Über 1000 Wohnungen für Studierende könnten ab 2027 in Siemens-Türmen in Offenbach entstehen
- Posted on
- Redaktion
Die ehemaligen Siemens-Türme am Offenbacher Kaiserlei stehen seit 20 Jahren leer und die Betonskelette stehen symbolisch für den Stillstand in der Bauindustrie. Seit mehr als einem Jahr gibt es nun Überlegungen der Becken Holding aus Hamburg, aus den Gebäuden der Adler Group bis 2027 ein großes Studentenwohnheim mit mehr als 1100 Zimmern zu entwickeln. Das Projekt könnte ein Musterprojekt für nachhaltiges Bauen werden und als neues Stadtquartier mit Hotel und Wohnungen Offenbach architektonisch aufwerten.
Ob aus der Sanierung der Betonskelette und der Schaffung eines neuen Quartiers etwas wird, ist allerdings nach wie vor offen und auch der Abriss der Türme noch nicht vom Tisch. Um das Projekt zu realisieren, ist die Unterstützung der benachbarten Stadt Frankfurt wichtig. Frankfurt hat diesen Sommer das Förderprogramm für studentisches Wohnen so angepasst, dass Zuschüsse auch für Projekte außerhalb des Stadtgebiets fließen können. Außerdem wurde in der Satzung gestrichen, dass die Miete monatlich 350 Euro nicht überschreiten darf, was laut der Becken-Gruppe ein deutliches Hindernis war, um wirtschaftlich zu sein. Die zweite Frage in Bezug auf die Realisierung betrifft laut Medienberichten die Statik, die vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen geprüft wird und dessen Ergebnis noch nicht vorliegt.
Nutzungsmischung und begrünte Plätze
Initiiert wurde dieser angedachte Transformationsprozess von dem Hamburger Immobilien- und Investmentunternehmen Becken Holding GmbH. Im letzten Jahr erfolgte im Rahmen eines SCRUM-Prozesses eine Konkretisierung des Projekts, an dem insgesamt zehn Planungsbüros und Beratungsunternehmen teilgenommen haben. Unter anderem dabei sind das Frankfurter Architekturbüro Schmidt Plöcker, OFB Projektentwicklung GmbH, Drees & Sommer SE und Dörflinger Gesellschaft für Elektroplanung mbH & Co. KG. Die Becken Holding hat noch bis Ende des Jahres die Möglichkeit, die Immobilien von der Adler Group zu erwerben.
Das Architekturbüro Schmidt Plöcker hat mit Partnern ein städtebauliches Konzept für das rund 30.000 Quadratmeter große Grundstück und das Konzept für die Sanierung der Türme mit Holzmodulen erarbeitet. Rund um die Türme soll eine Nutzungsmischung mit Geschäften, Gastronomie und sozialen Einrichtungen entstehen. Geplant sind 1059 Einzel- und 69 Doppelapartments für Studierende. Außerdem soll es ein Hostel mit 374 Zimmer geben. Zudem sind Gemeinschaftsflächen, wie z.B. Waschräume, Aufenthaltsräume, Lernzimmer geplant und die Dächer sollen als Gärten, Grünflächen, Terrassen oder Sportplätze dienen.
Quartiersmanagement und Freizeitpark unter der A661
Zur Belebung des Quartiers sind in den Sockelgeschossen umfassen Einzelhandel, Gastronomie, soziale Einrichtungen, Fitnessstudio, ein medizinisches Zentrum sowie Bildungs- und Dienstleistungseinrichtungen vorgesehen. Ein eigenes Quartiersmanagement soll die Studierenden bei alltäglichen Aufgaben unterstützen, Reparaturen durchführen und gemeinschaftliche Anlagen pflegen.
Zu den umliegenden Straßen hin ist eine bis zu achtgeschossige Blockrandbebauung mit insgesamt rund 600 Wohnungen vorgesehen. Für ein Hotel soll es einen höheren Neubau geben. Begrünte öffentliche Plätze sind geplant, und auch die Dächer sollen zum einen als Sportfläche genutzt werden, aber auch den Bewohnern als private Rückzugsflächen dienen. Zudem sind zwei oberirdische Quartiersgaragen, 30 bis 40 Prozent geförderter Wohnraum, sowie Flächen für Büros, Ärzte, Restaurants und Einzelhandel geplant. Außerdem sei ein großer Sport- und Freizeitpark unter der A 661 geplant.
Laut Schmidt Plöcker belege eine Machbarkeitsstudie, dass das Stahlbetonskelett der Türme eine solide statische Grundlage bietet. Bei einem Neubau der beiden Gebäude wäre ein Einsatz von 10.000 Tonnen Stahl und 100.000 Tonnen Beton nötig, was zu erheblichen CO₂-Emissionen führen würde.
Das Sanierungskonzept sieht vor, dass vorgefertigte Holzmodule in die einzelnen Etagen geschoben werden sollen. Laut Untersuchungen sei dies kostengünstiger als eine konventionelle Bauweise. Die Module könnten in einem Werk unter standardisierten Bedingungen vorgefertigt und parallel zur Betonsanierung eingebaut werden. Damit werde Zeit gespart und auf der Baustelle werde nur wenig Personal benötigt. Innerhalb einer Woche könnten 40 Module installiert werden und für Detailplanung, Vorfertigung und Montage sind zwei Jahre veranschlagt.
Nach dem Vorbild von Schiffskabinen wurden leichte Holzmodule entwickelt, die genau zwischen die Betonstützen der Hochhäuser passen. Mit Luftkissen, die auch im Messebau eingesetzt werden, können sie auf den Etagen an die jeweilige Position geschoben werden. Die Module sind fertig vormontiert mit Nasszelle und Anschlüssen und oben offen, so dass sie den Blick auf die Betondecke frei geben.
Jörn Stobbe, Geschäftsführer von Becken, hält es für denkbar, dass Studentinnen und Studenten schon 2027 im Kaiserlei-Viertel in die als fertige Wohnungen einziehen. Laut Stobbe bestehe Baurecht, die Türme seien nach wie vor solide und die Kosten ließen sich durch eine modulare Bauweise beinahe halbieren. Die 18 Quadratmeter große Zimmer für Studierende sollen dann 400 Euro kosten.
Der Offenbacher Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) hält die Idee des Modulbaus für spannend, möchte sich aber verschiedene Optionen offenhalten. Für ihn sei es wichtig, dass die Revitalisierung der Siemens-Türme und die Entwicklung des Kaiserlei-Quartiers insgesamt voranschreite und gelinge.

























Holen Sie sich jetzt Ihre Mitgliedschaft
Werden Sie SKYLINE ATLAS Mitglied und finden Sie damit künftig Inhalte besser, die zu Ihnen passen. Damit können Sie auch Artikel unter einem Psyeudonym oder Ihrem Klarnamen kommentieren und demnächst Inhalte wie Fotos veröffentlichen.
Jetzt Mitglied werdenKommentare zu Über 1000 Wohnungen für Studierende könnten ab 2027 in Siemens-Türmen in Offenbach entstehen
Wie ist Deine Meinung zu diesem Thema?