Jourdan & Müller PAS - Hochhausleitbild Frankfurt - Hochhaus Entwicklungspläne - Rahmenpläne für den Bau neuer Wolkenkratzer

Home > Magazin > Interviews > Prof. Jochem Jourdan

Stadtentwicklung Frankfurt: Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Architekt und Stadtplaner Prof. Jochem Jourdan im Gespräch

Eine Stadt wie Frankfurt entwickelt sich nicht irgendwie. Die großen städtebaulichen Projekte, wie die Entwicklung des Europaviertels, unterliegen Rahmenplänen, Flächennutzungsplänen bzw. Bebauungsplänen. Insbesondere die Rahmenpläne zur Stadtentwicklung wurden durch den enormen wirtschaftlichen Aufstieg von Frankfurt in den letzten 50 Jahren getrieben, und finden jeweils Anwendung für bestimmte Stadtteile und Themenfelder. Denn die Neuentwicklung von insbesondere Bürohausstandorten war früher willkürlich und chaotisch, was zu Konflikten in etablierten Stadtquartieren führte.

In Bezug auf neue Hochhausstandorte führten insbesondere die Hochhausentwicklungspläne zu mehr Planungssicherheit durch Vorbereitung der späteren formellen Planungen. Im Auftrag der Stadt Frankfurt am Main stellte das Architekturbüro Jourdan & Müller PAS den ersten Hochhausentwicklungsplan in den Jahren 1997/1998 vor sowie eine überarbeitete Version davon später. Einer der maßgeblichen Köpfe hinter diesen Plänen ist Prof. Dipl. Ing. Jochem Jourdan, der das Büro im Jahre 1970 gründete.

Jochem Jourdan ist Ehrenmitglied im Berufsverband BDA (Bund Deutscher Architekten) und gehört heute zu den profiliertesten Architekten in Deutschland. Zu seinen wichtigsten Arbeiten in Frankfurt gehören die Landeszentralbank an der Taunusanlage, das Haus am Dom, das Haus zur Goldenen Waage in der Neuen Altstadt und die Neugestaltung der Gerbermühle.

Prof. Jochem Jourdan - Jourdan & Müller Steinhauser Architekten

Prof. Jochem Jourdan

SKYLINE ATLAS trifft Jourdan & Müller Steinhauser Architekten. Von links nach rechts: Michael Wutzke, Benjamin Jourdan, Nicolai Steinhauser, Felix Jourdan, Jochem Jourdan - Das Modell zeigt einen Entwurf für das seinerzeit vorgestellte Urban Entertainment Center im Europaviertel
Hochhaus Entwicklungsplan Frankfurt 2008 - Jourdan & Müller PAS
Urban Entertainment Center (UEC) in Frankfurt am main - Geplante Hochhäuser in Frankfurt - Städtebauliche Studie von Jourdan & Müller PAS
Jochem Jourdan an einer städtebaulichen Studie zum Henninger Turm Areal

Aus dem Interview:

  • Mehrstufige Wettbewerbe fördern die Qualität von Architektur
  • Hochhaus für Theater-Doppelanlage vorstellbar
  • Ausschreibungskriterien für neuen Hochhausplan sorgen für Kritik

SKYLINE ATLAS: Guten Tag Herr Professor Jourdan. Vielen Menschen ist Ihr Name insbesondere ein Begriff, wenn es um Hochhaus-Entwicklungspläne in Frankfurt geht. Erläutern Sie doch bitte unseren Lesern, was ein Stadtentwicklungsplan überhaupt ist und warum Großstädte dieses Instrument nutzen.

Jochem Jourdan: Ein Hochhaus-Entwicklungsplan beschäftigt sich mit der Planung der Standorte von Hochhäusern. Eine Stadt hat immer unterschiedliche Möglichkeiten und diese Standorte müssen auf ihre Potenzialität genauer untersucht werden. Welche Geschossanzahl kann man haben, wie erfolgt die Anbindung an den Verkehr, liegt ein U-Bahn Anschluss in der Nähe und so weiter. Gibt es die Gefahr der Verschattung oder das Problem, dass das Kleinklima beeinflusst wird? Oder, ob durch ein Hochhaus die Durchströmung des Viertels mit frischer Luft behindert wird. All diese solche Fragen werden hierbei diskutiert und dann entsprechend in einen Hochhausplan für einen Standort aufgenommen.

