Siemens Gebäudeautomation - Marco Verardi Interview - Siemens Infrastructure - Siemens Smart Infrastructure - TaunusTurm - Brandmeldeklappe

Smart Buildings: Wie Digitalisierung die Zukunft bestimmen wird

Marco Verardi von Siemens über die Zukunft der Immobilienbranche

Marco Verardi und seine Kollegen bei Siemens entwickeln im Bereich der Gebäudeautomation Lösungen für größere Immobilienprojekte mit dem Ziel, Gebäude möglichst nachhaltig, kostengünstig und zukunftssicher zu betreiben. In seiner Funktion als Leiter im Vertrieb der Gebäudeautomation obliegt ihm und seinen Kollegen die Betreuung von Projektentwicklern, Bauherren und Planern im Ballungsraum Rhein-Main.

Das Thema Gebäudeautomation ist zu einem wichtigen Bestandteil im Betrieb von Immobilien geworden, denn rund 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in der EU entfallen mittlerweile auf den Gebäudebereich. Mit den Lösungen von Siemens Gebäudeautomation lassen sich über den gesamten Lebenszyklus der Immobilie signifikante Einsparungen erzielen.

Grund genug, mit dem gelernten Energiebetriebstechniker Marco Verardi über dieses Thema in Bezug zu Bestandsimmobilien und Neubauprojekten zu sprechen. Herr Verardi verrät, was seine Kunden über den technischen Wandel denken und wieso das Unternehmen Siemens auch heute noch ein Innovationsführer bei Smart Buildings ist.

SKYLINE ATLAS: Guten Tag Herr Verardi. Zugegebenermaßen war uns nicht vollkommen klar, wie wichtig und umfassend das Thema ist, über das wir uns jetzt unterhalten. Denn: Der Themenbereich Gebäudeautomation ist in der Regel nicht sichtbar für die Gebäudenutzer. Was wird denn überhaupt automatisiert?

Marco Verardi: Grob gesagt lässt sich in einem Gebäude alles automatisieren was sich bewegen kann oder bewegen lässt. Die Gebäudeautomation sorgt primär für die Automatisierung des Gebäudeklimas – also Frischluft, Abluft, Wärme, Kälte, sowie sekundärseitig für die Automatisierung der einzelnen Räume oder Flächen, um die klimatischen Verhältnisse auf den Nutzer abzustimmen. Dazu gehört auch die Steuerung der Beleuchtung und Schutz gegenüber Sonneneinstrahlungen. Zusätzlich kann die Gebäudeautomation auch Aufgaben des Energiemonitorings und der Energieoptimierung übernehmen, sowie als Leitstelle für Meldungen aus sicherheitsrelevanten Anlagen dienen.

Marco Verardi - Siemens AG Smart Infrastructure in Frankfurt am Main

Marco Verardi in der Siemens-Niederlassung Frankfurt

Siemens Raumbedienung - Siemens Gebäudetechnik - Immobilien steuern

SKYLINE ATLAS: Sie arbeiten mit Hunderten Kollegen bei Siemens an vorderster Front der technologischen Revolution, die gerade im Immobilienbereich passiert. Erklären Sie doch bitte unseren Lesern, warum Siemens ein Marktführer in diesem Bereich ist.

Marco Verardi: Siemens ist seit über 170 Jahren in Forschung und Entwicklung erfolgreich. Elektrifizieren, Automatisieren und Digitalisieren sind unsere Leitlinien. Die erfolgreiche Historie begleitet uns bis in die Gegenwart, was dazu führt das Siemens Produkte langlebig sind und die Möglichkeit bieten über ihren Lebenszyklus modernisiert zu werden. Wir sprechen dabei von Migrationen, die es unseren Kunden ermöglichen ihre Anlagen sanft, aber stetig auf dem aktuellen Stand der Technik zu halten. Selbst modernste cloudbasierte Anwendungen sind in der Regel mit unseren Bestandsanlagen umsetzbar.

SKYLINE ATLAS: Kommen wir einmal auf Gebäudeautomation in Frankfurt zu sprechen. Was sind die großen Herausforderungen bei bestehenden Hochhäusern?

