Frankfurt Skyline - Skyline Atlas Produktion - 2019

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Frankfurt ist eine Klasse für sich

Interview mit dem Gründer des Informationsportals SKYLINE ATLAS über Frankfurt und was die Stadt so besonders macht

Vielen Menschen ist der SKYLINE ATLAS als ein Kommunikationsmedium über die Entwicklung der Skyline Frankfurt bekannt. Doch nicht alle wissen, warum und wie das Portal entstanden ist. Grund genug, mit dessen Gründer Michael Wutzke darüber zu sprechen.

Michael Wutzke ist Investor und IT-Experte in Frankfurt am Main. Er ist derzeit in der Finanzwirtschaft tätig. Die Portraitierung der Frankfurter Architektur sowie der Einsatz für die Region sind einfach nur eine Leidenschaft von ihm.

SKYLINE ATLAS: Danke sehr, dass Du Dir die Zeit nimmst, einige Fragen zu beantworten. Fangen wir doch ganz am Anfang an: Erzähl uns bitte, wie Deine Faszination für Frankfurt und seine Hochhäuser begann.

Michael Wutzke: Ach, das ist wirklich eine lange Geschichte. Hier die kurze Version: Während meiner Tätigkeit für einen kleinen Bauträger habe ich mich inhaltlich ganz intensiv mit der Stadtentwicklung beschäftigt. Da blieb es nicht aus, dass ich im Selbststudium alles über Frankfurt und seine Hochhäuser wissen wollte. Ich hatte eigentlich immer Gänsehaut-Momente, wenn ich von außerhalb in die Stadt reingefahren bin: Der Anblick der Skyline hat mich einfach wahnsinnig fasziniert.

Gleichzeitig war es aber eigentlich immer schwierig herausfinden, welche Hochhausprojekte nun eigentlich gerade entstehen oder geplant sind. Auch habe ich mich mit der Fragestellung beschäftigt: Warum gibt es überhaupt Hochhäuser in Frankfurt? Die kurze Antwort: weil Frankfurt eine Klasse ist für sich. Diese Stadt erschreckt, diese Stadt fasziniert, diese Stadt setzt Maßstäbe. Für mich ist Frankfurt nicht nur die Hauptstadt von Deutschland, sondern von ganz Europa, auch wenn die Stadt nicht offiziell diesen Titel trägt. Denn dort, wo das Geld ist, werden die Entscheidungen getroffen. Die Skyline macht dies einfach nur sichtbar.

Michael Wutzke

Michael Wutzke – Gründer des SKYLINE ATLAS – hier im Jahr 2017 kurz nach dem Launch des Portals

SKYLINE ATLAS: Du verfolgst die Entwicklung der Stadt jetzt schon 25 Jahre lang aktiv. Was beobachtest Du?

Michael Wutzke: Die Stadt wird immer extremer. Frankfurt war schon immer ein Magnet und übernahm für große Teile von Deutschland eine Metropolenfunktion. Doch durch die weitere Öffnung, die Digitalisierung und die zunehmende Internationalisierung wird die Entwicklung der Stadt immer dynamischer. Das erkennen wir nicht nur an positiven Dingen, sondern auch an einer Zuspitzung von Problemen. 

Ich sehe auch nicht, was diese Trends derzeit umkehren sollte. Es werden immer mehr Menschen, Waren, Informationen und Unternehmen nach Frankfurt kommen, was zur Folge hat, dass es eine immer größere Sogwirkung geben wird. Die Gravitation der Stadt geht dank der Infrastruktur weit über die von Deutschland hinaus. Ein Grund für die Prosperität sind die hohen Einkommen.

SKYLINE ATLAS: OK, das verstehen wir. Mit der Wirtschaft scheint es ja rund zu laufen. Was macht die Politik?

Michael Wutzke: Leider versagt die Politik in den letzten Jahren im Wesentlichen. Die Verantwortungsträger haben keine Visionen, sind ängstlich und die Politik verwaltet sich zu Tode. Wir diskutieren über Fahrradstraßen, das Stadtklima und Frischluftschneisen. Versteht mich nicht falsch: all das kann man machen, aber es sorgt nicht dafür, dass Frankfurt die Grundlage für weiteres Wachstum schafft. Die Politik muss wieder Enabler für die Wirtschaft werden!

Die Oberbürgermeister und Stadtregierungen in den letzten 150 Jahren hatten stets große Pläne: Hauptbahnhof, Bahnhofsviertel, Flughafen, Datendrehkreuz sind nicht ohne Grund entstanden. Was bitte sehr kriegt die Lokalpolitik denn Großes heute hin? Mich stört, dass die Politik eigentlich mehr verhindert, als große Sprünge schafft. Beispiele in der Stadtentwicklung sind der Hochhausentwicklungsplan und der Rechenzentrumsplan, die beide nur verhindern und nicht fördern. Es gab in den letzten Jahren beispielsweise nicht ein einziges neues Hochhausprojekt, das nicht schon in irgendeinem alten Stadtentwicklungsplan vorhanden war.

Ich bin davon überzeugt: Es braucht hier einen Strategiewechsel mit Visionen und Mut, in moderner Form wie vor 20 Jahren. Der Oberbürgermeister Mike Josef hat das Wissen und die Erfahrung, die notwendigen Schritte einzuleiten. Er muss sich endlich trauen, Leitfigur zu werden und die Zukunft auf die Agenda zu setzen. Ich befürchte aber, dass es noch einige Jahre bedarf und es einen Machtwechsel braucht, bis wir wieder Fortschritte in der Stadtentwicklung sehen werden.

