Kulturdenkmal gegenüber der Alten Oper erstrahlt nach Sanierung: Taunusanlage 20 fertiggestellt

In der imposanten Stadtvilla gegenüber der Alten Oper befand sich viele Jahre die Kameha Suite, ein bekannter Club und Veranstaltungslocation. Jetzt wurde das Gerüst und die Baustelleneinrichtigung komplett zurückgebaut, nachdem das Kulturdenkmal seit 2022 leerstand, und damit ist der erste Teil der Sanierung abgeschlossen. Das Frankfurter Architekturbüro MOW war mit der denkmalpflegerischen und energetischen Sanierung der Gebäudehülle beauftragt.

Architektur im Stil der Neorenaissance

Die klassizistische Stadtvilla steht als Kulturdenkmal unter Denkmalschutz und zeichnet sich insbesondere durch die imposante Natursteinfassade mit mehreren Skulpturen und Ornamenten aus, aber auch durch das großzügige innenliegende Atrium mit breiter Treppenanlage und Glasüberdachung.

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Alten Oper, die von 1873 bis 1880 ebenfalls aus hellem Sandstein erbaut und bei einem Luftangriff 1944 zerstört wurde, greift die Stadtvilla den Baustil der Neorenaissance der Alten Oper auf und zeigt die imposante Bauweise des anfangenden 20. Jahrhunderts.

Herausforderungen der Sanierung des Kulturdenkmals

Zu den Hauptaufgaben des Architektenteams von MOW Architekten zählten bei dem Gebäude Taunusanlage 20 insbesondere die Instandsetzung der Naturstein- und Klinkerfassade, Rückbau und Wiedererrichtung des Holzdaches, die behutsame Sanierung des Glasdaches über dem Atrium, wie auch der Einbau hochwertiger Holzfenster samt Holzrollläden. Ziel der behutsamen Sanierung war es, das ehemalige Erscheinungsbild der Stadtvilla wiederherzustellen, berichtet die Projektleiterin Marina Todosoj von MOW Architekten. Da viele der historischen Unterlagen des Originalbaus im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, erschwerte diese Tatsache die Rekonstruktion der Fassade und des Glasdaches. Zudem sei es eine besondere Herausforderung gewesen, Handwerker zu finden, die historische Fenster und Rollläden, das Glasdach und Sandsteinarbeiten noch heute ausführen. In enger Abstimmung mit dem Denkmalamt konnten die Sanierungsarbeiten nun nach 1,5 Jahren abgeschlossen werden.

Rekonstruktion der Sandsteinfiguren und Glasdach

Da die beiden 800 kg schweren Sandsteinfiguren über dem Haupteingang sehr beschädigt waren, wurden die beiden Putti originalgetreu rekonstruiert, die teilweise noch fehlenden Ornamente ergänzt und bereits über dem Eingangstor angebracht. Die Originale der Figuren verbleiben im Originalzustand und werden später für die Ausstellung im Außenbereich vorbereitet, so der Wunsch des Denkmalamtes. Auch die Sandsteinreliefs wurden aufwendig restauriert und teilweise ersetzt, wie auch das schwarze schmiedeeiserne Hauptportal. Die 140 alten Fenster wurden durch massive Eichenholzfenster mit profiliertem Kämpfer ersetzt. Die Holzrollläden erhielten, ganz nach historischem Vorbild, handwerklich eingefräste Licht- und Luftschlitze und lassen sich in den sanierten historischen Ausstellerschienen nach außen öffnen. Zudem finden sich auf der Rückseite der Villa Einschusslöcher aus dem Zweiten Weltkrieg, die auch nach der Sanierung bewusst als Spuren der Zeit erhalten bleiben.

Taunusanlage 20 um 1932

Taunusanlage 20 links um 1964 mit Blick auf die Alte Oper

Das viergeschossige Gebäude hatte, Fotografien und den wenigen erhaltenen Unterlagen von 1900 nach, ursprünglich Walmdächer auf den einzelnen Gebäudeteilen und ein filigranes gläsernes Paralleldach über dem imposanten Atrium. Vor dem Zweiten Weltkrieg erhielt das Gebäude noch eine fünfte Etage. Das ganze Dachgeschoss brannte jedoch während des Krieges aus, so daß das bestehende Dachgeschoss in den 50er Jahren größtenteils wiedererrichtet und Teile des Glasdaches über dem Atrium ersetzt wurden. In den letzten Monaten wurde dieses gläserne Paralleldach über dem Atrium sowie der gesamte hölzerne Dachstuhl in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt saniert.

