Architektur und Stadtplanung in Frankfurt - Professor Christoph Mäckler im Gespräch über die Zukunft der Stadt

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Was passiert mit Frankfurt am Main?

Architekt und Städtebauer Prof. Christoph Mäckler im Gespräch

Der Architekt Christoph Mäckler hat mit seinem Architekturbüro MÄCKLERARCHITEKTEN das Stadtbild von Frankfurt am Main geprägt wie kaum ein anderer Architekt. Zu seinen jüngeren Entwürfen in der Mainmetropole zählen das Deutsches Romantik-Museum, das Geschäftshaus Goethestraße 34 am Opernplatz, innerstädtische Nachverdichtung Wohnen am Dom sowie die Neugestaltung der Alten Brücke mit der Kunsthalle Portikus.

Auch zahlreiche Entwürfe für Hochhäuser gehen auf das Konto von Christoph Mäckler, wie OpernTurm und Tower 185. Derzeit setzt sein Büro außerdem den Entwurf für das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen um. Als Direktor des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst ist er Berater zahlreicher Städte. Herr Mäckler hat außerdem als Vorsitzender des DomRömer-Gestaltungsbeirats die Neue Frankfurter Altstadt maßgeblich mitgeprägt.

Grund genug, mit dem Architekten über seine Liebe zu Frankfurt und neue Stadtviertel zu sprechen, insbesondere aber auch im Hinblick auf ständig steigende Immobilienpreise sowie Auswirkungen der Coronakrise.

Christoph Mäckler - fotografiert von Thorsten Jansen Photography in Frankfurt - Architekturfotografie

Prof. Christoph Mäckler – fotografiert von Thorsten Jansen

Ihre Vorschläge für Interviewfragen:

Die Leser des SKYLINE ATLAS konnten bis 12. Oktober 2020 Interview-Fragen vorschlagen.

Die Frist für die Einreichung der Fragen ist verstrichen. Vielen Dank für die rege Teilnahme. Das Interview mit Herrn Prof. Mäckler fand Ende Oktober 2020 statt. Die Veröffentlichung ist für November 2020 geplant.

Berufliche Laufbahn

Christoph Mäckler, 1951 in Frankfurt am Main geboren, erhielt seine Ausbildung am humanistischen Gymnasium und später als Architekturstudent an der Technischen Hochschule in Aachen (Diplom 1980).

Bereits 1979 wurde er mit dem Schinkelpreis ausgezeichnet. 1981 gründete er ein eigenes Büro für Architektur und Städtebau in Frankfurt am Main.

Von 1998 bis 2018 war er ordentlicher Professor für Städtebau an der TU Dortmund und berät seit 2008 als Direktor und Gründer des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst zahlreiche Städte.

Christoph Mäckler - fotografiert von Rainer Taepper Architekturfotografie

Prof. Christoph Mäckler – fotografiert von Rainer Taepper

Auszug realisierter Bauten

2023: Terminal 3, Flughafen Frankfurt a.M.
2020: Deutsches Romantik-Museum, Frankfurt a.M.
2020: Augustinermuseum, Freiburg i.Br. (3.BA)
2017: Wohnbauten Friedrich-List-Straße, Riederwald-Siedlung, Frankfurt a.M.
2016: Energiebilanz-Häuser, Schlettweinstraße, Riederwald-Siedlung, Frankfurt a.M.
2016: Augustinermuseum, Freiburg i.Br. (2.BA)
2016: Goethestraße 34, Frankfurt a.M.
2014: One Goetheplaza, Frankfurt a.M.
2013: ZoofensterWaldorf Astoria, Berlin
2012: Tower 185, Frankfurt a.M.
2010: Augustinermuseum, Freiburg i.Br. (1.BA / Wiedereröffnung)
2009: OpernTurm, Frankfurt a.M.
2006: Kunsthalle Portikus, Frankfurt a.M.

