Die Deutsche Bundesbank sucht einen neuen Hauptsitz

Die Deutsche Bundesbank hat am 12. August 2026 ihr „Verfahren zum Erwerb einer Neuen Zentrale der Deutschen Bundesbank“ veröffentlicht. Im Rahmen eines europaweiten Wettbewerbs soll eine schlüsselfertige Immobilie einschließlich des dazugehörigen Grundstücks erworben werden. Die Teilnahmeanträge müssen bis zum 5. Oktober 2026 eingereicht werden, die Erstangebote sollen voraussichtlich bis zum 1. April 2027 vorliegen.

Gegenstand des Verfahrens ist eine Immobilie im Stadtgebiet Frankfurt am Main. Der Flughafen und Gateway Gardens sind aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen. Eine Mindestgröße des Grundstücks ist nicht vorgegeben. Als Immobilien kommen sowohl Neubauten als auch Sanierungs– oder Umbauvorhaben infrage. Vor diesem Hintergrund könnte spekuliert werden, dass eines der Hochhäuser in Frankfurt, für die eine Baugenehmigung erteilt wurde, in Frage kommen könnte. Hierzu zählen die Gallusanlage 8, aber auch der Milleniumtower an der Messe. Zumal laut Ausschreibung bei Bestandsgebäuden das Baujahr nicht vor 2020 liegen darf. Möglich sind aber auch Kernsanierungen sowie Kombinationen aus Neubau und Sanierung. Ferner darf der Anteil denkmalgeschützter Fassadenflächen dabei höchstens 25 Prozent betragen.

Bundesbank-Zentrale-Frankfurt-Campus
Bundesbank-Frankfurt-Zentrale

Bei der Flächenplanung soll die Immobilie rund 2.500 Büroarbeitsplätze sowie weitere 350 Arbeitsplätze in Funktions- und Sonderbereichen, etwa für Gastronomie und Konferenznutzungen, abbilden. Insgesamt ist eine Zahl von mindestens 2.150 und höchstens 3.000 Arbeitsplätzen vorgesehen. Eine konkrete Mindestfläche in Quadratmetern für die Büroarbeitsplätze wird nicht genannt. Für Funktions- und Sondernutzungen werden einschließlich der dort vorgesehenen 350 Arbeitsplätze rund 15.000 Quadratmeter Fläche erwartet.

Gescheiterte Sanierung und Erweiterung

Die Geschichte der Sanierung der Frankfurter Bundesbank-Zentrale reicht bis ins Jahr 2016 zurück. Damals beschloss die Bundesbank, das in den Jahren 1967 bis 1972 errichtete Haupthaus an der Wilhelm-Epstein-Straße umfassend zu sanieren und am bestehenden Standort festzuhalten. In den folgenden Jahren wurde aus der ursprünglich geplanten Sanierung ein deutlich größeres Vorhaben. Unter dem Namen Projekt Campus entstand die Idee, die Frankfurter Beschäftigten an einem gemeinsamen Standort zu konzentrieren und das bestehende Haupthaus durch mehrere Neubauten und zusätzliche Infrastruktur zu ergänzen. Der geplante Campus sollte ursprünglich Platz für bis zu 5.000 Beschäftigte bieten.

Bundesbank - Zentrale - Frankfurt - Neues - Hochhaus - Campus - Sanierung

2022 begann schließlich die Sanierung des denkmalgeschützten Haupthauses, nachdem die Beschäftigten in Ausweichquartiere umgezogen waren. Das Gesamtprojekt geriet sodann zunehmend unter Druck. Insbesondere die stark gestiegenen Baukosten, aber auch die Erfahrungen aus der Pandemie und die damit verbundene stärkere Nutzung von Homeoffice veränderten die bisherigen Annahmen zum Flächenbedarf. Aufgrund dessen wurde das Projekt 2023 deutlich verkleinert. Statt mehrerer neuer Bürogebäude sollte nur noch ein kleiner Neubau entstehen, wobei der Schwerpunkt stärker auf der Sanierung und Nutzung des vorhandenen Gebäudebestands liegen sollte.

In den Jahren 2024 und 2025 stellte die Bundesbank das Vorhaben schließlich erneut grundsätzlich auf den Prüfstand und verglich die Fortführung am bisherigen Standort mit einem möglichen Umzug. Dabei zeigte sich, dass die weitere Sanierung und Entwicklung des Standorts mit sehr hohen Investitions- und langfristigen Betriebskosten verbunden wäre. Im März 2026 fiel daher die Entscheidung, nicht mehr an die Wilhelm-Epstein-Straße zurückzukehren, sondern eine neue Zentrale zu erwerben. Mit der im August 2026 veröffentlichten Ausschreibung für eine schlüsselfertige Immobilie wird dieser grundlegende Strategiewechsel nun konkret umgesetzt. Damit endet nach rund zehn Jahren die Entwicklung von der ursprünglich geplanten Sanierung über das große Campus-Projekt bis hin zum vollständigen Standortwechsel.

Holen Sie sich jetzt Ihre Mitgliedschaft

Werden Sie SKYLINE ATLAS Mitglied und finden Sie damit künftig Inhalte besser, die zu Ihnen passen. Damit können Sie auch Artikel unter einem Psyeudonym oder Ihrem Klarnamen kommentieren und demnächst Inhalte wie Fotos veröffentlichen.

Jetzt Mitglied werden
Community

Wie ist Deine Meinung zu diesem Thema?

Kommentar hinterlassen