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Frankfurt Rekonstruktion Dom-Römer-Viertel - Wiederaufbau Neue Altstadt Frankfurt am Main

Was ist eine Rekonstruktion?

Eine Rekonstruktion ist in Architektur und Denkmalpflege die weitgehend vorbildgerechte Wiederherstellung von zerstörten Baudenkmalen, historischen Gebäuden oder Gebäudeteilen. Die Rekonstruktion von Bauwerken ist seit Jahrhunderten gängige Praxis. Eine Rekonstruktion wird auch Wiederaufbau genannt.

Überwiegend werden baukulturell und kunsthistorisch bedeutsame Gebäude und Ensembles rekonstruiert, meist nach Kriegszerstörung, Verfall, baulicher Veränderung (etwa Entstuckung) oder Abriss. Viele rekonstruierte Bauten sind heute selbst Kulturdenkmale, einige gehören sogar zum Weltkulturerbe der UNESCO. Besonders häufig werden Rekonstruktionen in Kulturregionen vorgenommen, die durch Kriegsverluste und viele nachkriegszeitliche Abrisse von Kulturgütern geprägt sind, etwa in Polen und in Deutschland.

Bei der Wiederherstellung einzelner Gebäudeteile an einem bestehenden Gebäude, etwa einer Fassade nach einer Entstuckung, spricht man auch von Teilrekonstruktion.

In der von 1949 bis 1990 bestehenden DDR wurde der Begriff Rekonstruktion im Bauwesen oft lediglich für eine Erneuerung, Sanierung bzw. Modernisierung von Bauwerken verwendet, ohne denkmalpflegerische Absichten oder Wiederaufbaupläne. Auch im englischen Sprachraum war diese Begriffsverwendung lange üblich.

Arten der Rekonstruktion

Es gibt verschiedene Vorgehensweisen bei der Rekonstruktion, die sich im Grad der Originaltreue und in der Sensibilität zur Umsetzung unterscheiden. Der Kunsthistoriker Georg Mörsch bezeichnet in der Architektur die Rekonstruktion als eine „wissenschaftliche Methode der Quellenausbeute zur Neuherstellung untergegangener Dinge, unabhängig von der Zeit, die seither verstrichen ist“.

Originalgetreue Rekonstruktion des Bauwerks wird nach aufwendiger Quellenforschung möglichst mit denselben Materialien und denselben Methoden durchgeführt. Oft werden noch vorhandene Originalbauteile verwendet. Diese Art der Rekonstruktion findet sich vor allem bei kulturhistorisch bedeutenden Bauwerken, die dann als Anschauungsobjekt dienen und museal genutzt werden.

Nachempfundene Rekonstruktion nennt man eine Rekonstruktion, die aufgrund mangelnder Quellenlage den Anforderungen an Originaltreue nicht genügt. Typische Beispiele sind etwa, wenn von Gebäuden nur noch Fassadenpläne oder Bilddokumentation erhalten sind – der Rest der nötigen Information wird durch Vergleich mit ähnlichen zeitgenössischen Objekten so gut wie möglich „neu erfunden“.

Replikative Rekonstruktion nennt man eine Rekonstruktion, die formal aus funktionalistischen Gründen der Nachahmung (nicht: Interpretation), der Wahrung oder Herstellung eines (historisierten) Scheins dient, zumeist mit veränderter Nutzung.

Didaktische Rekonstruktion entsteht im Zusammenhang mit der Entwicklung archäologischer Grabungsstätten zu Themenparks. Dabei entstehen in den letzten Jahrzehnten immer häufiger Rekonstruktionen markanter antiker Bauwerke wie Stadtmauern, Stadttore, Tempel, Villen oder Kastelle.

Experimentelle Nachbauten sind ein Teilaspekt der Experimentellen Archäologie, bei denen mit alten Techniken und Materialien gebaut wird.

Herausforderungen bei Rekonstruktionen

Unabhängig davon, welche Art der Rekonstruktion vorgenommen wird, gibt es einige wiederkehrende Herausforderungen und Fragestellungen.

  • Die Originalbauwerke wurden oft nur unvollständig dokumentiert, also müssen die fehlenden Teile neu erdacht werden.
  • Die Baustoffe oder Bautechniken, die bei der Errichtung des Originals zur Anwendung kamen, sind kaum oder gar nicht mehr verfügbar bzw. finanziell nicht erschwinglich. Gleiches gilt für Handwerker, die die historischen Techniken und Materialien noch (oder wieder) beherrschen.
  • Das Original entspräche nicht den Raumanforderungen, die die neue Nutzung des Gebäudes stellt. Das Gebäude wird im Inneren neu strukturiert und gegliedert.
  • Das Replikat entspräche nicht den heutigen statischen Sicherheitsanforderungen, also muss man das Tragwerk verändern.
  • Das Original oder Replikat entspräche bei gleichem Innenaufbau nicht den gesetzlichen Sicherheitsbestimmungen, wie im Brandschutz oder der Fluchtwege.
  • Das Original oder Replikat entspräche nicht den heutigen gesetzlichen Anforderungen, z. B. nach Energieeinsparverordnung oder nach Barrierefreiheit.
  • Das Original entspräche bei exakter Umsetzung nicht mehr heutigen Komfortansprüchen (Klima, Elektrotechnik, Sanitärinstallationen), also wird der Originalentwurf dementsprechend angepasst.

Die gesetzlichen Herausforderungen treffen allerdings vor allem auf originale Baudenkmale zu, da diese nicht neu geplant werden können und die Umbauten im Bestand vorgenommen werden müssen. Die Denkmalschutzgesetze gewähren meist jedoch Freiheiten bezüglich der Bestimmungen, sodass ein weitgehend originalgetreuer Erhalt von Altbausubstanz ermöglicht wird.

Sinnhaftigkeit von Rekonstruktionen

Unter Architekten und Denkmalpflegern ist die Rekonstruktion von Gebäuden häufig umstritten. Es stehen sich unterschiedliche Motive und Wertvorstellungen gegenüber. Insgesamt erweist sich die Frage der Rekonstruktion am prominenten städtischen Standorten im Kontext Stadtbild als wesentlich konfliktträchtiger, als dies bei abgelegenen Bauten oder im Freiland zutrifft, etwa bei den experimentellen oder didaktischen Rekonstruktionen.

In der öffentlichen Debatte wird zumeist davon ausgegangen, dass historische oder historisierende Architektur vom Durchschnittsbürger als ansprechender empfunden wird als zeitgenössische Architektur. Der Verlust des „schönen Alten“ wird als ästhetische Minderung gesehen, historisch entstandene und schlecht geschlossene Baulücken als andauernder „Makel im Stadtbild“ erlebt.

Rekonstruktionen in Frankfurt

Zu den bekanntesten Rekonstruktionen gehört in Frankfurt das Dom-Römer-Viertel. Die Stadt hat bis 2018 zehn historische Gebäude, die bei den Luftangriffen auf Frankfurt am Main im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, auf dem Areal des ehemaligen Technischen Rathauses rekonstruieren lassen. Dazu gehören die Goldene Waage, das Rote Haus, das Haus Junger Esslinger, das Goldene Lämmchen, das Haus Alter Esslinger, das Haus Klein Nürnberg und das Haus Zum Rebstock.

Zu anderen Rekonstruktionen in Frankfurt gehören die Paulskirche, das Goethehaus sowie der Goetheturm.

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