Marco Verardi: Die meisten Hochhäuser, und das sind dann eben nicht nur die Bestandsgebäude, werden von zahlreichen unterschiedlichen Nutzern angemietet. Ich kenne kaum noch ein Hochhaus, bei dem es sich um eine Einzelnutzung handelt. Das hat zur Folge, dass die vielen unterschiedlichen Nutzer ganz viele unterschiedliche, individuelle Anforderungen an Ihre Büroflächen stellen. Dabei kommen Unternehmensvorgaben in Sachen IT-Security, Energiebilanzen und architektonischem Flächenkonzept zum Tragen. So kann beispielsweise im selben Hochhaus ein Nutzer eine einfache Anforderung an die Automation stellen, also nur die Steuerung des Klimas – während eine Etage oben drüber ein Nutzer die Vollausstattung inkl. Navigationsmöglichkeiten und Schreibtischbuchungen über das Smartphone wünscht. Diese Flexibilität muss die Gebäudeautomation zur Verfügung stellen.

Frankfurt Foto der Skyline - Skyline Foto kostenlos - Wolkenkratzer Foto Frankfurt am Main - Download Stockfoto FFM - Foto Nr. 608-236-698

SKYLINE ATLAS: Wie können wir also die Herausforderungen im Betrieb bestehender Gebäude meistern?

Marco Verardi: Die aktuelle Lage der Corona-Pandemie hat uns gezeigt, dass Gebäude grundsätzlich flexibler werden müssen. Eine Umwidmung der Büroflächen sollte ohne große Änderungen an der Gebäudesubstanz funktionieren. Entsprechend ist es nun unsere Aufgabe Immobilienbesitzer davon zu überzeugen, dass eine Modernisierung der Gebäudeautomation zukunftsweisend ist und die Investitionen langfristig absichert. Sei es durch Energieeinsparungen durch einen optimalen Anlagenbetrieb sowie die Erhaltung bzw. Steigerung der Attraktivität der Immobilie auf dem Immobilienmarkt.

SKYLINE ATLAS: Die Energieversorgungssysteme verändern sich radikal. Dieser Wandel wird angetrieben durch Digitalisierung, Dezentralisierung und einen globalen Trend zur Dekarbonisierung, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Man liest in diesem Zusammenhang immer wieder von sogenannten Smart Buildings. Was ist ein Smart Building?

Marco Verardi: Ein Smart Building hat die Eigenschaft im ständigen Austausch von Informationen zu stehen, welche wiederum durch Algorithmen einen optimierten Gebäudebetrieb sicherstellen. Ein intelligentes Gebäude sammelt Informationen zu klimatischen und nutzerabhängigen Zuständen und übermittelt diese an ein Expertenteam was ständig Optimierungen vornimmt. So lässt sich beispielsweise erkennen, wo unnötigerweise nachts Energie verbraucht wird und mit welcher Regelstrategie dies verhindert werden kann. Immer öfter kommen bereits selbst lernende Verfahren zum Einsatz, die diese Optimierungen und Einstellungen automatisch vornehmen. Wir nennen das Performance Services. Ein Smart Building ist also nicht nur ein Gebäude, das sich durch ein Smartphone bedienen lässt, wobei das ebenfalls funktioniert.

Marco Verardi - Siemens Frankfurt - Gebäudetechnik Consulant - Smart Buildings Frankfurt

SKYLINE ATLAS: Welche Rolle spielen Smart Buildings bei der Energiewende und wie hängen Smart Buildings und Gebäudeautomation zusammen?

Marco Verardi: Energie ist ein kostbares Gut. Entsprechend müssen Gebäude in einen energieoptimalen Zustand gebracht werden. Das funktioniert nur, wenn alle Parameter eines Gebäudes lückenlos überwacht werden. Werden festgelegte Grenzwerte überschritten, greift ein Automatismus, um die Anlagen wieder in den optimalen Zustand zurück zu bringen. Entsprechend sorgen intelligent automatisierte Gebäude für eine deutliche Reduzierung des CO2-Ausstoßes und sind damit mit Treiber für eine erfolgreiche Energiewende. Ideal ist natürlich, wenn das Gebäude noch mit selbst produziertem Strom oder selbst produzierter Wärme gespeist wird.

Siemens Remote Services und Data Analytics
Simatic S7-1500 von Siemens
Brandschutz im Hochhaus - Siemens Smart Infrastructure - Brandschutzklappe in der Simulation

SKYLINE ATLAS: Beim Thema Nachhaltigkeit und Immobilien landet man früher oder später auch bei den Zertifizierungssystemen wie LEED, DGNB und BREEAM ein. Diese Siegel sollen helfen, Gebäude möglichst transparent zu klassifizieren. Wie wichtig sind diese?