Professor Jochem Jourdan - Architektur und Stadtplaner in Frankfurt am Main - Jourdan & Müller Steinhauser Architekten - Jourdan & Müller PAS

Der SKYLINE ATLAS traf Jochem Jourdan in seinem Atelier. Hier steht er vor den Plänen des Hauses zur Goldenen Waage, dem berühmten Gebäude in der Neuen Altstadt, das er mit seinen Büro nach alten Vorlagen entworfen hat.

SKYLINE ATLAS: Wie kam es überhaupt zu den Entwicklungsplänen für Hochhäuser?

Jochem Jourdan: Frankfurt hat schon in den 1920er Jahren, als in dieser Zeit in Deutschland überhaupt Hochhäuser für Großstädte diskutiert wurden, angefangen, sich mit Hochhäusern zu beschäftigen. Damals arbeitete Martin Elsaesser in Frankfurt. Er machte verschiedene Entwürfe z.B. für ein großes Rathaus. Auch seine Bauten, die er hier teilweise ausgeführt hat. Wenn wir an die Großmarkthalle denken, haben die Bauten eine Geschosshöhe, die hoch so hoch ist, wie man in dieser Zeit Hochhäuser eingeschätzt hat. Auch das Haus von Max Taut, was er für die Gewerkschaft damals gebaut hat, galt damals als ein Hochhaus. Und so wurden in den 1920er Jahren die ersten Hochhäuser für Frankfurt diskutiert. Eines, das heute noch steht, ist der Mousonturm.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann dann die Hochhaus-Diskussion sehr früh, schon in den Wettbewerben gleich nach 1945 für den Frankfurter Verkehrsplan hat man in diesem Wettbewerb, wenn man die Ergebnisse sich anschaut, erste Hochhäuser vorgefunden. Sehr schnell entstand dann ein erster Hochhausplan, der sich aber insbesondere auf die Wallanlagen in der damaligen Zeit konzentrierte. Als wir 1998 unsere erste Hochhaus-Studie erstellt haben, stellten wir fest, dass in der Regel alle acht bis zehn Jahre neue Rahmenpläne für Frankfurt entwickelt wurden, weil das jeweils ein Zeitraum ist, der einen neuen Bedarf darstellen kann.

Und so sind ab den 1950er Jahren bereits unterschiedliche Rahmenpläne vorgelegt worden, mit jeweils unterschiedlichen Zielen, teilweise auch unter sehr formalen Gesichtspunkten. Damals herrschte auch die Meinung vor, man müsste Hochhäuser an irgendeiner Stelle wie ein Tor im Stadtraum platzieren. Oder man wollte Türme als Reihe aufbauen. Das Problem daran ist, dass man eine solche Aufreihung von Hochhäusern im Stadtraum kaum wahrnehmen kann. Hochhäuser haben eine Fernwirkung und sind insbesondere in der Stadtansicht wahrnehmbar. Es ist daher wichtiger, bei Hochhäusern auf dessen Fernwirkung in der Stadtsilhouette zu achten.

Luftangriffe auf Frankfurt - Die totale Zerstörung im Krieg

Frankfurt nach dem Zweiten Weltkrieg

SKYLINE ATLAS: Herr Professor Jourdan, wie kam es, dass Sie 1998 mit Ihrem Büro Jourdan & Müller PAS den Hochhaus-Rahmenplan erstellt haben?

Jochem Jourdan: Wir wurden 1997 von dem damaligen Planungsdezernenten Herrn Dr. Wentz beauftragt, eine neue Hochhaus-Studie zu entwickeln. Das war der Ausgangspunkt für diese Planung.

Unser Büro hat dann in dieser Planung eine Materialsammlung zusammengestellt und wir haben geschaut, wie die Geschichte der Hochhäuser in Frankfurt aussieht und haben natürlich unterschiedlichste Grundlagen heranziehen können, unter anderem die große Studie von Müller-Raemisch, aber auch andere.

Wir haben dann sozusagen in Kurzfassung 1998 eine Geschichte der Hochhaus-Entwicklung in Frankfurt aufgezeigt. Diese Geschichte stellte dar, dass im Grunde genommen alle acht bis zehn Jahre neue Hochhauspläne entstanden sind, weil dann jeweils ein neuer Bedarf existierte und man auch den Bedarf einschätzen konnte. Eines der großen Probleme war insbesondere, wie kann man mit Hochhaus-Entwicklungsplänen dazu beitragen, die Spekulation einzugrenzen.