Mitgliedschaft bei Organisationen

Seit 2001: Kuratoriumsmitglied im Verein Atlantik-Brücke e.V.
Seit 2006: Gründungs- und Vorstandsmitglied im Neuen Brückenbauverein e.V. in Frankfurt a.M.
Seit 2008: Gründer und Direktor des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst an der TU Dortmund
Seit 2009: Mitglied in der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung
2009–2018: Vorsitzender im Gestaltungsbeirat für die Bebauung des DomRömer-Areals in Frankfurt a.M.
Seit 2013: Mitglied BDA Dortmund Hamm Unna
Seit 2017: Mitglied im Gestaltungsbeirat Münster, seit 2020 Vorsitz
Seit 2019: Mitglied (Vertreter) im Gestaltungsbeirat Soest

Werdegang von Christoph Mäckler

Christoph Mäckler erhielt seine Ausbildung am Humanistischen Gymnasium und später als Architekturstudent an der Technischen Hochschule in Aachen (Diplom 1980). Bereits 1979 wurde er mit dem Schinkelpreis ausgezeichnet. 1981 gründete er ein eigenes Büro für Architektur und Stadtbereichsplanung in Frankfurt am Main. Für seine Bauten, die er als sehr junger Architekt schon 1987 in der Aedes Galerie in Berlin ausstellen konnte, erhielt er viele Preise.

Neben seiner Tätigkeit als freischaffender Architekt hat Christoph Mäckler sich mit zahlreichen kritischen Beiträgen immer wieder in die zeitgenössische Architekturdebatte eingebracht. Insbesondere hat er sich intensiv mit Fragen der Stadtstruktur seiner Heimatstadt Frankfurt am Main auseinandergesetzt: als Mitglied des Städtebaubeirates (1983–1996), mit einer detaillierten, analytisch-architekturhistorischen Betrachtung über Frankfurter Brücken (1984) und mit seinem einflussreichen „Frankfurt Projekt“ (1987), das im Deutschen Architekturmuseum gezeigt wurde. Diese frühe Studie – eine Auseinandersetzung mit dem Bautypus Hochhaus und dessen Einbindung in den städtebaulichen Kontext – zeugt von einem modernen Verständnis der Stadt, das auf einem ausgeprägten historischen Bewusstsein gründet. Der Gedanke, der gefährdeten europäischen Stadt eine geschichtlich begründete, strukturierte Ordnung zurückzugeben und neue Traditionen und Orte der Identifikation zu schaffen, der im Rahmen der Studie bereits ansatzweise formuliert ist, zieht sich wie ein Leitfaden durch sein weiteres Schaffen. Ihn präzisierte Mäckler 1987 im Workshop “architects under 35, la città e il fiume”, Florenz, und in seinen diversen Gastprofessuren: Internationale Gastprofessur seminario internationale di progettazione Castel Sant’Elmo, Neapel (1990–1991,1994–1995), Gastprofessur an der TU Braunschweig (1990–1991), Gastprofessur Universität Hannover (1995–1996). Diese Lehrtätigkeiten führten zu seiner Berufung als ordentlicher Professor an der Technischen Universität Dortmund, wo er von 1998 bis 2018 den Lehrstuhl für Städtebau leitete.

In seinen zahlreichen, von der Fachpresse kritisch aufgenommenen, manchmal kontrovers diskutierten Beiträgen zum Thema Stadt und ihre Schönheit plädiert Christoph Mäckler für die Einführung einer Gestaltungssatzung im öffentlichen Raum. Christoph Mäcklers Engagement für die Architektur bekundete sich auch in seiner Position als Vorstandsvorsitzender des Bundes Deutscher Architekten BDA, Frankfurt am Main, von 1991–1996. Seit 2009 ist Christoph Mäckler Vorsitzender des Gestaltungsbeirates der Stadt Frankfurt am Main, der die Aufgabe hat, der Stadt beratend zur Seite zu stehen, um die hohe gestalterische Qualität der Neubebauung des DomRömer-Areals sicherzustellen. Seit 2017 ist er zudem Mitglied im Gestaltungsbeirat der Stadt Münster. Für seine zweite Ausstellung in der Aedes-Galerie 1991 in Berlin formulierte Mäckler erstmals die Idee von einer „Rematerialisierung der Moderne“, die eine Versöhnung von Tradition und Moderne in der Architektur bedeutet. Sie schließt nicht nur die Wiedergewinnung von Oberfläche und Volumen, das Verständnis für die Materialbeschaffenheit eines Baukörpers und seine Alterungsfähigkeit ein, sondern auch die Selbstverständlichkeit im architektonischen Ausdruck. Sein Aufruf richtet sich gegen die Belanglosigkeit und Unbekümmertheit unserer Zeit, in der schon das einfache Zusammensetzen industrieller Produkte als Architektur bezeichnet wird, und ebenso gegen die bloße Selbstdarstellung des Architekten, einer Look-at-me-Architektur, bei der die Geschichte des Ortes und seines Werkstoffes außer Acht gelassen werden.

