Juridicum-Frankfurt-Schneider+Schumacher-Kulturcampus

Juridicum Frankfurt – neue Studie zum Erhalt von schneider+schumacher

Abriss oder Umbau – was wird aus dem Juridicum auf dem neuen Kulturcampus Frankfurt?

Auf dem ehemaligen Universitätsgelände, dem Campus Bockenheim, soll das sogenannte Juridicum nach Plänen der Stadt Frankfurt und der ABG FRANKFURT HOLDING abgerissen werden, um dort den seit vielen Jahren geplanten Kulturcampus und das neue Gebäude der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) zu errichten. Für Herbst ist ein Architekturwettbewerb für die neue Hochschule und ein Ideenwettbewerb für das Zentrum der Künste geplant.

Das alte Juridicum wird voraussichtlich im Frühling 2023 auf den neuen Campus Westend umziehen und bis zum Baubeginn des Kulturcampus und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst wird noch einige Zeit vergehen. Daher schlagen mehrere Initiativen, wie das Offene Haus der Kulturen, das Stadtteilbüro Bockenheim und die AdA-Kantine ein Konzept zur Zwischennutzung vor. Die Initiativen möchten das ehemalige Gebäude des Juridicums erhalten und zwischenzeitlich für sozial geförderte Wohnungen sowie Wohnungen für Geflüchtete nutzen. Zudem könnten laut dem Konzept in dem Gebäude ein Ausstellungsraum und Projekträume sowie Ateliers für Künstlerinnen und Künstler entstehen. Auch Fridays For Future und die AdA-Kantine könnten im Juridicum ein neues Zuhause finden und auf dem Außengelände ist ein Gemeinschaftsgarten geplant.

Juridicum-Frankfurt-Kulturcampus

Das heutige Juridicum in Bockenheim.

Zwischennutzung zur Unterbringung von Flüchtlingen geplant

Der Plan, im Juridicum auf dem alten Universitätsgelände vorübergehend Flüchtlinge unterzubringen, wurde im Sommer 2022 von den Fraktionen in einem gemeinsamen Antrag gefordert und vom Sozialdezernat und der städtischen ABG unterstützt. Solange über die Zukunft des Areals noch nicht endgültig entschieden sein wird, wird eine vorübergehende Nutzung als Flüchtlingsunterkunft angestrebt und das Sozialdezernat, das Baudezernat und das Kulturdezernat arbeiten aktuell gemeinsam mit der städtische ABG an der Umsetzung. Die ABG plant, das Juridicum entsprechend umzubauen und an die Stadt zu vermieten. Eine kulturelle Zwischennutzung sieht die ABG aktuell jedoch nicht vor.

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Neue Studie des Juridicums von schneider+schumacher.

Bereits 2013 hatte sich das Architekturbüro schneider+schumacher bei dem Wettbewerb für den Kulturcampus für den Erhalt des Juridicums ausgesprochen. Im bevorstehenden Architekturwettbewerb soll diese Option angeblich untersucht werden, wie auch die Frage, ob ein Erhalt technisch möglich und energetisch sinnvoll wäre. Die ABG sieht den Abriss des Juridicum als unausweichlich an, da nur so der große Anteil an geforderten neuen Wohnungen realisierbar sei.

Bebauungsplan sieht Wohnungsbau vor

Das 1967 von Architekt Heinrich Nietschke entworfene Juridicum steht nicht unter Denkmalschutz und ist Bestandteil des Campus Bockenheim. Die Verträge für den Kulturcampus wurden bereits 2011 zwischen dem Land Hessen und der ABG geschlossen, jedoch gibt es bis heute weder den Neubau der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst noch das Zentrum der Künste. Der 2016 verabschiedete Bebauungsplan zur Umwandlung des bisherigen Bockenheimer Universitätsgeländes in einen Kulturcampus sieht den Abriss des Juridicums vor und auf dem Baufeld Labsaal/Juridicum mindestens 30 Prozent Wohnungen. Das Land und die Stadt Frankfurt planen für diesen Herbst einen Architektenwettbewerb für die Musikhochschule und einen Ideenwettbewerb für das Zentrum der Künste, wobei die Finanzierung für das Zentrum der Künste noch nicht geklärt ist.