Professor Jochem Jourdan im Interview über Architektur in Frankfurt

SKYLINE ATLAS: Und wie genau wollten Sie Spekulation eindämmen?

Jochem Jourdan: Das Problem war der Frankfurter Häuserkampf in den 1970er Jahren, als die großen Auseinandersetzungen um viele Grundstücke in Frankfurt stattfanden. Damals hatte man nicht präzise Standorte festgelegt, wo neue Hochhäuser erlaubt waren, und damit begann die Möglichkeit der Spekulation auf bestimmte Grundstücke. Mit unserem Hochhausplan ab 1998 wollten wir immer dieses Risiko möglichst eingrenzen und haben deswegen Hochhaus-Standorte vorgeschlagen, wo wir immerauch das städtebauliche Umfeld einbezogen haben. Wir haben nicht nur gesagt, hier kann man ein Hochhaus bauen, sondern wir haben gefragt: 

  • Welche Probleme treten auf in der Verschattung durch das Hochhaus?
  • Welche Probleme treten auf durch die Beeinflussung des Kleinklimas auf?
  • Sind diese Standorte vom Verkehr her richtig angebunden?
  • Welche Höhe kann man bauen?
  • Was geschieht mit den Erdgeschosses?
  • Was geschieht in der Turmspitze?

Alle solche Fragen haben wir diskutiert und auch dargestellt.

SKYLINE ATLAS: Wie war das in der Vergangenheit? Wie kamen überhaupt neue Standorte in den Hochhaus-Rahmenplan hinein?

Jochem Jourdan: Alle Standorte wurden immer mit dem Stadtplanungsamt und dem Planungsdezernat diskutiert. Auch politische Parteien haben mitgesprochen. Es gab Zusammenkünfte, wo diese Konzepte vorgestellt wurden, diskutiert wurden, und die Standorte sind natürlich immer auch bedarfsorientiert. Man muss natürlich die Fragestellung immer im Kontext ihrer jeweiligen Epoche sehen. Es gab Zeiten, wo das Wachstum der Städte diskutiert wurde, wo die Entwicklung der Büroarbeitsplätze im Fokus stand, und so weiter. Dann kam der Begriff Urbanität durch Dichte auf. Das führte dazu, dass man über Hochhäuser jeweils in einer neuen Weise nachdachte.

Jochem Jourdan - Jourdan & Müller PAS Architekten

SKYLINE ATLAS: Es gibt in der Frankfurter Innenstadt ziemlich viele Bauten aus den 1950er, 1960er Jahren. Was ist Ihre Meinung? Sollte man diese Bauten generell erhalten, sollte man sie neu denken?

Jochem Jourdan: Wenn man ein Gebäude erhält, dann hat es ja, wenn man es als Denkmal sieht, die Notwendigkeit, dass man die Gründe, weshalb man es für ein Denkmal hält, darlegen muss. Das kann die künstlerische, architektonische Qualität sein. Das kann die Geschichte sein. Das kann sich die Bedeutung für die Stadt in der Stadtsilhouette sein. Und so gibt es viele Gründe, die ein Gebäude zum Denkmal werden kann. Das kann der Alterswert sein unter Gleichen. Und all diese Gründe muss man natürlich, wenn man Gebäude der 1950er Jahre bewertet, einbeziehen. Das gibt es keine pauschale Antwort auf Ihre Frage.

SKYLINE ATLAS: Wie wurden Wünsche in Bezug zum Hochhausrahmen an Sie herangetragen? Lief immer alles über das Stadtplanungsamt?

Jochem Jourdan: Die Wünsche wurden immer über das Stadtplanungsamt an uns gerichtet, nie im direkten Gespräch. Wir waren aber dann aufgefordert, uns mit den Wünschen auseinanderzusetzen. Wir haben uns zum Beispiel mit unterschiedlichen Auftraggebern oder den Standorten auseinandergesetzt, haben Gespräche zum Beispiel mit den einzelnen Banken oder Versicherungen oder anderen Auftraggebern geführt, um zu klären, was er sich überhaupt vorstellen und dergleichen. Und aus all diesen überlegungen und Gesprächen sind dann die Standorte entstanden.

