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Frankfurt am Mayn im Jahre 1845

Was war die Neustadt in Frankfurt?

Die Neustadt war eine früher gebräuchliche Bezeichnung für einen innerstädtischen Bereich in Frankfurt am Main. Die Frankfurter Neustadt wurde in ihrer Identität nach dem Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört. Die frühere Neustadt liegt heute insbesondere nördlich und östlich der Altstadt innerhalb der Wallanlagen. Die Neustadt ist heute vom Gebiet her deckungsgleich mit dem Stadtteil Innenstadt.

Erste Besiedlung

Die Neustadt wurde offiziell im Jahr 1333 genehmigt, als der Freien Reichsstadt Frankfurt durch Kaiser Ludwig der Bayer die Erweiterung ihrer Fläche auf das Dreifache genehmigte. Bis ins 14. Jahrhundert lag das Gebiet der Neustadt außerhalb der Altstadt-Stadtmauern. Trotz der ungeschützten Lage wurde in der Neustadt gebaut. So entstand nördlich der ummauerten Stadt an einer als Viehmarkt genutzten Fläche eine Häuserzeile, die der aus diesem Markt entstandenen Straße den Namen verlieh: Zeil. Östlich und westlich davon, an der Bockenheimer Pforte und der Bornheimer Pforte, verliefen Landstraßen von den Stadttoren in die Umgebung, an denen bereits Häuser und Gärten entstanden.

Die Stadt errichtete in der Folge neue Befestigungsanlagen mit fünf landseitigen Stadttoren: dem Gallustor am heutigen Willy-Brandt-Platz, dem Bockenheimer Tor am heutigen Opernplatz, dem Eschenheimer Tor, dem Friedberger Tor und dem Allerheiligentor. Im Laufe der folgenden Jahre füllte sich das neue Stadtgebiet mit Straßen und Gebäuden, wobei vor allem reiche Tuchhändler die Gelegenheit nutzten, sich außerhalb der Enge der Altstadt repräsentative Domizile zu errichten. 1428 wurde der Eschenheimer Turm, das prächtigste Stadttor der neuen Befestigung, fertiggestellt.

Im 15. Jahrhundert gab es in der Neustadt noch zahlreiche unbebaute Flächen und viele Gärten. Die Altstadt war zu dieser Zeit noch der bevorzugte Stadtteil, in der Neustadt siedelten sich vor allem die vom Land in die wachsende Stadt strömenden Zuwanderer an.

Zeit der Prachtbauten

In der folgenden Zeit verschoben sich allmählich die Gewichte zwischen der Altstadt und Neustadt, neue Stadthäuser reicher Bürger entstanden nun vor allem in der Neustadt. Sie dienten während der in Frankfurt stattfindenden Kaiserkrönungen häufig als Quartiere der kurfürstlichen Delegationen. Das bekannteste Stadtpalais war 1737 das Palais Thurn und Taxis in der Großen Eschenheimer Straße. Wenige Jahre zuvor, 1730, entstand das bis heute erhaltene Hauptwachengebäude im Herzen der Neustadt.

Auch danach herrschte in der Neustadt eine rege Bautätigkeit, das bekannteste Bürgerhaus war das Goethe-Haus. Im Jahr 1825 eröffnete Stadtbibliothek am Mainufer (von dem nach Kriegsschaden nur noch das Portal stehen blieb).

Neustadt Frankfurt am Main um 1910 - Die Hauptwache in Frankfurt a.M.

Neustadt als Großstadtzentrum

Nach der Angliederung durch Preußen im Jahre 1866 als Folge des Deutschen Krieges entwickelte sich Frankfurt schnell zu einer modernen gründerzeitlichen Großstadt. Das bisher recht weitmaschige Straßennetz der Neustadt wurde durch Straßendurchbrüche verdichtet, breite Prachtstraßen wurden angelegt. Ab 1870 entstanden nach Pariser Vorbild die Kaiserstraße und der Kaiserplatz als Verbindung zwischen der Hauptwache und den Westbahnhöfen und es eröffnete im Jahr 1876 das Hotel Frankfurter Hof.

