Frankfurt am Main - Architektur und moderne Gebäude - Immobilien und Bürotürme - Stockfoto

Stellungnahme zum Hochhausrahmenplan 2021

Experten sehen die Hochhausrahmenpläne als zweischneidiges Schwert: die Idee einer Hochhauslenkung ist grundlegend begrüßenswert, um beispielsweise bestimmte Wohnviertel zu schützen, doch die Implementierung ist bisher nicht stringent. Problematisch ist, dass bestimmte Standorte für Jahrzehnte zementiert werden und an den Anforderungen vorbeigehen können.

In den letzten 10 Jahren entstanden in Frankfurt viele einfallslose Betonkästen, ob nun ein Architekturwettbewerb durchgeführt wurde oder eben nicht. Die Stadtsilhouette braucht mehr Glanzlichter, also Architektur wie die der 1990er Jahre: MesseTurm, Westend 1 und Commerzbank Tower haben das Image von Frankfurt nachhaltig positiv beeinflusst. Die Stadt wäre demnach bei Hochhausrahmenplänen gut beraten, nicht wie bisher die Anzahl der Hochhäuser zu beschränken, sondern stattdessen die häufig bemängelte Qualität der Architektur und den Nutzen für die Allgemeinheit in den Vordergrund zu stellen. So könnte die Stadt auch Auflagen machen, dass bestimmte Bereiche für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, damit Stadtraum vermehrt für die Allgemeinheit auch vertikal zugänglich wird.

Hochhäuser sieht man von allen Himmelsrichtungen, egal ob von nah oder fern. Menschen haben eine ästhetische, lebenswerte Stadt verdient und wollen nicht auf wiederkehrende Betonklötze schauen, sondern einen modernen Stadtraum erleben. Daher sollte die Idee hinter dem Hochhausrahmenplan lauten: je innovativer die Architektur und je größer der Nutzen für die Allgemeinheit, desto exponierter können auch die Lage und Höhe von einem Hochhaus sein.

Der Planungsdezernent Mike Josef will mit dem Hochhausentwicklungsplan unter anderem Spekulation unterbinden und günstigen Wohnraum schaffen. Das ist ein hehres Ziel.

Josef will nun offenbar den Bau von Wohntürmen mit gehobenen Wohnungen einschränken, obwohl diese sich nicht einmal an die selbe Immobilien-Kundschaft richtet wie eine günstige oder gar geförderte Wohnung. Bei den Automobilen ist der Fall ja ähnlich: Auch ein Porsche konkurriert nicht mit einem Skoda um die selben Kunden. Insofern ist eine Limitierung vom Markt mindestens fragwürdig.

Was FrankfurtRheinMain braucht beim Thema bezahltes Wohnen sind größere Konzepte, vielleicht in Form von gemeinschaftlicher Organisation. Doch warum soll Mike Josef ausgerechnet in Frankfurt das gelingen, woran auch London gescheitert ist?

Es helfen keine Lippenbekenntnisse und Kirchturmdenken, sondern es braucht eine neue Art der parteiübergreifenden Politik. Wir brauchen nicht hier und da ein neues Wohnquartier, sondern Frankfurt muss seinem inoffiziellen Metropolenauftrag endlich gerecht werden. Dazu zählt auch, dass das Land Hessen und die Bundesrepublik Deutschland diese Metropolenfunktion viel stärker finanziell unterstützen als in der Vergangenheit.

Insofern wird spannend sein, in welche Richtung sich der Hochhausentwicklungsplan 2021 orientieren wird.

Eine Meinung von Michael Wutzke.

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