Hochhausrahmenplan Frankfurt 1998

Der Hochhaus-Entwicklungsplan 1998 von Jourdan & Müller PAS (heute Jourdan & Müller Steinhauser Architekten)

SKYLINE ATLAS:  Es wurde in der Vergangenheit immer wieder kritisiert, dass bestimmte Hochhaus Standorte überhaupt nicht in einem Hochhaus Rahmenplan enthalten waren und dann tatsächlich später doch realisiert wurden. Welche Gründe gibt es dafür?

Jochem Jourdan: Als wir 1998 den ersten Vorausplanen in unserem Büro erarbeiteten, gab es schon für viele Standorte Vereinbarungen zwischen der Stadt und den Eigentümern dieser Standorte für die Möglichkeit, dort ein Hochhaus zu errichten. Deswegen gab es nach 1998 eine Phase, wo erst mal etliche dieser damals schon festgelegten Standorte entwickelt wurden. Wir haben mit unserem Plan eine Übersicht gegeben, für welche Standorte es schon Planungsrecht gab. Wir bekamen vorgeworfen, dass die 1998 vorgeschlagenen Standorte lange nicht in die Entwicklung gegangen sind.

Als wir dann den nächsten Plan vorlegten, konnten wir feststellen, dass im Wesentlichen mehr Standorte entwickelt waren, nämlich einschließlich all der Standorte, denen man vorher Planungsrecht gegeben hatte, plus einiger Standorte, die wir dann vorgeschlagen haben.

Und wenn wir heute das Feld betrachten von Standorten von 1998 und 2008, kann man feststellen, dass die meisten Standorte mittlerweile beplant sind, teilweise gebaut wurden, sich im Bau befinden oder sich durch eine Baugenehmigung so weit vorbereitet sind, dass sie demnächst ausgeführt werden können.

Im Grunde genommen kann man feststellen, dass auch jetzt wieder ein neuer Bedarf nach Hochhausstandorte vorhanden ist. Eine Stadt wie Frankfurt muss immer Möglichkeiten vorhalten für den Bau von kleineren Hochhäusern, aber auch für Standorte, wo ein größerer Flächenbedarf das Ziel ist.

SKYLINE ATLAS:  Was glauben Sie sind prädestinierte Bereiche, wo man Hochhäuser verdichtet entwickeln könnte in Frankfurt?

Jochem Jourdan: Wir haben ja den Vorschlag gemacht, Hochhäuser nicht in der Stadt zu verteilen, weil dann im Grunde genommen die Schwierigkeit besteht der Eingrenzung. Stattdessen haben wir stets vorgeschlagen, immer sogenannte Cluster, also Gruppenbildung von Hochhäusern als Standorte zu entwickeln. Und ich glaube, dass ich das sehr gut bewährt hat, wie das in den letzten 20 Jahren gezeigt hat. Im Grunde genommen sind alle vorgeschlagenen Pulks entstanden, bis auf das Gleisvorfeld am Hauptbahnhof. Als wir den ursprünglichen Plan 1998 bearbeiteten, hatte man bei der Stadt die Vorstellung, dass der Hauptbahnhof untertunnelt wird und eine aus einem Sackbahnhof ein Durchgangsbahnhof wird. Interessanterweise ist das heute in abgewandelter Weise wieder in der Diskussion.

Damals fielen diesem Konzept einige Standorte, die wir auf dem Bahnhofsbereich vorgesehen hatten, zum Opfer, und sie wurden dann nicht weiter gedacht und weitergeführt. Wenn man aber jetzt die neue Verkehrsplanung der Bundesregierung betrachtet, wo wieder über eine Untertunnelung der Stadt Frankfurt nachgedacht wird, kann das durchaus bedeuten, dass bestimmte Flächen im Vorfeld des Hauptbahnhofs wieder verfügbar werden und insofern die alte Diskussion neu aufzugreifen ist. Das kann man aber erst dann richtig sagen, wenn man die genauen Ziele und Vorstellungen für diese Gleistrassen kennt.

SKYLINE ATLAS:  Ist Frankfurt 21, die Untertunnelung vom Hauptbahnhof, wegen Stuttgart 21 gescheitert?