Durch weitere Durchbrüche entstanden unter anderem die Neue Zeil, die Schillerstraße und die Goethestraße. Im Jahr 1874 wurde die in Verlängerung der Neuen Mainzer Straße errichtete Untermainbrücke fertiggestellt, 1878 folgte die Obermainbrücke in Laufrichtung der Lange Straße. Die Neue Börse eröffnete im Jahr 1879 nahe der Hauptwache. Nur ein Jahr später wurde das Opernhaus eingeweiht und 1902 das Schauspielhaus in der Untermainanlage.

Historische Gebäude in Frankfurt am Main - Kaiserstraße und Kaiserplatz um 1899

Um die Neustadt herum entstanden neue Stadtviertel, wie hier das Bahnhofsviertel. Frankfurt war für seine Schönheit bekannt und ein bedeutender Ort für viele Touristen, die nach Deutschland kamen.

Die rasanten Wachstumsprozesse führten in der Neustadt zur Citybildung: Aus den bisherigen Wohnquartieren entwickelte sich ein großstädtisches Handels- und Geschäftszentrum, die bisherigen Bewohner wurden in die entstehenden Vorstädte abgedrängt. Der zentrale Verkehrsknoten der Pferdebahn (später Straßenbahn) lag an der Hauptwache: zahlreiche Linien fuhren über die Zeil, die sich zur Straße der großen Warenhäuser entwickelte. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) verlagerte sich der Schwerpunkt der städtebaulichen Entwicklung mehr in die äußeren Stadtteile.

Freie Stadt Frankfurt - Frankfurt am Mayn - Frankfurt am Main 1845

Frankfurt am Mayn im Jahre 1845: Die Altstadt lag innen und die Neustadt lag außen, aber beide innerhalb der Stadtbefestigung.

Stadtplan in groß ansehen (10 MB)

Eine interessante Zahl: Während London (England) im Jahre 1845 schon 1,8 Millionen Einwohner hatte, kam Frankfurt zu dieser Zeit auf gerade einmal 58.500 Bewohner.

Zweiter Weltkrieg und Wiederaufbau

Die gründerzeitlich geprägte Neustadt fiel im Zweiten Weltkrieg, ebenso wie die gotische Altstadt, zahlreichen alliierten Luftangriffen zum Opfer. Nach der fast vollständigen Zerstörung wurde die Stadt jedoch nicht originalgetreu aufgebaut, denn man wollte in die Moderne aufbrechen und eine autogerechte Stadt schaffen.

Die städtebauliche Identität der Neustadt ging daraufhin durch einen völlig anderen Wiederaufbau vollständig verloren. Es wurden dabei neue Verkehrsachsen, etwa die Konrad-Adenauer-Straße, durch das Trümmerfeld gelegt. Andere Straßen, wie die heutige Zeil, wurden erheblich verbreitert und erzeugten damit das Stadtbild des heutigen Stadtteils Innenstadt.

Nachkriegsarchitektur Frankfurt - Architektur der 1950er und 1960er Jahre - Berliner Straße 6 in Frankfurt am Main - Altstadt
Nachkriegsarchitektur Frankfurt - Architektur der 1950er und 1960er Jahre - Große Bockenheimer Straße 27 in Frankfurt am Main - Innenstadt

Es entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg meist einfache und vorwiegend geschäftlich genutzte Nachkriegsbauten. Aufgrund der nun fehlenden historischen Bebauung gab es in den folgenden Jahrzehnten kaum Bedenken gegen den Bau von Hochhäusern in der Innenstadt, zu der auch große Teile des Bankenviertels zählen.

Heute verschwindet mit jedem Neubau ein meist als Schandfleck empfundenes Stück nicht mehr zeitgemäßer Nachkriegsarchitektur. Daher werden auch Projekte wie die 2018 eingeweihte Neue Altstadt in Frankfurt so sehr gefeiert.

Neustadt Frankfurt - Karte - Plan

Das Gebiet der früheren Neustadt (hell markiert) ist heute der Stadtteil Innenstadt, der den Stadtteil Altstadt umgibt.

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