Historische Altstadt Frankfurt bis zur Bomardierung

Altstadt Frankfurt - Hühnermarkt - um das Jahr 1900 herum

Der Hühnermarkt vor seiner Zerstörung im Jahr 1900

Bis zum Zweiten Weltkrieg war die ursprüngliche Frankfurter Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen der große Stolz der Stadt, auch wenn sie etlichen Menschen damals städtebaulich als verstaubt galt. Die historische Altstadt bestand aus dem mittelalterlichen Stadtkern, der mit der ihn umgebenden Staufenmauer befestigt war. Die Altstadt wurde seit dem 14. Jahrhundert von der sogenannten Neustadt innerhalb der Wallanlagen umgeben. Die Neustadt ist heute Teil vom Stadtteil Innenstadt und die Altstadt der kleinste Stadtteil von Frankfurt.

Die historische Frankfurter Altstadt umfasste 1.250 größtenteils aus dem Mittelalter stammende Fachwerkhäuser und war eine der größten Fachwerkstädte Deutschlands. Daneben verfügte die Stadt über großzügige Messehöfe, deren steinerne Hauptbauten über Messegewölben errichtet waren, sowie über mittelalterliche Stadtburgen des Frankfurter Patriziats.

Historische Altstadt Frankfurt am Main - Goldhutgasse 1902

Die Goldhutgasse im Jahr 1902

Die Altstadt-Gebäude hatten bis zu fünf Vollgeschosse und (aufgrund der üblichen, sehr steilen Dächer) mehrere Dachgeschosse. Viele Obergeschosse kragten deutlich über das vorige aus, so dass sich die Bewohner der obersten Geschosse teilweise über die Gasse hinweg die Hand reichen konnten. In der dichtbesiedelten Altstadt lebte die Mehrheit der Frankfurter Bevölkerung, während die Neustadt bis weit ins 18. Jahrhundert hinein den Charakter einer Vorstadt mit lockerer Bebauung und sogar landwirtschaftlich genutzten Flächen behielt.

Für Besucher und Einheimische war das Besuchen der Altstadt mit ihren auskragenden Fachwerkhäusern faszinierend. Die dicht an dicht gebauten Häuser der historischen Altstadt waren einer der bedeutendsten Anziehungspunkte für Deutschlandtouristen.

Städtebauliche Gliederung

Historische Altstadt Frankfurt - im Jahr 1942 - vor der Zerstörung

Städtebaulich ließ die mittelalterliche Altstadt eine klare Struktur mit drei Nord-Süd-Achsen erkennen: Im Westen verlief der Kornmarkt zwischen der Bockenheimer Pforte (nach der später dort errichteten Katharinenkirche dann auch Katharinenpforte genannt) und dem Leonhardstor neben der Leonhardskirche am Main. In der Mitte verband die Neue Kräme die beiden größten Plätze in der Altstadt, den Liebfrauenberg mit dem Römerberg und weiter mit dem südlich davon gelegenen Fahrtor am Mainufer und dem dortigen Hafen. Östlich des Dom verlief die Fahrgasse von der Bornheimer Pforte nahe der heutigen Konstablerwache zur Mainbrücke. Sie war bis ins 20. Jahrhundert die verkehrsreichste Straße Frankfurts.

Die sechs Ost-West-Achsen waren im Stadtbild weniger klar zu erkennen. Nahe dem damaligen nördlichen Mainufer gelegen verlief der wichtige Straßenzug Weckmarkt-Saalgasse-Alte Mainzer Gasse, nördlich davon die Verbindungen Bendergasse-Limpurgergasse-Münzgasse und Kannengießergasse-Markt-Wedelgasse-Barfüßergasse. Weitere wichtige Ost-West-Verbindungen waren die Schnurgasse, die etwa entlang der heutigen Berliner Straße verlief, sowie der Straßenzug Töngesgasse-Bleidenstraße-Großer Hirschgraben. Den nördlichen Rand der Altstadt markierte der Holzgraben.