Jochem Jourdan: Nein, das hat damit nichts zu tun, sondern es war einfach eine Vorsichtsmaßnahme des Landes Hessens, dass man wieder Abstand nahm von der Möglichkeit nahm, den Bereich um den Hauptbahnhof urban zu entwickeln. Man muss dabei bedenken, dass parallel dazu ja in Frankfurt das gesamte Güterbahnhofsgelände entwickelt wurde, wo sich heute das Europaviertel befindet. Das Güterbahnhofsgelände wurde zu einem großen Stadtentwicklungsprojekt, das heute weitgehend realisiert ist.

SKYLINE ATLAS:  Kommen wir einmal auf die architektonische Qualität von Bauten in Frankfurt zu sprechen. Kann ein Hochhaus-Entwicklungsplan Vorgaben zur Ästhetik von Hochhäusern machen?

Jochem Jourdan: Ein Hochhaus-Entwicklungsplan ist ein städtebauliches Instrument und kein Methodik, eine Gestaltung zu verbessern. Wir haben in unserem Hochhaus-Entwicklungsplan 1998 gemeinsam mit der Stadt Frankfurt am Main einen Textteil aufgenommen, wo wir gerade für die ästhetische und architektonische Qualität fordern, dass neue Hochhäuser möglichst über Wettbewerbe entschieden werden. Damit soll im Grunde genommen die beste Qualität der Hochhausentwürfe in einem Wettbewerb ermitteln. Darin sehen wir nach wie vor eine der besten Möglichkeiten, Qualität zu schaffen. Städtebaulich hat der Hochhaus-Entwicklungsplan eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Zum Beispiel, wenn wir an das Hochhaus von Gruber-Kleine-Kranenburg denken, was an den Wallanlagen neu gebaut wurde.

Unser Büro hatte vorgeschlagen, auf die Wallanlagen zurückzugreifen, weil wir wollten, dass die damalige Hinterhaus-Situation aufgelöst wird. Damit sollte eine neue Aufenthaltsqualität geschaffen werden, damit aus diesen Hinterhöfen begehbare öffentliche Bereiche wurden und an diese Wallanlagen angeschlossen werden konnten. Damit konnte man die Qualität der Grundstücke verbessern, aber auch gleichzeitig für die Bevölkerung neue Möglichkeiten schaffen, das Ganze erlebbar zu durchwandern und kürzere Wege zu ermöglichen.

Architektur und Städtebau Professor - Jochem Jourdan in Frankfurt

SKYLINE ATLAS:  Nun ist es ja so, dass ein Architekturwettbewerb nicht immer ein Architekturwettbewerb ist. Es gibt verschiedene Formen von Architekturwettbewerben. Es gibt welche, wo nur fünf bis zehn Büros eingeladen werden. Es gibt andere Formen. Was fällt Ihnen zu dieser Thematik ein?

Jochem Jourdan: Ich halte im Grunde genommen erst einmal für wichtig, dass überhaupt ein Wettbewerb stattfindet. Viele dieser Wettbewerbe sind engere Wettbewerbe, wo man nunr fünf bis zehn Büros einlädt, überhaupt eine Wettbewerbsarbeit abzugeben. Das heißt gleichzeitig aber auch, dass es nur fünf oder zehn Beiträge zu bewerten gibt.

Ich selbst persönlich halte es immer für besser, wenn man Wettbewerbe größer ausschreibt. Wenn man also keine Einschränkungen macht, sondern dass man eher vorschlägt, einen Wettbewerb als Stufen-Wettbewerb aufzubauen.  Das heißt, dass man in der ersten Phase den Wettbewerb offenen ausschreibt. Und dann aber fordert in der ersten Phase, dass ein städtebauliches Konzept das Ergebnis darstellen soll und dass man dann die Gewinner dieser ersten Phase einlädt in eine zweite Phase, wo es um die eigentliche Gestaltung und auch die innere Durcharbeitung der Funktionen des Hochhauses geht. Dadurch kann man sicher eine wesentlich höhere Qualität erreichen, als die heute teilweise bei den Bauten sichtbar ist.

SKYLINE ATLAS: Wir haben gehört, dass für den geplanten Hochhausentwicklungplan 2021 die Einschränkung eingeführt wurde, dass Büros mindestens ein Hochhaus von 100 Metern Höhe entworfen haben mussten. Was hat dies für einen tieferen Sinn?

