Eroeffnung - Juedische - Akademie - Rhein - Steinmeier - Mike - Josef

Jüdische Akademie Frankfurt eröffnet

Mit einem Festakt und Gästen aus Politik und Gesellschaft eröffnete der Zentralrat der Juden in Deutschland heute die Jüdische Akademie in Frankfurt am Main. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nahm als Ehrengast teil. Auch Hessens Ministerpräsident Boris Rhein und Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef wurden erwartet. Mit der neuen Einrichtung entsteht erstmals seit der Schoah wieder eine überregionale, außeruniversitäre jüdische Bildungsinstitution dieser Art in Deutschland.

Die Akademie soll ein Ort des jüdischen Denkens, der wissenschaftlichen Auseinandersetzung und des gesellschaftlichen Dialogs werden. Ihr Anspruch ist es, jüdische Perspektiven selbstbestimmt und wissenschaftlich fundiert in gesellschaftliche Debatten einzubringen. Das Programm umfasst jüdische Geschichte und Kultur, jüdische Gegenwart, Israel und den Nahen Osten sowie Politik und Gesellschaft. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf antisemitismuskritischer Bildungsarbeit und der Auseinandersetzung mit Verschwörungserzählungen. Das Angebot richtet sich nicht nur an die jüdische Gemeinschaft. Wissenschaftler, Studierende, Kulturschaffende, politische Akteure, pädagogische Fachkräfte sowie Angehörige von Polizei und Justiz gehören ebenso zu den Zielgruppen. Kooperationen mit Universitäten, Forschungseinrichtungen und gesellschaftlichen Institutionen sollen die Akademie überregional vernetzen. Der Standort Frankfurt ist historisch bedeutsam. Die Stadt war über Jahrhunderte ein Zentrum jüdischen Lebens und jüdischer Geistesgeschichte. Mit dem 1920 von Franz Rosenzweig gegründeten Freien Jüdischen Lehrhaus gab es hier bereits eine bedeutende Institution jüdischer Erwachsenenbildung, die 1938 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. Die neue Akademie knüpft an diese Tradition an, richtet ihren Blick aber ausdrücklich auf Gegenwart und Zukunft. Die Gesamtkosten des Neubaus belaufen sich auf rund 40 Millionen Euro. Neben dem Zentralrat beteiligen sich die Bundesregierung, das Land Hessen und die Stadt Frankfurt an der Finanzierung.

Jüdische - Akademie - Frankfurt - am - Main - Westend

Architektur und Bau: Offenheit hinter einer geschützten Fassade

Der Neubau der Jüdischen Akademie wurde vom Frankfurter Architekten Zvonko Turkali entworfen. Das architektonische Konzept verbindet einen modernen, viergeschossigen Bau mit einer historischen Professorenvilla aus der Zeit um 1910/1914. Die Villa gehörte ursprünglich zu einer Gruppe von fünf Gebäuden auf dem damaligen Universitätsgelände. Der Neubau entstand auf dem Grundstück einer im Zweiten Weltkrieg zerstörten Villa. Ein Zwischenbau verbindet beide Gebäudeteile zu einem Ensemble.

Besonders prägend ist die helle, geometrisch gegliederte Fassade mit ihren großzügigen Glasflächen. Sie verleiht dem Gebäude einen transparenten, offenen Charakter. Diese Gestaltung ist zugleich programmatisch zu verstehen: Die Akademie soll sich nicht abschotten, sondern als sichtbarer Ort jüdischen Lebens und gesellschaftlicher Begegnung in der Stadt präsent sein. Eine zentrale Rolle spielt das großzügige Foyer, das der Architekt als räumliches Rückgrat des Hauses versteht. Es verbindet die verschiedenen Geschosse und schafft eine offene Erschließungs- und Begegnungszone. Für die Gestaltung ließ sich Turkali vom Licht Jerusalems inspirieren. Der Sichtbeton im Foyer wurde deshalb beige eingefärbt und erhält dadurch eine warme, steinartige Wirkung. Auch die Frage einer spezifisch jüdischen Architektursprache beschäftigte das Planungsteam. Statt auf eine plakative religiöse Symbolik zu setzen, wurden jüdische Bezüge subtil in die Gestaltung integriert. Dazu gehören unter anderem ein in die Architektur eingebundenes rituelles Handwaschbecken und die bewusste Auseinandersetzung mit Licht und Materialität.

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Eine besondere Herausforderung war die Verbindung von architektonischer Offenheit und den hohen Sicherheitsanforderungen an jüdische Einrichtungen. Die Glasfassade musste entsprechend geschützt werden. Teilweise kommen bis zu zehn Zentimeter starke, durchschusssichere Gläser zum Einsatz. Um dennoch möglichst viel Transparenz zu erhalten, wurde Weißglas verwendet. Auch die Fassadenstützen sind so gestaltet, dass sie optisch zurücktreten und die Glasflächen möglichst leicht erscheinen lassen. Im Obergeschoss befindet sich der große Akademiesaal für Vorträge, Konferenzen und Diskussionen. Ergänzt wird er durch Seminar- und Veranstaltungsräume. Ein Speisebereich mit Lichthof im Untergeschoss sowie ein Café in der historischen Villa erweitern das Nutzungskonzept um eine soziale und kommunikative Komponente. Das Café soll koschere Speisen anbieten und im Stil eines Wiener Kaffeehauses gestaltet werden. So verbindet der Bau unterschiedliche Ansprüche: historische Erinnerung und zeitgenössische Architektur, jüdische Tradition und moderne Bildungsarbeit, Offenheit und notwendige Sicherheit. Die Akademie soll nicht nur ein Ort für Vorträge und Seminare sein, sondern ein lebendiges Haus der Begegnung.

Mit ihrer Eröffnung erhält Frankfurt damit eine Institution, deren Bedeutung über die Stadt hinausreicht. Das Gebäude schafft den räumlichen Rahmen für einen langfristigen Anspruch: jüdisches Denken und jüdische Gegenwart sichtbar zu machen und als selbstverständlichen Bestandteil des gesellschaftlichen Diskurses in Deutschland zu verankern.

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