Altstadt Frankfurt - völlig ausradierte Altstadt um den Römerberg nach dem 2. Weltkrieg (c) Historisches Museum

Die durch den Zweiten Weltkrieg völlig ausradierte Frankfurter Altstadt (das Stadtmodell des zerstörten Frankfurts gibt es im Historischen Museum zu sehen).

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die gesamte mittelalterliche Altstadt ausradiert. Die Frankfurter Altstadt wurde insbesondere für einen Großangriff am 4. Oktober 1943 ausgewählt, weil in der Altstadt der Holzanteil an der Gesamtbaumasse am höchsten war und eine enge Bebauung existierte.

Der Stolz der Frankfurter auf ihre Stadt erlosch ab dieser Zeit fast schlagartig. Doch die Sehnsucht der Menschen nach der Altstadt und ihrem Ruhm blieb erhalten.

Rekonstruktion einzelner Bauwerke

Paulskirche Frankfurt Altstadt

Die Paulskirche im Jahr 2009: Gut erkennbar im Norden schnell errichtete Bauten aus den 1950er und 1960er Jahren. Links oben erkennt man das mittlerweile abgerissene Technische Rathaus, rechts oben die wiederaufgebaute Ostzeile am Römerberg.

Weite Teile der Altstadt sind nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs komplett neu errichtet worden, so dass nur sehr wenige Gebäude mit historischer Bausubstanz erhalten sind. Nach der Enttrümmerung standen sich – wie häufig in dieser Zeit – Modernisierer und Bewahrer gegenüber, so dass zunächst ein Baustopp bis 1952 bestand.

Die Bewahrer, im Wesentlichen repräsentiert vom Bund tätiger Altstadtfreunde, setzten sich nicht für eine flächenhafte Rekonstruktion der Altstadt ein, sondern vor allem den Erhalt des alten Straßennetzes mit einer kleinteiligen Neubebauung und einen Wiederaufbau einiger bedeutender Gebäude.

Es wurde schließlich eine Mischlösung gefunden, mit deutlicher Tendenz hin zu den Modernisierern: einige prominente Baudenkmäler wurden rekonstruiert, darunter 1947 die Paulskirche und 1949 das Goethe-Haus. Nach 1952 folgte Rathaus Römer, die Staufenmauer, das Steinerne Haus, der Saalhof, das Karmeliterkloster und das Leinwandhaus. Von den in der Altstadt gelegenen, zerstörten Dotationskirchen, wurden der Dom, die Alte Nikolaikirche, die Liebfrauenkirche und das Dominikanerkloster aus städtischen Mitteln 1952 bis 1962 wiederaufgebaut. Die ausgebrannten Ruinen der gotischen Weißfrauenkirche und der klassizistischen deutsch-reformierten Kirche wurden 1953 abgetragen.

Goethehaus Frankfurt am Main - Wiederaufbau Goethe Haus - alt vs neu

Alt vs neu: Das Goethe-Haus um das Jahr 1870 (links) und 2019 (rechts).

Schnell errichtete Bauten der 1950er und 1960er Jahre. Altstadt Frankfurt bedeutet nicht alte Gebäude.

Altstadt bedeutet nicht alte Gebäude: Die Mehrzahl der Häuser im Stadtteil Altstadt sind heute Zweckbauten aus den 1950er und 1960er Jahren.

Von den wiederaufgebauten Bauwerken wurde lediglich das Goethe-Haus weitgehend originalgetreu restauriert. Die meisten anderen Wiederaufbauten erfolgten mehr oder weniger vereinfacht (zum Beispiel die Häuser Silberberg, Frauenstein und Salzhaus im Römer-Komplex) oder mit modernen Anbauten (beispielsweise das Steinerne Haus).

