Lyoner Quartier Frankfurt - SINN - Bürostadt Niederrad - Lyoner Viertel - Skyline mit Hochhäusern

Lyoner Quartier

Das Lyoner Quartier ist ein 144 Hektar großes Entwicklungsgebiet in der Nähe von Frankfurter Kreuz und dem Flughafen Frankfurt. In den letzten Jahren hat sich das Lyoner Quartier zu einem attraktiven Mischgebiet entwickelt, bei dem die bestehenden Bürogebäude durch Dutzende Wohnimmobilien ergänzt wurden. Bis zum Jahr 2006 war das Lyoner Quartier jedoch ein reiner Bürostandort und als Bürostadt Niederrad bekannt. 

Die Umwandlung hin zu einem Mischgebiet wurde ab dem Jahr 2006 angetrieben. Ausschlaggebend hierfür war die abnehmende Nachfrage nach Büroflächen in der Bürostadt Niederrad, die große Nachfrage nach Wohnraum in Frankfurt sowie die Knappheit an Bauflächen in der Region. Im Juni 2017 wurde die Bürostadt Niederrad schließlich in Lyoner Quartier umgenannt und verliert dadurch jedes Jahr weiter an ihrer Monofunktionalität.

Geprägt ist das Lyoner Quartier heute durch viele städtebauliche Hochbauten bis zu 25 Geschosse, die durch ihre Kompaktheit dem Lyoner Viertel eine eigene Silhouette verleihen. Die Skyline vom Lyoner Viertel besteht aus mehr als 20 Hochhäusern. Zu den prägnantesten Bauten im Entwicklungsgsgebiet gehören der Access Tower, die Olivetti-Türme sowie das Herriott’s. In den letzten Jahren wurden einige ehemalige Bürotürme zu Wohnzwecken umgewidmet, wie

  • Lyoner Straße 10 – 19 Geschosse – 2010,
  • Ly30 (Lyoner Straße 30) – 13 Geschosse – 2006 und der
  • Ruby Tower (Lyoner Straße 40) – 19 Geschosse – 2020.

Weitere Wohngebäude entstehen derzeit insbesondere an der Hahnstraße sowie der Lyoner Straße. Die Lyoner Straße ist Hauptstraße im Lyoner Viertel und schlängelt sich durch das gesamte Stadtviertel. An der Lyoner Straße sollen in den kommenden Jahren gleich eine Reihe an Projekten realisiert werden, wie die Blue Towers, die Lyoner Straße 11 sowie die Lyoner Straße 24.

Es gibt bei Phorio eine Übersicht der Immobilien im Lyoner Quartier.

Probleme durch Monofunktionalität

Die ehemalige Bürostadt Niederrad leidete aufgrund ihrer in den 1960er Jahren bewusst gewollten Monostruktur unter Problemen in der Nachfrage. Das Konzept der „Bürostadt im Grünen“ wurde zur Bürostadt mit Grün, aber ohne Vernetzung mit öffentlichen Grünverbindungen. Fehlende Wohnbauten, kaum Einkaufsmöglichkeiten oder zu wenig Gastronomie ließen die Bürostadt jahrelang abends nahezu aussterben.

Ebenso änderte der Bau der durch die Bahnlinie abgetrennten Hochhaussiedlung Im Mainfeld in den 1970er Jahren daran nichts. Auch die Verkehrserschließung galt lange Zeit als unzureichend. Maßnahmen dagegen waren die Einrichtung der zusätzlichen Buslinien 79 in den 1980ern und 78 in den 2000ern sowie die Schaffung einer weiteren Autobahnausfahrt auf die Autobahn 5 im Juli 2013.

Eurohaus Frankfurt im Lyoner Viertel - Büros Bürostadt Niederrad - Buerflaechen Niederrad
Bürostadt Frankfurt Niederrad - Skyline Lyoner Viertel von der A5 Autobahn aus gesehen - Skyline mit Hochhäusern
Arabella Büro Center Frankfurt (1975)

Eine weitere Herausforderung für die Quartiersentwicklung, ist die Planung neuer konkurrierender Büroflächen in der City West, im Europaviertel und im Gewerbegebiet Gateway Gardens. Als mögliche Folge bestand in der Bürostadt Niederrad bereits 2006 ein Büroleerstand von etwa 30 %, weswegen das Stadtplanungsamt auf den noch vorhandenen wenigen Restflächen die Ansiedlung von Wohnungen erwog.

Der Büroleerstand hat sich durch die Umwandlung von ehemaligen Bürobauten in Wohngebäute von zweistelligen Werten auf unter 8 % reduziert. Der Gedanke, in die Jahre gekommene Bürogebäude für eine Wohnnutzung umzubauen, wurde und wird an mehreren Stellen von Projektentwicklern umgesetzt.

Entwicklung der Bürostadt Niederrad

In den 1950er Jahren war der östliche Teil der Siedlung Goldstein noch nahezu unbebaut. 1962 beschloss die Stadt Frankfurt, das Gelände mit einer Fläche von zunächst knapp 80 Hektar als Gewerbegebiet auszuweisen.

