main-yard-allerheiligenviertel-frankfurt-ort-group-sonnenuntergang-skyline

Home > Magazin > Interviews > René Reif

Das Allerheiligenviertel mit neuem Leben erwecken

Der Projektentwickler des MAIN YARD René Reif im Gespräch

Am Rande der östlichen Innenstadt Frankfurts entsteht mit dem MAIN YARD ein neues Quartier mit knapp 300 Wohnungen, einem Hotel, Serviced Apartments, Gastronomie sowie Einzelhandel. Das lange Zeit etwas in Vergessenheit geratene Allerheiligenviertel soll dadurch neu belebt werden und einen spürbaren Aufschwung erfahren. Dabei gibt es einige Herausforderungen für Stadtquartiere der Zukunft zu beachten. Die Themen Nachhaltigkeit, nachbarschaftliche Vernetzung, innerstädtische Erholungsräume sowie Bezahlbarkeit der Wohnungen spielen eine immer wichtigere Rolle sowohl bei städtischen Vergabeverfahren als auch bei den zukünftigen Nutzern des Quartiers.

SKYLINE ATLAS: Lieber Herr Reif, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Gespräch mit dem SKYLINE ATLAS nehmen. Wir würden mit Ihnen gerne über das Projekt MAIN YARD in der östlichen Innenstadt sprechen. In Ihren Worten: was zeichnet dieses neue Viertel aus?

René Reif: Das zentral gelegene Allerheiligenviertel bietet große Chancen für ein neues lebendiges Quartier in Frankfurt. Wir wollen diese Chancen nutzen und das Viertel mit neuem Leben erwecken. Dabei sind wir von Anfang an auf alle Beteiligten rund um das Projekt zugegangen, haben uns dem Viertel und seiner Umgebung geöffnet und somit Vertrauen geschafft. Dies war uns mehr als wichtig.

Das MAIN YARD wertet bislang brachliegende Flächen auf und macht diese nutzbar. Dadurch entsteht dringend benötigter Wohnraum in zentraler Stadtlage. Besonderer Wert liegt auf der Nutzungsdurchmischung und Vielfalt des Viertels. Wir wollen ein einzigartiges, identitätsstiftendes Quartier schaffen, welches sich aber gleichzeitig seiner Umgebung öffnet und diese mitgestaltet. Unser Ziel ist es, mit dem MAIN YARD die Lücke zwischen Innenstadt und dem immer beliebter werdenden Ostend mit dem neuen EZB-Standort zu schließen.

rene-reif-main-yard-ort-group-allerheiligenviertel-frankfurt

SKYLINE ATLAS: Das Allerheiligenviertel ist in den vergangenen Jahrzehnten etwas in Vergessenheit geraten. Welchen Mehrwert wird das neue Quartier für seine Umgebung schaffen?

René Reif: Mit dem MAIN YARD entsteht ein kultureller Melting Pot in Frankfurt. Bereits vor der Entwicklung entstand durch die kostenfreien zur Verfügung gestellten Flächen ein temporärer Placemaking-Kosmos. Dieses Erbe gilt es im MAIN YARD fortzuführen, indem wir der Kunst- und Kreativszene ermöglichen, auch während der Bauphase mit zu wirken. Wir sind sicher, dass das MAIN YARD auch einen positiven Effekt auf die Umgebung haben wird. Beispielsweise wird sich wahrscheinlich die Neugestaltung der Allerheiligenstraße am Projekt orientieren.

SKYLINE ATLAS: Das MAIN YARD entsteht im Allerheiligenviertel unmittelbar am Rande der Innenstadt. Welche Anforderungen bringt die Gestaltung eines zentrumsnahen Quartiers mit sich?

René Reif: Eine Anforderung besteht darin, einen vergessenen und zugleich in Verruf geratenen Kiez ins Frankfurter Stadtbild zu reintegrieren. Umso mehr Stakeholder, desto mehr Interessen: unser Anspruch ist es, die Meinungsvielfalt aufzugreifen und in den Planungsprozess einfließen zu lassen. Das MAIN YARD wird ein nutzungsdurchmischtes, lebendiges Viertel, indem sich jeder einbringen kann.

Eine weitere Herausforderung ist natürlich das Projektmanagement. An einem so dichten und zentralen Ort Nahe der Frankfurter Innenstadt ist es sehr wichtig, dass die Nachbarschaft sowie die Umgebung so wenig wie möglich beeinträchtigt wird.

main-yard-allerheiligenviertel-frankfurt-skyline-ort-group-rene-reif

„…einen vergessenen und zugleich in Verruf geratenen Kiez ins Frankfurter Stadtbild zu reintegrieren.“

René Reif über die Herausforderungen bei der Entwicklung des MAIN YARD

SKYLINE ATLAS: Was macht innerstädtisches Wohnen für Sie aus und wie kann mit dem MAIN YARD ein Raum geschaffen werden, indem sowohl Urbanität als auch Entschleunigung möglich ist?

René Reif: Der Mix wird es ausmachen: Moderner Wohnraum, hippe Cafés und innovative Gastroangebote stellen den urbanen Kern des MAIN YARD dar, die vielen Grünflächen und bepflanzten Dachterrassen laden Mieter und Nutzer des Quartiers zum Entschleunigen ein. Innerstädtisches Wohnen im MAIN YARD bedeutet zeitgemäßes Wohnen. Ein- bis Zweizimmerwohnungen werden dabei im Fokus stehen – unsere Zielgruppe sind Singles und Young Professionals.

main-yard-grüne-gass-grünfläche-allerheiligenviertel-ort-group-frankfurt

SKYLINE ATLAS: Immer mehr Menschen wünschen sich zusätzliche Begrünungen in der Innenstadt. Welche Konzepte sieht das MAIN YARD diesbezüglich vor?