Neue Studie beschäftigt sich mit der Möglichkeit des Erhalts und der Umnutzung

Wie man das ehemalige Juridicum zukünftig nutzen könnte, zeigt jetzt eine neu veröffentlichte Studie von schneider+schumacher, die als Weiterentwicklung des Wettbewerbsbeitrages aus dem Wettbewerb „Kulturcampus Baufeld 12“ 2013 entstanden ist. Sie sieht vor, das zwölfgeschossige Juridicum zu erhalten, umzubauen und für Wohnzwecke zu nutzen. Diese Studie belegt, dass sich das Juridicum mit seiner Betonskelettkonstruktion und den großzügigen Geschosshöhen für eine Um- und Weiternutzung eignet und nicht abgerissen werden muß. Die vorhandenen Bruttogeschossfläche (BGF) von 17.500 Quadratmeter wird zu etwa zwei Dritteln für Wohnen zu einem Drittel zu Bürofläche aufgeteilt. Der zweigeschossige ehemalige Bibliotheksanbau soll laut Astrid Wuttke, Partnerin bei schneider+schumacher erhalten bleiben und als Kantine genutzt werden. Der bisherige Lesesaal im Obergeschoss, der eine großzügige lichte Höhe aufweist, eigne sich aufgrund des relativ neu sanierten Daches für unterschiedliche kulturelle Nutzungen. Dieser Umbau des Bestandsgebäudes würde jedoch einen Tausch von Nutzungen im neuem Bebauungsplan erfordern. Die HfMDK müßte auf der Fläche in direkter Nähe zum bisherigen Standort entstehen, während im Juridicum die gedachten Flächen für Wohnen entstehen könnte. Diese Studie zum Bauen im Bestand von schneider+schumacher ist in der aktuellen Ausstellung „Nichts Neues – Besser Bauen mit Bestand“ des Deutschen Architektur Museums im Ostend zu sehen.

2 Kommentare zu “Juridicum Frankfurt – neue Studie zum Erhalt von schneider+schumacher

  1. Christopher Kerkovius kommentierte: 2 Monaten ago Reply

    Es ist doch ein ÖKOLOGISCHER WAHNSINN solch eine Bausubstanz abzureißen, zu vernichten!!! Auch wenn das Juridicum kein Glanzstück großartiger Architektur ist, ist jeder unnötige Abriss noch nutzbarere Bausubstanz EIN UMWELTVERBRECHEN!!! In diesem Falle werden ungeheuer viel Bauressourcen UND dafür bereits eingesetzte Energie(r) sinnlos verschleudert! Und wieviel erst werden für die geplanten Neubauten gleichfalls eingesetzt???
    Die Aufgabe für Architekten müsste sein, das Juridicum in das geplante Baukonzept bestmöglich zu integrieren, auch wenn sich die Architekten dann nicht voll verwirklichen können! Das sage ich selbst als Architekt ! Architekten habe eine große gesellschaftlche Verantwortung – auch für unsere höchst bedrohte Zukunft!!!

  2. Christopher Kerkovius kommentierte: 2 Monaten ago Reply

    Es ist auch schwer verständlich, dass dieses große universitäre Institutgebäude nicht ebenso für die HfMDK genutzt werden kann und sollte – auch wenn das Juridicum kein Glanzstück an Architektur ist! Aber es DÜRFEN EINFACH NICHT solch gewaltiger Ressourcen an Energie(R) und Materialressourcen sinnlos vernichtet und durch NEUEN Ressourcenverbrauch ersetzt werden!!! Das wäre ein ungeheures und völlig sinnloses und vermeidbares Umwelt- und Klimaverbrechen!

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