Max Beckmann Preis für Anna Heringer – Eine Würdigung nachhaltiger Architektur
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- Redaktion
Die Stadt Frankfurt hat der Architektin Anna Heringer den prestigeträchtigen Max-Beckmann-Preis für das Jahr 2025 verliehen. Die feierliche Preisübergabe fand gestern Abend im historischen Kaisersaal des Römers statt, wo Oberbürgermeister Mike Josef die Auszeichnung überreichte und Anna Heringer sich anschließend in das Goldene Buch der Stadt eintrug. Die Laudatio hielt die Architekturkritikerin Laura Weißmüller.
Die Jury würdigte Heringers einzigartigen Ansatz des nachhaltigen Bauens, der auf der Nutzung lokaler Ressourcen basiert. Ihr Architekturbüro im bayrischen Laufen realisiert weltweit Bauprojekte mit lokalen Handwerkern und unter Berücksichtigung traditioneller Bauformen – immer mit dem Baustoff Lehm. Ihre Architektur wird als potenziell revolutionär für die Bauindustrie betrachtet, da sie nicht nur ökologische Aspekte berücksichtigt, sondern auch soziale und kulturelle Dimensionen einbezieht. Anna Heringers architektonisches Schaffen ist global präsent – von Bangladesch über Afrika bis nach Europa. Ihre erste bedeutende Arbeit, die METI-Schule in Rudrapur, machte sie bereits 2007 international bekannt und brachte ihr den renommierten Aga Khan Award for Architecture ein. Die Auszeichnung durch den Max Beckmann Preis unterstreicht Anna Heringers herausragende Rolle als Pionierin des nachhaltigen und sozial verantwortlichen Bauens, die weit über traditionelle architektonische Ansätze hinausdenkt.
Auszeichnung und Bedeutung des Preises
Der Max-Beckmann-Preis, dotiert mit 50.000 Euro, wird alle drei Jahre zum Geburtstag des Malers Max Beckmann verliehen. Er ehrt herausragende Leistungen in Malerei, Grafik, Bildhauerei und Architektur. Heringer ist die erste Architektin und sechste Frau, die diese Auszeichnung erhält, nach u.a. Cindy Shermann und Barbara Klemm.
„Ich freue mich sehr, dass der diesjährige Max-Beckmann-Preis an eine Architektin geht, die das ökologische Bauen revolutioniert“, sagt Oberbürgermeister Mike Josef, gleichzeitig Vorsitzender der Jury, und führt weiter aus: „Ihre Erfahrungen und ihr Engagement in Asien und Afrika schärfen den Blick für den Umgang mit unserer Umwelt und liefern entscheidende Impulse für den ökologischen Umbau Frankfurts. Anna Heringers Architekturkonzept wird zum Motor für eine Neuausrichtung des Bauens – auch in den Industrienationen.“
Aufruf zur Genügsamkeit
Laura Weißmüller, 2024 mit dem Preis des BDA für Architekturkritik ausgezeichnet und Redakteurin im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung, bewundert in ihrer Laudatio den Mut von Heringer und beschreibt diese Idealismus als den Mut, die Welt besser und schöner zu hinterlassen, als man sie aufgefunden hat. Denn Architektur sei die einzige Kunst, die zerstöre. Jeder der mit Beton baue, müsse sich aufgrund des großen Ressourcenverbrauchs der Verantwortung gegenüber der Umwelt stellen. Weißmüller erklärt, dass Lehm der ältester und gleichzeitig der nachhaltigste Baustoff der Menschheit sei und, dass noch heute ein Drittel der Weltbevölkerung in Lehmhäusern lebe.
Anna Heringer dankte in ihrer Rede der Stadt Frankfurt und der Jury für ihren Mut, „eine herausfordernde Architektur auszuzeichnen. Herausfordernd deshalb, weil ich meine Architektur immer auch als Aufruf zum Wandel sehe. Ich bin eine sture Idealistin. An der Realität mag ich mich nicht orientieren. Das gibt mir nicht die nötige Kraft, um Dinge zum Positiven zu verändern. Deshalb fokussiere ich mich vehement auf die Aspekte in meinem Leben, die ich beeinflussen kann.“ Zum Ende ihrer Dankesrede stellte sie fest: „Nachhaltigkeit ist keine Frage von Ressourcen, technischer Innovation oder Geld. Es ist eine Haltung: eine ethische Haltung und eine Geisteshaltung. Und genau da müssen wir uns weiterentwickeln.“
„Form follows Love“
Geboren 1977 in Rosenheim, entwickelte Anna Heringer bereits früh, während ihrer Tätigkeit für eine NGO in Bangladesch, ein Verständnis für nachhaltiges Arbeiten . Die Diktionen der architektonischen Moderne ‚Form follows Function‘ und ‚Ornament als Verbrechen‘ formuliert Anna Heringer neu. Sie versteht Ornamente als Ausdruck von Freude und Würde. Nachhaltigkeit ist für Heringer ein Synonym für Schönheit und ihre Architekturphilosophie basiert auf dem Prinzip „Form follows Love“. Es geht Heringer nicht allein darum, nachhaltige Materialien einzusetzen, sondern die Ästhetik eines Gebäudes neu zu akzentuieren. Anna Heringers Formensprache schließt an die organische Moderne an, den entscheidenden Wechsel aber vollzieht sie, indem sie Beton, den Baustoff der Moderne, durch Lehm ersetzt. Heringer kann mittlerweile auf beeindruckende akademische Stationen verweisen, darunter Gastprofessuren in Harvard, an der ETH Zürich und München. Die UNESCO ehrte sie mit einer Ehrenprofessur für Lehmbau, Baukultur und nachhaltige Entwicklung.
























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