Das für die Planungszeit fortschrittlich erachtete Konzept war eine „Bürostadt im Grünen“, d. h. eine relativ aufgelockerte Hochhausbauweise mit größeren Umgebungsflächen sollte ein parkartiges Ambiente sicherstellen. Auch die Nähe zum Flughafen und der Abstand zur verkehrsbelasteten Innenstadt sollten den Standort attraktiv machen und gleichzeitig ein Entlastungszentrum darstellen.

Zahlreiche Architekten, unter anderen auch Egon Eiermann, der die auf trichterartigen Betonpfeilern erhobenen Hochhaustürme der Firma Olivetti (1968–1972) erdachte, schufen dort in den 1960er und 1970er Jahren eine Bürostadt, in die täglich etwa 25.000 Pendler kommen. 1975 wurde als Bauvorleistung der D-Strecke der U-Bahn Frankfurt die Straßenbahnstrecke nach Schwanheim durch die Bürostadt verlegt und 1977 konnte der aus Alt-Niederrad verlegte und neu errichtete Bahnhof Frankfurt-Niederrad in unmittelbarer Nähe zur Bürostadt eröffnet werden. Gleichzeitig verlegte man die Straßenbahnlinie nach Schwanheim etwas nördlicher in die Bürostadt.

Ab 1990 und um die Jahrtausendwende wurde das Areal um weitere Bürobauten und ergänzende Hotels auf eine Gesamtnutzfläche von fast 1.000.000 Quadratmetern verdichtet. Ältere Bauten der 1960er Jahre wurden z. T. abgerissen und durch volltaugliche Häuser ersetzt. Es war vorgesehen, im Gesamtgebiet bis zu 30.000 Büroarbeitsplätze unterzubringen.

Ollivetti-Türme von Egon Eiermann in Frankfurt-Niederrad - Eiermann-Türme Bürostadt - Lyoner Viertel Hochhäuser von OLDUS
Straßenbahn-Gleise im Lyoner Quartier Frankfurt - überall entstehen rings herum neue Wohngebäude

Bürostadt Niederrad wird zum Lyoner Quartier

Nach Erstellung eines Rahmenkonzepts eines Frankfurter Architektur- und Planungsbüros in Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt im Jahre 2008, in der die „Transformation eines monofunktionalen Bürogebietes“ unter dem neuen Namen „Lyoner Viertel“ vorgeschlagen wird, wurden von der Stadtverordnetenversammlung Frankfurt am Main 2012 zwei Bebauungspläne aufgestellt: Sie umfassen 100 Hektar Kernzone der Bürostadt; vorgesehen sind bis zu 4000 Wohnungen für bis zu 8000 Einwohner. Auf drei Wegen soll das Ziel erreicht werden: Umbau bestehender Häuser, weitere Nachverdichtung auf den z. T. noch großzügigen Zwischenflächen, Abräumung einer Kleingartenanlage sowie Abriss leerstehender Bürogebäude und Neubau von Wohngebäuden, begleitet von Geländeumgestaltungen wie Spielplätze, kleine Parks, durchgehende Grünstreifen und Radwege.

Wohnhochhaus von Stefan Forster Architekten: Lyoner Straße 19 Frankfurt - Ebenfalls neu errichtet: Das Wohnhochhaus Ly30 (Lyoner Straße 30) rechts im Bild angeschnitten
Neue Wohngebäude entstehen im Lyoner Quartier Frankfurt - Wohnungen zu mieten

Als erstes Gebäude wurde das seit Jahren leerstehende 15-stöckige Hochhaus Lyoner Straße 19 in ein vom Frankfurter Architekten Stefan Forster entworfenen Wohnhaus umgebaut. Für 15,4 Millionen Euro wurde das Bürohaus entkernt, um zwei Stockwerke erhöht, mit einem modernen Sockel umgeben und mit 98 teilmöblierten Wohnungen und einem Gewerbebetrieb gefüllt. Der Umbau wurde Mitte 2010 beendet und danach die ersten Wohnungen vermietet. Im Dezember 2014 sind 196 bezugsfertige Wohnungen im Energieeffizienzhaus Green Six in der Hahnstraße 72 hinzugekommen. Weitere 1.208 Wohnungen wurden bis 2019 im Viertel fertiggestellt.

Zusätzlich zu den rund 4.000 Wohnungen beinhalten die Bauprojekte heute auch Kindertagesstätten, Supermärkte und eine deutliche Stärkung der Nahversorgung sowie ein siedlungsgerechtes Grünflächenangebot. Auf diese Weise soll die nötige Infrastruktur für ein lebendiges Wohnviertel geschaffen werden. Der zunehmende Bau von Eigentumswohnungen bis zu 115 Quadratmeter („familiengerechte Wohnungen“) und Wohnraum für Studenten soll den Anteil von teilgenutzten Kleinwohnungen für Wochenendpendler senken.

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