Ein Großteil der ehemaligen Altstadt wurde im schlichten Stil der 1950er Jahre bebaut. Dabei entstanden vor allem mehrgeschossige Wohnhäuser, teils als Blockrandbebauung, teils als aufgelockerte Zeilenbauten, oft mit begrünten Innenhöfen. Daneben wurden großmaßstäbliche Zweckbauten wie das Gebäude des Bundesrechnungshofs (mittlerweile durch einen gewerblichen Komplex ersetzt), die Kleinmarkthalle und zahlreiche Parkhäuser errichtet, darunter 1956 das Parkhaus Hauptwache als erstes öffentliches Parkhaus Deutschlands.

Des Weiteren wurden unter Verwerfung des historischen Grundrisses neue Hauptverkehrsstraßen durch die Trümmerwüste gezogen. Damit sollte das schon vor dem Krieg oft erwünschte autogerechte Frankfurt Wirklichkeit werden. Realisiert wurde dies in Form der am 16. November 1953 als Straße an der Paulskirche eingeweihten und ab 1955 bis heute als Berliner Straße bekannten Ost-West-Achse. Sie verbindet die ebenfalls verbreiterte Weißfrauenstraße mit der durch die östliche Innenstadt führenden Nord-Süd-Achse der Kurt-Schumacher-Straße. Im Jahr 1955 wurde das zehnstöckige Hochhaus an der Kreuzung Berliner Straße/Fahrgasse fertiggestellt. Es ist mit 30 Metern Höhe das höchste Wohnhaus der Altstadt.

Das Gebiet zwischen Dom und Römerberg im Jahr 1956: ein Brachland

Das Gebiet zwischen Dom und Römerberg (oben) im Jahr 1956: über Jahrzehnte hinweg eine Brachfläche.

Das Gebiet zwischen Dom und Römer blieb zunächst eine Brachlandschaft, über deren Bebauung lange gestritten wurde. Anfang der 1970er Jahre entstanden mit dem Technischen Rathaus (1972–1974) und dem Historischen Museum (1971/72) zwei monolithische Großbauten in einem brutalistischen Betonstil, ohne Rücksicht auf historische Grundrisse und Formen. Das Technische Rathaus wurde mittlerweile abgetragen, um Raum zu schaffen für die Neue Altstadt. Auch das Historische Museum wurde zwischenzeitlich abgerissen und durch Neubauten ersetzt, die versuchen, eine alte Formensprache aufzugreifen.

Zwischen 1981 und 1983 wurde die historische Ostseite des Römerbergs mit fünf Fachwerkbauten rekonstruiert, allen voran das berühmte Bürgerhaus Großer Engel. Die übrigen Rekonstruktionen, die auf besonders glückliche Weise sämtliche Ausprägungen des lokalen Fachwerkbaus von der Gotik bis zum Klassizismus vertreten, können als prototypisch für die großstädtische Wirkung der bis 1944 erhaltenen Bebauung des gesamten Stadtteils angesehen werden.

Gleichzeitig mit der historisierenden Ostzeile entstanden die Kunsthalle Schirn und die postmodernen Neubauten an der Saalgasse. 1991 eröffnete das Museum für Moderne Kunst an der Braubachstraße. Das Haus am Dom entstand 2007 an der Domstraße auf dem erhaltenen Unterbau des ehemaligen Hauptzollamtes von 1927.

Zwischen 2010 und 2018 entstand schließlich die rekonstruierte Altstadt auf dem Dom-Römer-Areal des ehemaligen Technischen Rathauses. Die Neue Altstadt wurde vielfach gelobt für die vorbildliche Umsetzung und die Verbindung von nachgeahmter Original-Architektur und Neubauten. Seit ihrer Eröffnung zieht die Altstadt damit eine noch größere Anzahl von Besuchern jedes Jahr an.

Frankfurt, wie es früher einmal war

Langer Franz - Wiederaufbau Rathausturm

Der Frankfurter Rathausturm soll seinen markanten Hut zurückbekommen, einen großen, auffällig gestalteten Turmaufbau. Die ursprüngliche Turmspitze ging im Zweiten Weltkrieg verloren.

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