René Reif: Wir werden mit der Grünen Gaß‘ eine diagonal verlaufende Privatstraße anlegen, die einen absoluten ökologischen Fokus haben wird: Von Blumenbeeten, über verschiedene Pflanzen und Bäume. Auch Urban Gardening sowie komplett gestaltete Gebäudefassaden sind in der Planung für das MAIN YARD vorgesehen.

SKYLINE ATLAS: Innerhalb des Quartiers soll es viele Austauschmöglichkeiten und eine starke Vernetzung der Bewohner geben. Wie versuchen Sie das MAIN YARD auch nach außen hin zu öffnen und mit der umliegenden Nachbarschaft zu verbinden?

René Reif: Unsere Community hat für uns einen ganz besonderen Stellenwert. Bereits vor dem Bauprozess ist es uns gelungen, die Vernetzung durch verschiedene Zwischennutzungen voranzutreiben. Corona geschuldet helfen uns aktuell vor allem unsere Social-Media-Kanäle, unsere Community über aktuelle Entwicklungen und Veranstaltungen auf dem Laufenden zu halten. Sobald es die Situation zulässt, werden wir wieder zu spannenden Events rund um das MAIN YARD einladen.

main-yard-allerheiligenviertel-frankfurt-baustelle-ort-group

SKYLINE ATLAS: Das MAIN YARD soll ein Quartier für alle sein und sich durch Toleranz und Offenheit auszeichnen. Wie versuchen Sie diese Wertevorstellungen im Viertel zu fördern?

René Reif: Vor allem im Retail- und Gastronomiebereich werden wir auf einen ausgewogenen Mietermix mit unterschiedlichsten Anbietern achten. Ebenso könnte Platz für Kunstprojekte geschaffen werden, die Toleranz, Anti-Rassismus und Offenheit aktiv einfordern. Aktuell schreiben wir auch ein Buch über die Entstehung des MAIN YARD, in dem unter anderem auch verschiedenste Personengruppen rund um das Projekt zu Wort kommen. Somit wollen wir die gelebte Partizipation auch dokumentieren und noch mehr Verbindung zum Viertel schaffen.

main-yard-frankfurt-reif-teichner-ort-group

Sonja Teichner und René Reif

main-yard-gruene-gass-allerheiligenviertel-frankfurt

SKYLINE ATLAS: Schauen wir in die Zukunft: Wie sehen Sie die langfristige Quartiersentwicklung des Areals und des MAIN YARD?

René Reif: Ziel ist es, aus der Quartiersentwicklung eine Marke zu machen. Daran arbeiten wir bereits heute. Der Begriff MAIN YARD soll für einen Ort des Wohlfühlens und des Erlebens zwischen Breite Gasse, Allerheiligenstraße und Lange Straße stehen.

SKYLINE ATLAS: Herr Reif, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen weiterhin gutes Gelingen mit der Entwicklung des MAIN YARD.

Das Interview wurde im März 2022 geführt.

ort-group-skyline-atlas-main-yard-frankfurt

René Reif, Sonja Teichner (OrT Group), Dean Vukovic, Jakob Schickedanz (SKYLINE ATLAS)

Das MAIN YARD setzt ein Zeichen

main-yard-friedenstaube-für-frieden-statement-rene-reif-ort-group

März 2022: In Frankfurt wurde diese Hauswand als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine von dem Künstler Justus Becker gestaltet.

„Ich denke, die aktuell verbliebene Giebelwand auf dem MAIN YARD Gelände spricht für sich – wir setzen ein Zeichen der Solidarität mit der Ukraine und all den Menschen, die in diesen Tagen unermüdlich für ihre Freiheit und für die Demokratie kämpfen. Diese Wand ist zu meinem Ort der Solidarität geworden. Ich vertrete eine starke Meinung: gegen Ausgrenzung, Hass und Gewalt und für Toleranz und Vielfalt. Dafür setze ich hier in Frankfurt im Allerheiligenviertel starke, für alle sichtbare Zeichen.“

René Reif zum Krieg in der Ukraine

Zur Person: René Reif

René Reif ist geschäftsführender Gesellschafter des Projektentwicklers ORT Group. Ebenso ist er Lehrbeauftragter für den Bereich Immobilienfinanzierung sowie Projektentwicklung am Lehrstuhl für Bauprozessmanagement und Immobilienentwicklung (integrales Center Bauen und Immobilien) an der TU München und Vorsitzender des Akademischen Beirates der Akademie der Immobilienwirtschaft, ADI München.

rene-reif-frankfurt-ort-group-main-yard

René Reif

2 Kommentare zu “Interview mit René Reif über das neue MAIN YARD

  1. Reinhard Ansgar Schulz-Mittenzwei kommentierte: 3 Monaten ago Reply

    Kein Wort zur Stockwerkshöhe, kein Wort zum Dreisecksplätzchen, kein Wort zur Verträglichkeit mit den Puffs in der Breiten Gasse, ich finde ziemliches Blablabla, von dem am Ende nicht viel übrig bleiben wird. Die derzeitigen in-Schlagworte des Städtebaus sind dem CEO jedoch recht geläufig von der Zunge gegangen.

  2. Marius von Möllen kommentierte: 3 Monaten ago Reply

    Tolles Interview und ein schönes Projekt, das endlich das ganze Viertel aufwertet. Ich finde die Idee mit diesem Boulevard und den gastronomischen Angeboten sehr gut. Danke sehr!

Kommentar hinterlassen