Marco Verardi: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese Siegel erst in den letzten zwei bis drei Jahren auf dem Markt richtig wahrgenommen werden und als ein Gütesiegel für die Qualität eines Gebäudes stehen. Ich bin überzeugt, dass die Vermietung und Vermarktung von Gebäuden ohne Gütesiegel in naher Zukunft immer schwieriger werden.

SKYLINE ATLAS: Welches Gebäude ist ein gutes Beispiel, bei dem neueste Standards in Bezug zu den Themen Smart Building und Gebäudeautomation bedient werden?

Marco Verardi: Da fällt mir das LEO der ING Bank in der Nähe des Messegeländes, sowie der TaunusTurm und das Maintor-Areal ein. Hier arbeiten hoch effektive Automatisierungslösungen, stellen ganz unterschiedliche Nutzeranforderungen zufrieden und die Optimierung der Energieeffizienz wird durch unseren Siemens Navigator in Verbindung mit unseren Performance Services sichergestellt. In Kürze wird bei einem Gebäude auch noch eine Anwendung eines Drittanbieters integriert, welche die Umgebungseinflüsse mitberücksichtigt. Auch das bedeutet Flexibilität in der Gebäudeautomation, denn kein Unternehmen ist in der Lage sämtliche Anforderungen ausschließlich mit eigens entwickelten Lösungen umzusetzen.

Marco Verardi Frankfurt - Siemens Frankfurt - Siemens Infrastructure - Siemens Smart Infrastructure - Vertriebsleiter Gebäudeautomation Frankfurt am Main

SKYLINE ATLAS: Was überrascht Sie im Gespräch mit Gebäude-Eigentümern eigentlich am meisten?

Marco Verardi: Momentan stoße ich regelmäßig auf zwei unterschiedliche Haltungen im Bezug auf Gebäude. Es gibt zahlreiche Unternehmen und Gebäudeeigentümer, denen die Digitalisierung des Gebäudes nicht schnell genug geht. Dabei wird oftmals die Infrastruktur, gerade in Sachen der Datenkommunikation, vergessen. Das andere Extrem ist, dass zahlreiche Gebäudeeigentümer nach wie vor überzeugt sind, dass auch Ihre Bestandsimmobilie ohne Investitionen in den nächsten Jahren noch attraktiv ist. Beim Blick auf die laufenden und kommenden Neubauprojekte in Frankfurt sind aus meiner Sicht zumindest Zweifel zu deren Haltung angebracht.

SKYLINE ATLAS: Immobilien sollen flexibler werden was Flächennutzung, den Betrieb oder die technische Integration mit Drittsystemen angeht. Wie werden Gebäude möglichst flexibel und wie kann Siemens Gebäudeautomation dies ermöglichen?

Marco Verardi: Die Infrastruktur im Gebäude muss passen. Das bedeutet, dass der Aufwand für die Versorgung mit Datenkabeln, Switchen und Servern zunehmen wird. Wir operieren oftmals bereits an der Leistungsgrenze der vorhandenen IT-Systeme in Gebäuden. Ebenfalls muss es unkompliziert möglich sein, einen Datenaustausch zwischen dem Gebäude und Cloudservern aufzubauen. Hier sind aktuell oftmals noch rechtliche bzw. betriebliche Hürden abzubauen. Siemens ist bereits heute in der Lage lokale, wie cloudbasierte Gebäudeautomationssysteme aufzubauen und Lösungen von Drittsystemen zu integrieren. Unsere laufenden Entwicklungen fokussieren sich auf die Punkte IT-Sicherheit und Integrationsfähigkeit, ohne die gewohnte Leistungsfähigkeit von Siemens-Produkten einzuschränken.

Cloud Server im Gebäude - CAT.6 Kabel

SKYLINE ATLAS: Wie wir gerade gesehen haben ist das Thema Gebäudeautomation ein riesiges Themenfeld. Was lieben Sie an ihrer Arbeit am meisten?

Marco Verardi: Das jedes Gebäude und die mit dem Kunden entwickelte Lösung immer individuell ist. Die baulichen Gegebenheiten, die nutzerspezifischen Anforderungen und nicht zuletzt das Budget machen aus jedem Gebäude ein Einzelstück. Das macht die Aufgabe so abwechslungsreich und spannend.

SKYLINE ATLAS: Lassen Sie uns doch einen Blick in die Zukunft werfen. Was sind die Herausforderungen bei der Vernetzung von Gebäuden und Systemen?

