohl die anderen Nachbarn angeblich durch erhebliche finanzielle Zusicherungen ihre Zustimmung gaben, stieß der damalige Bauträger, die Immobiliengruppe Ernst und Fay, bei einer Nachbarin auf erheblichen Widerstand.
Widerstand einer einzelnen Anwohnerin
Die Pensionsbesitzerin und Entwicklungshelferin Dr. Hannelore Kraus verweigerte vor mehr als 35 Jahren ihre Einwilligung zum Bau des höchsten Gebäudes Europas direkt vor ihrer Tür und wurde damit bekannt als die Frau, die den Bau des Campaniles verhindert hat. Trotz mehrerer lukrativer Angebote verweigerte die promovierte Aktivistin ihre Zustimmung und klagte gegen das Bauvorhaben, um die Veränderung ihres Viertels zu verhindern. In einem Interview mit Günther Jauch betonte Frau Dr. Kraus 1989 vor der Kamera, dass sie einer Blockrandbebauung durchaus zustimmen würde, nicht jedoch einem Hochhaus mit Luxuswohnungen. Ihr seien drei Millionen DM von der Firma Ernst und Fay geboten wurde, die sie jedoch abgelehnt habe. Der Inhaberin der Pension Aller war es wichtig, dass keine Verschattung und keine Gentrifizierung zugunsten eines Hochhauses mit Luxuswohnungen entstehe und so sich die Sozialstruktur des Gutleutviertels ändere.
1989 kam es zu einem Baustopp von der Stadt und kurz danach reichte die Immobiliengruppe Fay und Ernst Klage ein. 1990 fiel die Entscheidung, dass der Bau des Campanile nicht erfolgen wird und 1991 erklärt das Verwaltungsgericht Kassel die Baugenehmigung für nichtig. Bis heute gibt es Diskussionen darüber, wer letztendlich das Projekt des Campanile verhindert hat. Einige bedauern den Verlust des Hochhauses, da damals eine große Chance für die Stadtentwicklung vertan worden sei, andere nennen Frau Dr. Kraus die Jeanne D´Arc Frankfurts. 2023 ist Frau Dr. Kraus 2023 im Alter von 83 Jahren verstorben.
Zweiter Versuch im Rahmen des Hochhausentwicklungsplans 2008
2007 schlug der Stadtplaner Prof. Jochem Jourdan mit seinem Büro Jourdan & Müller PAS bei der Fortschreibung des Hochhausentwicklungsplans erneut das Campanile-Areal am Hauptbahnhof als einen der geeigneten Standorte für Hochhausprojekte vor. Das Konzept sah einen Turm mit einer Höhe von 180 Metern in die nördliche Ecke des Grundstücks an der Mannheimer Straße vor und im südlichen Teil sollte ein dringend benötigter Busbahnhof entstehen. Dieser Vorschlag hat in der schwarz-grünen Koalition zu kontroversen und lang andauernden Diskussionen geführt. Im April 2008 wurde bekannt, dass sich die Koalition aus CDU und Grünen beim Hochhaus am Hauptbahnhof auf eine Höhenbeschränkung von 100 Metern geeinigt hatte. Zudem wurde der Bau eines Busbahnhofs als zwingende Voraussetzung für den Hochhausbau festgelegt.
Diese Einigung wurde bereits wenige Monate später, im September 2008, wieder aufgehoben. Denn es wurde bekannt, dass die Stadt und der Grundstückseigentümer CA Immo Deutschland sich auf ein Hochhaus mit einer Maximalhöhe von 210 Metern geeinigt haben. Die damaligen Vorsitzenden der Koalitionsfraktionen, Markus Frank (CDU) und Olaf Cunitz (Grüne), gaben diese Entscheidung bekannt. Die Entscheidung für ein doppelt so hohes Gebäude wurde angeblich durch das Interesse der Deutschen Bahn beeinflusst, den Turm für 3.000 Mitarbeiter komplett zu mieten. Eine weitere Auflage der Stadt Frankfurt für die Erhöhung des Gebäudes war die Errichtung eines Busbahnhofs am Standort sowie 120 neuer geförderter Sozialwohnungen. Ein Bebauungsplanverfahren sollte starten, sobald CA Immo Deutschland den Mietvertrag mit der Deutschen Bahn abgeschlossen hat. Der Wettbewerb war mit acht Planungsteams ausgeschrieben, jedoch gab die Deutsche Bahn im März 2009 bekannt, dass sie langfristig den Silberturm von der Commerzbank gemietet hat und den Campanile nicht mieten werde.
Anstatt des geplanten Campanile entstand 2018 dann auf dem nördlichen Teil des Grundstücks an der Mannheimer Straße ein achtgeschossiges InterCity-Hotel und auf dem südlichen Teil wurde der Fernbusbahnhof errichtet. An der Stelle des geplanten und genehmigten Hochhauses wurde 2016 ein temporäres Parkhaus, das sich neben dem 4-Sterne-Hotel befindet, errichtet. Wenn es für das geplante Hochhaus entsprechende Interessenten gibt, solle dieses Übergangsparkhaus wieder abgebaut werden.
Neue Planung 2024
Die ursprünglich für 2021 geplante Fortschreibung des Hochhausentwicklungsplans wurde aufgrund geänderten kommunaler Machverhältnisse immer wieder verschoben. Der jetzt im März 2024 veröffentliche neue Hochhausentwicklungsplan sieht jetzt südlich des Hauptbahnhof ein 160 bis 200 Meter hohes Gebäude vor, dass nach den Vorstellungen der Stadt direkt mit dem Haupt- und Busbahnhof verbunden werden könnte. Der neue Campanile könne damit doppelt so hoch werden wie zuletzt 2008 geplant und als neuer Eingang zum Hauptbahnhof entwickelt werden.
Bisher ist noch nicht bekannt, in welcher Form und wann genau dieses langjährige Projekt nun tatsächlich umgesetzt wird. CA Immo beabsichtigt jedoch, die weitere Entwicklung des Grundstücks gemeinsam mit der Stadt voranzutreiben.


























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