SKYLINE ATLAS: Das klingt jetzt aber pessimistisch. Was sollte denn die Politik Deiner Meinung nach tun?

Michael Wutzke: Das dringendste Problem ist bezahlbarer Wohnraum. Es benötigt eine groß angelegte Offensive. Nur durch den Bau von Zehntausenden von Wohnungen in den nächsten Jahren können wir die zu erwartende Kostenexplosion im Rahmen halten. Außerdem wird derzeit falsch gebaut: es entstehen viel zu hochwertige und große Wohnungen. Wir brauchen durchmischte und eng gebaute Viertel mit gutem ÖPNV-Anschluss. Warum sind das Nordend oder Bockenheim so beliebt? Den Hebel hier umzulegen, ist primär keine Geldfrage, sondern eine politische Frage. Ich stelle fest, dass die Lähmung der Politik für den Anstieg der Wohnkosten mitverantwortlich ist. 

Frankfurt skyline - Wolkenkratzer Frankfurt - September 2021 - Neubauten Frankfurt - Hochhäuser FFM - Europaviertel

SKYLINE ATLAS: Warum gibt es den SKYLINE ATLAS und warum ist das Medium so erfolgreich?

Michael Wutzke: Viele Menschen interessieren sich für diese wunderbare Stadtregion Frankfurt Rhein-Main, wollen Zusammenhänge und die Zukunft verstehen. Der SKYLINE ATLAS baut einfach nur Brücken. Es wird nicht nur über Frankfurt in seinen Stadtgrenzen berichtet, sondern man findet hier genauso Offenbach, Eschborn und andere Städte der Region. Wir machen nicht an Stadtgrenzen halt. Wir vermitteln zwischen Politik und Wirtschaft, zwischen Fachleuten und der Allgemeinheit. Der SKYLINE ATLAS ist ein ehrliches Informationsportal, das dabei unterstützt, eine Wachstumsregion zu schaffen.

Dazu gehört natürlich nicht nur, über die schönen und guten Dinge zu schreiben. Ich beschäftige mich auch mit der kritischen Auseinandersetzung, beispielsweise der Frage, warum die Architektur in Frankfurt so grottenschlecht ist oder wie man Umlandgemeinden zum Umdenken beim Thema Wohnen bewegen könnte.

SKYLINE ATLAS: Was sind Deine Hoffnungen, Forderungen und Wünsche für Frankfurt?

Michael Wutzke: Der Erfolg von Frankfurt basiert heute insbesondere auf der Wirtschaft. Es sind die vielen großen und kleinen Unternehmen, die aus Frankfurt das gemacht haben, was es heute ist. Und es war in den letzten Jahrzehnten insbesondere die Arbeit von CDU-Politikern wie Helmut Kohl und wie Petra Roth, die zum Boom in Frankfurt beigetragen haben.  Ich wünsche mir daher, dass die Politik wieder Visionen aufstellt, Probleme löst, weniger verwaltet und mit mehr Entscheidungswillen agiert.

SKYLINE ATLAS: Herzlichen Dank für das Interview.

Das Gespräch wurde im Dezember 2023 geführt.

„Die Politik muss endlich mutiger werden.“

Michael Wutzke

Zur Person: Michael Wutzke

Michael Wutzke beschäftigt sich seit seiner Jugend mit Themen der Informationstechnologie. Nach der Tätigkeit für einen Bauträger entdeckte er mit Anfang 20 und sein Faible für die Hochhäuser in Frankfurt. Er kombinierte dann sein Wissen in der Programmierung von Webseiten und der Stadtentwicklung, in dem er nach und nach verschiedene Informationsprojekte diesbezüglich schuf. Das erste Community-Portal über Frankfurt ging im Jahr 1997 online, es wurde dann im Jahr 2000 von Michael Wutzke in Skyscrapers.com integriert und ging einige Jahr später in dem Unternehmen Emporis auf. Nach dem Ausscheiden von Michael Wutzke bei Emporis im Jahr 2010 entstanden zahlreiche neue Hochhäuser in Frankfurt, aber ein spezialisiertes Informationsportal dafür gab es nicht.

Michael fasste im Jahr 2017 den Entschluss, sein umfangreiches Fachwissen über die Frankfurter Stadtentwicklung der letzten zwei Jahrzehnte in Form von Artikeln niederzuschreiben. Anstatt die Inhalte als Buch zu veröffentlichen, wählte Michael dafür einen digitales Format, das jedem ohne Bezahlung offen stehen sollte: der SKYLINE ATLAS war geboren. Der SKYLINE ATLAS wurde ein großer Erfolg: innerhalb weniger Jahre entwickelte sich aus dem Informationsportal ein Medium mit mehr als 1 Million Lesenden pro Jahr und Zehntausenden Followern in den sozialen Medien.

Michael Wutzke arbeitet heute als Investor und IT-Experte in der Finanzwirtschaft. In den letzten Jahren ist Michael abwechselnd als CIO, CTO, Gründer, Geschäftsführer, Berater, Projektleiter, Konversionsspezialist, Designer, Marketingexperte, Webentwickler und Devops Engineer tätig gewesen. Heute ist Michael Wutzke für den SKYLINE ATLAS nur noch beratend tätig, die Geschäftsführung der SKYLINE ATLAS GmbH liegt bei Dean Vukovic, der auch Gesellschafter ist, und die inhaltliche Betreuung bei einer Fachredaktion.

Michael Wutzke - CIO Frankfurt - Interim CIO Frankfurt am Main - Blockchain Experte

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