Marco Verardi: In Frankfurt haben wir bereits eine schnelle und stabile Anbindung an die Gebäude. Im Ballungsraum RheinMain, also dort wo gerade riesige Gewerbegebiete entstehen, ist das nicht immer der Fall. Wir müssen uns also darauf einstellen, dass der Datentransfer zwischen Gebäuden und Rechenzentren zu nehmen wird. Dies muss bei der Planung berücksichtigt werden. Ebenso ist es aus meiner Sicht nötig, dass auch die Hersteller untereinander standardisierte Schnittstellen weiterentwickeln, damit ein Gesamtsystem aus mehreren Gebäuden und unterschiedlichen Automationslösungen miteinander harmoniert. Wir dürfen auch die Änderung des Nutzerverhaltens nicht aus den Augen verlieren, ein intelligentes Lademanagement für Elektroautos am Arbeitsplatz ist bei Siemens bereits im Portfolio und integrierbar in die Gebäudeautomation, was wiederum den Datentransfer weiter erhöht.

Elektroauto Ladesäule von Siemens - eAuto Ladesäule - Siemens Infrastruktur - Strom-Tankstelle Inhouse

SKYLINE ATLAS: Vielen Dank für das Gespräch.

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Interview Siemens - Dreharbeiten Frankfurt - Gebäudeautomation Siemens AG - Siemens Showroom - Siemens Gebäudetechnik
Siemens Konzern - Schild: No Bullshit Zone - Millennials in Konzernen - Frankfurt Siemens

5 Fragen an…

Marco Verardi hat im Rahmen unserer Videoreihe „5 Fragen an…“ weitere Antworten gegeben. Für die Wiedergabe bitte auf das Symbol zum Abspielen klicken.

Alternativ: Video auf Youtube ansehen

Zur Person

Marco Verardi ist bei der Siemens AG in Frankfurt tätig als Leiter Vertrieb für Gebäudeautomation. Herr Verardi startete seine Karriere bei Siemens und ist gelernter Energiebetriebstechniker. Sein Studium schloss er ab als Bachelor of Engineering Elektrotechnik sowie mit dem Abschluss Master of Business Administration (MBA).

Nach der Ausbildung stieg Herr Verardi in das Projektmanagement bei Siemens ein. In dieser Funktion war er als Projektleiter und zertifizierter Projektmanager für die Durchführung von zahlreichen Gebäudeautomationsprojekten verantwortlich, von kleineren Immobilienprojekten bis hin zu Hochhäusern wie den TaunusTurm.

Im Jahre 2015 wurde Marco Verardi Leiter des Siemens Engineering Centers für Gebäudeautomation. Drei Jahre später wurden die Bereiche Brandmeldetechnik und Sicherheitstechnik dort eingegliedert. Seit dem Jahr 2019 ist Herr Verardi Leiter des Vertriebs für Gebäudeautomation für den Großraum Frankfurt am Main.

Marco Verardi - Siemens Smart Infrastructure Leiter Vertrieb Frankfurt Gebäudeautomation - Siemens Frankfurt

Marco Verardi in der Deutschland-Niederlassung von Siemens Gebäudeautomation

Über Siemens Smart Infrastructure

Siemens Smart Infrastructure ist ein Geschäftsbereich des Industriekonzerns Siemens AG und beschäftigt sich damit, Energiesysteme, Gebäude und Industrien auf intelligente Weise weiterzuentwickeln. 

Smart Infrastructure unterstützt die Art und Weise, wie Industrie und Unternehmen sein wollen – effizient, verantwortungsbewusst und intelligent. Technologie und Erfindergeist der Menschen treffen zusammen, um im Sinne der Umwelt zu handeln und für den Planeten Erde Sorge zu tragen. 

Die Deutschland-Zentrale von Siemens Smart Infrastructure befindet sich in Frankfurt am Main

Siemens AG – Smart Infrastructure
Ansprechpartner: Marco Verardi
Lyoner Straße 27

60528 Frankfurt am Main

Telefon: +49 69 797-0

Am Standort der Siemens Niederlassung Frankfurt im Lyoner Quartier befindet sich auch der Smart Infrastructure Showroom, in dem die Lösungen von Siemens vorgestellt werden.

Siemens Frankfurt Gebäudetechnik - Smart Buildings - Siemens AG Frankfurt
Smart Infrastructure Showroom - Smart Buildings Showroom - Siemens Frankfurt - Gebäudetechnik
Siemens Smart Infrastructure Showroom - Siemens AG Frankfurt am Main

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