Was wird aus dem Juridicum?
- Posted on
- Redaktion
Das markante Gebäude der juristischen Fakultät, das in den 1970er-Jahren errichtet wurde, steht leer und bildet mit seinen rund 19.000 Quadratmetern Nutzfläche und der zentralen Lage an der Senckenberganlage ein zentrales Element im städtebaulichen Konzept des geplanten Kulturcampus. Obwohl es nicht unter Denkmalschutz steht, besitzt das Gebäude durch seine Betonskelettbauweise grundsätzlich gute Voraussetzungen für einen Umbau bzw. eine Neutzung. Im Mittelpunkt der aktuellen Diskussion steht die Frage, ob das Juridicum erhalten und saniert oder abgerissen und neu gebaut werden soll. Verschiedene städtebauliche, ökologische, politische und wirtschaftliche Aspekte werden dabei gegeneinander abgewogen.
Für eine Sanierung spricht, dass ein Erhalt des Gebäudes ökologischer ist. Beim Abriss ginge eine große Menge sogenannter grauer Energie verloren – also jener Energie, die bereits in den Bau eingeflossen ist. Gerade im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz sei ein Weiterbauen deutlich sinnvoller. Zudem liegen bereits konkrete Ideen für eine zukünftige Nutzung vor: Künstlerateliers, sozial geförderter Wohnraum, Gruppenräume für Initiativen, ein städtisches Klimazentrum und sogar eine Kantine könnten unter einem Dach vereint werden. Architekturbüros wie schneider+schumacher haben überzeugende Entwürfe für Umnutzungen vorgelegt, die unter anderem Wohngemeinschaftsstrukturen, Wintergärten und Balkone auf dem bestehenden Rohbau vorsehen.
Dem gegenüber steht jedoch ein Gutachten, das im Auftrag des Landes Hessen erstellt wurde. Es kommt zu dem Schluss, dass der Abriss und anschließende Neubau im Endeffekt sowohl ökonomisch als auch ökologisch die bessere Lösung darstellt. Die Bilanz fällt deshalb zugunsten des Neubaus aus, weil dieser über eine deutlich effizientere Gebäudetechnik verfügen könnte und langfristig niedrigere Betriebskosten verursachen würde. Hinzu kommen erhebliche Mängel am Bestandsgebäude: Die Tiefgarage ist marode, die Haustechnik veraltet, und die Grundwasserproblematik – täglich müssen 50 Liter pro Sekunde abgepumpt werden – ist aufwändig zu lösen. Die Stadt Frankfurt spricht sich tendenziell für den Erhalt des Juridicums aus. Unterstützt werden sie dabei von Planungsdezernent Marcus Gwechenberger und Oberbürgermeister Mike Josef, die ein vielfältiges, sozial durchmischtes Nutzungskonzept befürworten. Die Opposition kritisiert hingegen, dass durch den Erhalt des Gebäudes der Platz für die dringend benötigte neue Hochschule für Musik und Darstellende Kunst verloren ginge. Diese ist zentraler Bestandteil des Kulturcampus-Konzepts und benötigt zusammenhängende Flächen. Eine öffentliche Informationsveranstaltung in Bockenheim ist angekündigt, um die Debatte zu versachlichen und neue Beteiligungsformate zu ermöglichen.
























Holen Sie sich jetzt Ihre Mitgliedschaft
Werden Sie SKYLINE ATLAS Mitglied und finden Sie damit künftig Inhalte besser, die zu Ihnen passen. Damit können Sie auch Artikel unter einem Psyeudonym oder Ihrem Klarnamen kommentieren und demnächst Inhalte wie Fotos veröffentlichen.
Jetzt Mitglied werdenWie ist Deine Meinung zu diesem Thema?