Internationaler Hochhauspreis geht nach Brüssel: Weniger Ikone, mehr Nachhaltigkeit
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Das Hochhausprojekt ZIN in Brüssel ist mit dem Internationalen Hochhauspreis 2026/27 ausgezeichnet worden. Das von den Architekturbüros 51N4E, l’AUC und Jaspers-Eyers Architects entwickelte Gebäude setzte sich im internationalen Wettbewerb um herausragende Hochhausarchitektur durch. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 50.000 Euro sowie einer vom Künstler Thomas Demand gestalteten Statuette verbunden. Die Preisverleihung fand in der Frankfurter Paulskirche statt. Aus weltweit mehr als 1.000 errichteten Hochhäusern wurden insgesamt 30 Projekte aus zwölf Ländern für die Nominierungsliste ausgewählt. Davon kamen fünf Projekte ins Finale. Das Projekt setzt nicht auf eine spektakuläre Formensprache oder eine ikonische Silhouette, wie sie viele Hochhäuser prägen, sondern überzeugt durch seinen konzeptionellen Ansatz: den Umbau und die Weiterentwicklung eines bestehenden Gebäudes.
Entgegengenommen wurde die Auszeichnung des Finalisten für das Hochhausprojekt ZIN aus Brüssel von den beteiligten Architekten. Die Ehrung wurde im Beisein des Planungsdezernenten Marcus Gwechenberger von Kulturdezernentin Ina Hartwig, DekaBank-Vorständin Birgit Dietl-Benzin und Peter Cachola Schmal, dem Direktor des Deutschen Architekturmuseums, überreicht.
Eine Besonderheit des Projekts liegt in seinem Umgang mit dem Gebäudebestand. Anstatt die beiden ehemaligen World-Trade-Center-Türme vollständig abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen, wurden wesentliche Teile der vorhandenen Konstruktion weiterverwendet. Sowohl die Erschließungskerne als auch die Untergeschosse blieben erhalten und wurden in die neue Architektur eingebunden. Damit steht ZIN beispielhaft für einen ressourcenschonenden Ansatz, bei dem die Weiterentwicklung bestehender Gebäude gegenüber einem vollständigen Neubau in den Vordergrund rückt. Architektonisch wurden die beiden ursprünglichen Türme durch einen zusätzlichen Gebäudeteil miteinander verbunden. Das daraus entstandene Ensemble vereint heute zahlreiche unterschiedliche Funktionen. Neben Räumlichkeiten für Sportvereine und einem Hotel umfasst es auch Appartements, einen weitläufigen Dachgarten und ein Gewächshaus. Letzteres wird ebenfalls vom Hotelcafé genutzt. Darüber hinaus befindet sich die Verwaltung der flämischen Regierung inzwischen in dem Gebäudekomplex. Verschiedene Bereiche stehen auch der Öffentlichkeit offen. Über seine Funktion als vielseitig nutzbares Gebäude hinaus besitzt das Projekt eine wichtige städtebauliche Bedeutung. Es bildet einen wesentlichen Impuls für die Weiterentwicklung des Brüsseler Nordviertels. Durch die Kombination unterschiedlicher Nutzungen und die Öffnung zum öffentlichen Leben soll das Gebäude stärker mit seinem städtischen Umfeld und den Menschen vor Ort verknüpft werden.
Mit dem ZIN in Brüssel hat die Jury einen für den Internationalen Hochhaus Preis eher untypischen Sieger gekürt. Das Projekt setzt nicht auf eine spektakuläre Formensprache oder eine ikonische Silhouette, wie sie viele Hochhäuser prägen, sondern überzeugt durch seinen konzeptionellen Ansatz: den Umbau und die Weiterentwicklung eines bestehenden Gebäudes. Die Entscheidung macht deutlich, dass das Bauen im Bestand und die nachhaltige Weiternutzung vorhandener Hochhäuser zunehmend wichtiger werden als der Entwurf immer neuer architektonischer Ikonen. Gerade für Frankfurt, wo zahlreiche ältere Hochhäuser vor einem Funktionswandel stehen, könnte ZIN wertvolle Anregungen liefern.
Weitere Finalisten
Ausgewählte nominierte Projekte
Frankfurt ist beim Internationalen Hochhaus Preis 2026/27 mit zwei Nominierungen vertreten: Der 124 Meter hohe Sparda-Bank Tower (Europa-Allee-Tower) wurde für seine markante Architektur und seine städtebauliche Einbindung ins Europaviertel nominiert. Entworfen wurde das Gebäude vom Frankfurter Büro CMA Cyrus Moser Architekten. Auch das Frankfurter Architekturbüro schneider+schumacher ist unter den Nominierten vertreten – mit dem 120 Meter hohen Hetao Innovation Center im chinesischen Shenzhen, das Forschung, Büros und Aufenthaltsbereiche in einer gestaffelten Gebäudestruktur verbindet. Das Hochhausensemble FOUR Frankfurt hingegen ist nicht im Wettbewerb vertreten: Da die DekaBank, eine der Ausloberinnen des Preises ist und selbst im FOUR ihren Sitz hat, wurde das Projekt nicht berücksichtigt, um die Neutralität des Wettbewerbs zu gewährleisten.
Die Ausstellung „Best High-Rises 2026/27 – Internationaler Hochhaus Preis“ ist vom 5. November 2026 bis zum 4. April 2027 im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt zu sehen. Sie präsentiert die 30 nominierten Hochhausprojekte aus zwölf Ländern,
Über den Hochhauspreis
Der Internationale Hochhaus Preis (IHP) zählt zu den bedeutendsten internationalen Auszeichnungen im Bereich der Hochhausarchitektur. Er wird seit 2004 im zweijährigen Turnus von der Stadt Frankfurt am Main gemeinsam mit dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) und der DekaBank vergeben. Ausgezeichnet werden herausragende Hochhausprojekte aus aller Welt, die architektonische Qualität mit innovativen Lösungen und einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen verbinden.
Im Mittelpunkt der Bewertung stehen neben der gestalterischen und architektonischen Qualität insbesondere Nachhaltigkeit, Funktionalität, technische Innovation, Wirtschaftlichkeit sowie die Einbindung des Gebäudes in sein städtebauliches Umfeld. Auch die Qualität der Innenräume und die sozialen Aspekte eines Projekts fließen in die Beurteilung ein. Berücksichtigt werden Hochhäuser mit einer Mindesthöhe von 100 Metern, die innerhalb der vorangegangenen zwei Jahre fertiggestellt wurden. Über die Vergabe entscheidet eine international besetzte Fachjury aus Vertreterinnen und Vertretern der Architektur, des Ingenieurwesens und der Architekturkritik.


































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