Jochem Jourdan: Ich halte es für sehr schade, dass der jetzige Ausschreibung für einen neuen Hochhaus-Entwicklungsplan diese Einschränkung hatte. Meiner Meinung nach gehört eine entsprechende Erfahrung mit dem Umgang mit der Planung von Hochhäusern dazu. Aber nicht, dass man selbst ein solches Hochhaus entwirft und ausgeführt hat, wie das im übrigen bei unserem Büro der Fall ist. Das war eine große Einschränkung. Aus diesem Grund konnten wir nicht an dem neuen Verfahren teilnehmen. So weit ist diese Politik aufgegangen.

SKYLINE ATLAS: Glauben Sie, dass eines Tages in Frankfurt auch Hochhäuser mit mehr als 300 Meter Höhe gebaut werden?

Jochem Jourdan: Das wird der Bedarf regeln.

SKYLINE ATLAS: Was passiert mit Hochhaus-Standorten aus der Vergangenheit, die bisher nicht bebaut wurden?

Jochem Jourdan: Ich kenne wenige Standorte, der nicht bebaut wurden. Dazu zählt beispielsweise bisher das Areal um den Millennium Tower, für das aber bald eine Planung vorgelegt werden soll. Dieser Standort wurde lange nicht entwickelt, weil es eine sehr großen finanziellen Aufwand bedeutet und auch eine Sicherheit benötigt wird, um ein solches hohes Hochhaus überhaupt starten zu können. Diesbezüglich kann ich mir vorstellen, dass die ursprüngliche Planung diesbezüglich angepasst wird. Es sei denn, es sind Interessenten da, die ein solches Hochhaus entwickeln und aufbauen wollen.

Architektur Diskussion mit Jochem Jourdan - Stadtplaner in Frankfurt

SKYLINE ATLAS: Was glauben Sie, wie Frankfurt in 15 bis 20 Jahren aussehen wird?

Jochem Jourdan: Frankfurt wird immer eine lebenswerte Stadt sein und wird noch viel lebenswerter werden, als sie heute ist.

SKYLINE ATLAS: Wie ist das mit Grünflächen? Gibt es Überlegungen, Grünflächen und Parkanlagen weiter auszubauen und wenn ja, wie? Wie schlagen Sie sich in Planwerken wie einem Hochhaus-Entwicklungsplan nieder?

Jochem Jourdan: Ich habe ja vorhin schon kurz angedeutet, das Hochhaus-Standorte nicht nur fixieren sollen, welche Geschossfläche und welche beschoss Höhe und Gebäudehöhe ein Hochhaus Standort haben darf, sondern ein Hochhaus-Standort muss auch gleichzeitig in der Betrachtung sein Umfeld mit einbeziehen. So haben wir das ja im Bereich der Wallanlagen gemacht, dass wir dort Verbesserungsvorschläge für die Wallanlagen mitgedacht haben. Und alle Hochhaus-Pläne werden das auch in Zukunft machen müssen, dass sie immer ihr Umfeld mitbedenken müssen und klären müssen, was das bedeutet für die Qualität des Standortes. Und da spielen natürlich die Grünflächen eine mit eine entscheidende Rolle.

SKYLINE ATLAS: Gibt es eigentlich Hochhausentwicklungspläne, wie wir sie in Frankfurt kennen, auch für andere Städte?

Jochem Jourdan: Ja, unser Büro hat beispielsweise Hochhausleitlinien für Innsbruck und Freiburg im Breisgau entwickelt.

SKYLINE ATLAS: Was ist Ihre Meinung zur Diskussion um die Theater-Doppelanlage? Hin und wieder kommt auch da ein Hochhaus ins Gespräch.

Jochem Jourdan: Ich kann mir vorstellen, dass man sowohl auf dem Grundstück, wo heute das Theater und das Schauspielhaus stehen, ein Hochhaus bauen kann oder aber auch am Opernplatz ein niedriges Hochhaus vorstellbar ist.

SKYLINE ATLAS: Die Immobilienpreise sind ja sehr stark unter Druck in den letzten Jahren. Was glauben Sie sind adäquate Lösungen, um für eine Entspannung zu sorgen in diesem Bereich?

Jochem Jourdan: Ich glaube, dass man die Immobilienpreise, dass man da sehr unterscheiden muss, ob es sich um Hochhaus-Standorte handelt oder um Standorte für neue Wohngebiete, die auch Wohnungen auch im sozialen Bereich in ausreichender Weise zur Verfügung zu stellen.

