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Über 300 Meter: Wie realistisch ist ein Supertall Skyscraper für Frankfurt?

Der Wunsch nach einem neuen Wahrzeichen für Frankfurt, einem „Millennium Tower“ ist nicht neu. Um die Jahrtausendwende herum zeigte sich die Stadtplanung Frankfurt offen für einen über 300 Meter hohen Wolkenkratzer und bestimmte als Standort hierfür das Millennium-Areal am Güterplatz. Damit folgte Frankfurt anderen internationalen Metropolen, die die Jahrtausendwende zum Anlass nahmen, ein wirkliches architektonisches Ausrufezeichen zu setzen. Für Frankfurt sollte ein echtes Prestigeprojekt entstehen, ein Hochhaus das alle anderen in der Stadt überragt und von allen Seiten sichtbar ist. So wurden Ende der 1990er Jahre verschiedene architektonische Entwürfe für einen Millennium Tower beim Planungsdezernat eingereicht. Darunter auch ein interessantes Turmprojekt des Architekturbüros Albert Speer und Partner, den T 365 mit einer ursprünglichen Höhe von 369 Metern und insgesammt 97 Etagen. Das Hochhaus sollte Platz für ca. 200.000 Quadratmeter Nutzfläche bieten und die Form des Wolkenkratzers ähnelte einem überdimensionalen schlanken Oval.

Im Jahre 2001 bekam der Millennium Tower dann Baurecht mit dem Bebauungsplan Nr. 556 „Messeviertel / Hemmerichsweg“. Es ist tatsächlich der einzige Standort in Frankfurt, an dem ein 365 Meter hohes Hochhaus erlaubt ist. Doch obwohl zwischenzeitlich sogar Donald Trump Interesse an dem Grundstück gefunden und das höchste Wohnhochhaus der Welt geplant hatte, ist es nie zur Umsetzung gekommen… Woran liegt es also, dass sich Frankfurt so schwer mit einem Hochhaus über 300 Meter tut?

Millennium Areal Frankfurt - Platz 1 - Dezember 2021

Das Modell von Ferdinand Heide Architekten

hochhaus - 365 - meter - frankfurt - millenniem - tower

Der Entwurf von Albert Speer und Partner

"Das Rennen findet außerhalb von Europa statt"

Der SKYLINE ATLAS ist dem Thema nachgegangen und hat dabei mit verschiedenen Akteuren rund um die Frankfurter Stadtentwicklung gesprochen. So hält Christoph Packhieser (Stadtplanungsamt – verantwortlich für die Fortschreibung des Hochhausrahmeplans) den Bau von Höhenrekorden beispielsweise nicht für sinnvoll. „Dieses Rennen wird ohnehin außerhalb Deutschlands bzw. sogar außerhalb des europäischen Raums ausgetragen“, so seine Meinung. Für ihn stellen Gebäude wie der Burj Khalifa in Dubai reine Prestigeobjekte dar, die sich einer rationalen Betrachtung entziehen würden und zudem unwirtschaftlich seien. Diese Argumentation ist nicht neu. Laut José Martinez, Geschäftsführer bei Groß & Partner, hätte es bisher nicht den Bedarf für ein Hochhaus mit 100.000 Quadratmeter Fläche in Frankfurt gegeben. Auch wenn die Mainmetropole das unangefochtene Finanzzentrum der Republik darstelle, seien die Wirtschaftscluster in Deutschland im internationalen Vergleich dezentral aufgestellt, so seine Einschätzung. Hochhausarchitekt Jürgen Engel hält den Bau von mehreren kleineren Türmen ohnehin für einfacher als die Realisierung eines 300-Meter Turms.  Für die Vermarktung und Nutzungsoptimierung hätte das eindeutige Vorteile, so seine Einschätzung. Außerdem führt er an, dass in Deutschland, anders als im angelsächsischen Raum, die Abstandsflächenproblematik den Bau von Supertall Skyscrapern zusätzlich erschwere.

Seit Ende 2021 gibt es nun einen konkreten architektonischen Entwurf für die Bebauung am Millennium Areal. Allerdings nicht wie ursprünglich mit einem 365 Meter hohen Wolkenkratzer, sondern mit zwei deutlich niedrigeren Hochhäusern. Der höhere der beiden Türme soll immerhin mit 288 Metern Deutschlands neues höchstes Hochhaus werden. Es wird deutlich, dass der Bedarf nach modernen Büroflächen zwar da ist, dieser aber auch mit niedrigeren Hochhäusern bedient werden kann. Ein Supertall Skyscaper mit einer Höhe über 300 Metern stünde laut Martinez nicht im Verhältnis zum technischen Aufwand eines solchen Gebäudes.

Frankfurt bleibt Deutschlands Hochhausmetropole

Dass Wolkenkratzer jenseits der 300 Meter Marke eher einem Wettbewerbsgedanken statt einer rationalen Planung folgen würden, sieht auch Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums, so. Hier ginge es vor allem um die Deutungshoheit und symbolische Strahlkraft der größten Wirtschaftszentren weltweit. New York City, Chicago oder Sydney stünden symbolisch für den Westen, Singapur, Seoul oder Kuala Lumpur für Südostasien sowie Peking, Shanghai und Shenzen für das aufstrebende China. Auch der arabische Raum mit Dubai oder Saudi Arabien beteilige sich inzwischen an dem Wettbewerb um Höhenrekorde. Frankfurt sei in diesem Vergleich die mit Abstand kleinste Metropole, hätte mit seiner Skyline aber innerhalb von Deutschland und Europa inzwischen eine besondere Stellung eingenommen, so Cachola Schmal. Entscheidend sei für diese Entwicklung, dass die Frankfurter der Hochhausentwicklung seit dem Messeturm von Helmut Jahn positiv gegenüber stehen würden. Für Cachola Schmal grenze sich Frankfurt somit deutlich von anderen deutschen Metropolen wie Berlin oder München ab. „Das werden diese Städte auch nicht so schnell aufholen können“, so seine Einschätzung.

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