Von der prunkvollen Stadtvilla zur Eventlocation

Dieses prunkvolle Gebäude, errichtet in den Jahren 1898 bis 1900 von den Architekten Hermann Ritter und Theodor Martin, war einst der Hauptsitz der Frankfurter Versicherungsgesellschaft Providentia, die zur heutigen Allianz SE gehörte und die auch der aktuelle Bauherr ist.

Im Archiv des Stadtplanungsamtes Frankfurt sind aufgrund der Zerstörung während des Zweiten Weltkriegs Bauanträge und Baugenehmigungen erst ab circa 1945 geführt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass das Gebäude zwar als Stadtvilla erbaut wurde, größtenteils jedoch als Bürogebäude genutzt wurde. Bis circa 1912 war es der Firmensitz der Providentia Versicherung und in den 1950er Jahren der Firmensitz der Allianz Frankfurter Versicherung. Der jetzige Gebäudeeigentümer und Bauherr ist die Allianz Taunusanlage eGbR mit Sitz in Stuttgart.

Im Jahr 1950 erfolgte der Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Dachgeschosses (3.OG) und im Jahr 1961 die Erstellung einer Verbindungsbrücke zur damaligen südlichen Liegenschaft Taunusanlage 17-18. Damit wurde die Villa um einen zweiten rückwertigen Gebäudeflügel ergänzt, der sich Richtung Innenhof erstreckte.

Im Jahr 2003 wurde – als Vorbereitung des danebenliegenden Neubaus  mainbuilding – der Nordwestflügel und die südliche Verbindungsbrücke der Taunusanlage 20 zurückgebaut. 2006 entstand dann in direkter Nachbarschaft zur Taunusanlage 20 das mehrteilige Ensemble mainbuilding von gmp Architekten, eine 7-geschossige Quartierbebauung mit gestaltetem Innenhof. Ein vormals untersuchter optionaler Hochhausstandort im Innenhof des Grundstücks fand im Hochhausrahmenplan der Stadt keine Berücksichtigung mehr, nachdem ausführliche Studien durchgeführt wurden, u.a. auch eine Verschattungsstudie.

Von 2006 bis 2020 wurde die ehemalige Stadtvilla von der Kameha Suite als Eventlocation betrieben.

Sanierung des benachbarten ehemaligen Hotel Imperial-Fürstenhof – in dem sich aktuell das Chinaski befindet

Zu dem aus drei Bauwerken bestehenden Sanierungsprojekt, mit dem MOW Architekten 2021 beauftragt wurde, gehören auch das benachbarte ehemalige Hotel Imperial-Fürstenhof und das daran anschließende Gebäude im Kettenhofweg.

Das ehemalige Hotel Imperial-Fürstenhof, ein siebengeschossiges Büro- und Geschäftshaus aus dem Jahr 1890, wurde bis zur Teilzerstörung 1944 auch als Hotel betrieben. Im Zuge zahlreicher Umbaumaßnahmen und der Aufstockung zweier Geschosse wurden Teilbereiche partiell ersetzt, und das Gebäude ohne Fassadenschmuck und Balkone als Bürohaus wieder aufgebaut. MOW hat dieses Gebäude ganzheitlich energetisch saniert und unter anderem die historische Sandsteinfassade überarbeitet und das Foyer mit Windfang und Treppenhaus modernisiert. Dabei konnten historische Elemente wie die Haupttreppe, Treppengeländer und Bodenbeläge in Teilbereichen erhalten und aufgearbeitet werden und auch die Büromietflächen im 1.-5. OG wurden saniert.

MOW ist ein Frankfurter Architekturbüro, das 1956 gegründet wurde, und mit über 40 Architekten, Ingenieuren und Innenarchitekten ein breites Leistungs-Spektrum von Projekten in allen Phasen anbietet. Einer der Schwerpunkte des Büros ist das Bauen im Bestand.

Zukünftige Nutzung der Stadtvilla

Der Innenausbau der Villa hat noch nicht begonnen, da die zukünftige Nutzung der Villa Taunusanlage 20 noch untersucht wird. Der Ausbau wird sich nach den Wünschen und Anforderungen des neuen Betreiberkonzepts richten, so Marina Todosoj von MOW Architekten. Aufgrund des imposanten und  repräsentativen Foyers wäre die Villa für viele Nutzungsarten gut geeignet und könnte die geplante neue Kulturmeile, die sich entlang der Wallanlage zwischen Schauspiel und Alter Oper erstreckt, zukünftig wunderbar ergänzen.

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