Im Grunde genommen hatten wir ja schon 1998 vorgeschlagen, dass ein bestimmter Stand Teil der Flächen in den Hochhäusern für Wohnungsbau vorzusehen ist. Das ist aber jeweils eine Behandlungsfrage, die die Stadt mit den Eigentümern durchführen muss und klären muss, in welcher Weise sie solche Forderungen stellen kann. Es gibt ja teilweise Beispiele, wo das in einer sehr schönen Weise auch ausgeführt wurde.

Das Hauptproblem, was ich sehe, ist folgende Frage: Wie kann man sozialen Wohnungsbau, also Wohnungen für die große Zahl von Menschen mit mittleren und kleinen Einkommen, anbieten? Diesbezüglich haben alle Parteien versagt, denn alle haben geglaubt, sie brauchen keine Sozialwohnungen mehr, sondern in der Zeit vor 2000 und um das Jahr 2000 herum. Und das schlägt sich heute nieder, dass man in einer gewissen Zeit sich nicht um den sozialen Wohnungsbau gekümmert hat.

Die einzige Möglichkeit, die ich da sehe, ist, dass Grundstücke für den Wohnungsbau nicht mehr verkauft werden, sondern nur noch in Erbpacht vergeben werden, um im Grunde genommen Lösungen zu finden. Man muss in einer neuen Weise mit den Grundstückskosten umgehen.

Prof. Jochem Jourdan - Architekt Frankfurt Hochhausentwicklungsplan

SKYLINE ATLAS: Danke für das Gespräch.

Das Interview wurde im September 2020 geführt.

Jochem Jourdan: Zur Person

Jochem Jourdan ist Architekt und studierte an der Technischen Hochschule Darmstadt Architektur u. a. bei Theo Pabst, Karl Gruber, Max Guther und Hans Gerhard Evers und legte 1965 bei Ernst Neufert die Diplom-Hauptprüfung ab. Er war wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl von Professor Dr. Rolf Romero. Danach gründete er 1970 in Darmstadt mit seinem Partner Bernhard Müller die Projektgruppe Architektur und Städtebau (PAS). 1978 wurde ein zweites Büro in Kassel eröffnet. Seit 1980 ist der Bürositz in Frankfurt am Main, wo in den Folgejahren zahlreiche Stadtplanungsprojekte sowie Hochbauprojekte im Verwaltungs-, Industrie-, Wohn- und Kulturbau verwirklicht wurden.

Bauen im historischen Bestand zählt zu Jourdans Kernkompetenzen. Als bedeutendes Werk gilt der Komplex der ehemaligen Landeszentralbank Hessen an der Taunusanlage in Frankfurt, welcher heute die Filiale Frankfurt am Main der Bundesbank beherbergt.

Jochem Jourdan war von 1980 bis 2002 Universitätsprofessor für Entwerfen, Bauerhaltung und Denkmalpflege an der Gesamthochschule Kassel. Er ist Mitglied im Deutschen Werkbund (DWB), im Bund Deutscher Architekten (BDA), im Architekten- und Ingenieurverein (AIV) und in der Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplaner (SRL).

Mitterweile ist das Architekturbüro Jourdan & Müller PAS umfirmiert in Jourdan & Müller Steinhauser Architekten. Schwerpunkte der Tätigkeit sind Verwaltungsbauten, Bauen im Bestand, Industrie und Verkehr und Städtebau. Das Büro wird in der nächsten Generation durch Benjamin Jourdan, Felix Jourdan und Nicolai Steinhauser weitergeführt.

2 Kommentare zu “Interview mit Prof. Jochem Jourdan

  1. Mahdi Naimi kommentierte: 2 Monaten ago Reply

    Guten Abend,
    Ich wollte mal gerne nachfragen, wie es mit dem Interview mit Herrn Prof. Jochem Jourdan ist.
    Wann wird das Interview für die Öffentlichkeit zugänglich.

    Für eine Antwort würde ich mich sehr freuen!!

    1. admin kommentierte: 2 Monaten ago Reply

      Hallo Mahdi Naimi! Das Interview erscheint noch im September 2020. Wenn Sie die SKYLINE NEWS erhalten verpassen Sie die Veröffentlichung nicht.

Kommentar hinterlassen