Dass die von Christoph Mäckler initiierte Debatte ein wesentliches Thema unserer Zeit getroffen hat, bezeugen zahlreiche Abhandlungen über seine Bauten in der Fach- und Tagespresse. Über das 1999 mit dem Dortmunder Lehrstuhl veranstaltete, internationale Symposium „Werkstoff“ erschien aufgrund großer Resonanz ein gesamtes Bauwelt-Heft mit den wichtigsten Vorträgen zum Thema. Die Buchveröffentlichung „Werkstoff Stein“ im Birkhäuser Verlag folgte im Jahr 2004. Das im Jahr 2008 erschienene Buch „Christoph Mäckler – Die Rematerialisierung der Moderne“ zeigt einen bemerkenswerten Querschnitt durch das bisherige Werk von Christoph Mäckler und verdeutlicht seine Auffassung einer Weiterentwicklung der Moderne.

„Jede Architektur beginnt mit der Geschichte des Ortes. Daraus entwickeln wir alles!“ Diese Haltung Mäcklers stellt in besonderem Maße eine Herausforderung bei der Planung von Gebäuden und deren Einbindung in den Stadtraum dar. Nah- und Fernwirkung der Bauten sprechen unterschiedliche Qualitäten an: „Die Schönheit der Gesamtform muss sich in der Nähe des Details bestätigen. Handwerkliche Kunst am Bauwerk wird dort erfahrbar, wo uns das Ertasten mit dem Auge nicht mehr ausreicht, dort wo es uns reizt, das Material zu betasten, uns die Schärfe einer Kante, die kratzige Härte eines mit Stockhammer bearbeiteten Steinsockels, die Geschmeidigkeit einer polierten Steinoberfläche mit dem Tastsinn zu verdeutlichen suchen.“ Die Dauerhaftigkeit von Steinfassaden ist ein wichtiges Kriterium auch bei der Nachhaltigkeit von Gebäuden. Der heute so wichtige Grundsatz einer energetisch optimierten Bauweise lässt sich nach Christoph Mäcklers Auffassung auch ohne erheblichen technischen Aufwand allein durch die richtige Wahl der Fassadenausbildung und -konstruktion erreichen.

Zu den bedeutenden Bauwerken des Büros zählen die Hochhausprojekte, Modernisierung CityHaus I der DZ-Bank (2008), OpernTurm (2009) und Tower 185 (2011) in Frankfurt am Main sowie das Waldorf Astoria – Zoofenster in Berlin (2012), ebenso wie die Museumsbauten Kunsthalle Portikus, Deutsches Romantik-Museum (2020) in Frankfurt am Main (2006) und Augustinermuseum in Freiburg im Breisgau (2020, 2010 wiedereröffnet).

Derzeit auch im Bau ist das Großprojekt Terminal 3 am Flughafen Frankfurt (2023). Desweiteren zu nennen sind die Büro- und Geschäftshäuser wie beispielsweise das das prägnante Eingangsbauwerk der Frankfurter Luxusmeile „Goethe 34“ (2016) ebenso wie die Wohnbauten Energiebilanz-Häuser Schlettweinstraße (2016) und Friedrich-List-Straße (2017) in der Frankfurter Riederwald-Siedlung – stets im Bewusstsein, dass jede Architektur ein Stück Stadt ist.

Zu den Schlüsselprojekten des Büros sind mit ihrer Fertigstellung gleichnamige Buchpublikationen erschienen – „Kunsthalle Portikus Frankfurt am Main“ 2006 im Niggli Verlag, im Berliner Jovis Verlag erschienene Bücher sind 2010 „OpernTurm Frankfurt am Main“, 2012 „Tower 185 Frankfurt am Main“ und 2014 „Zoofenster Berlin“, die Publikation „Augustinermuseum Freiburg im Breisgau“ erschien 2011 im Freiburger Rombach Verlag.

Seit 2008 ist er als Direktor und Begründer des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst Berater für zahlreiche Städte in Deutschland. Das Deutsche Institut für Stadtbaukunst, an der TU Dortmund gegründet und seit 2018 in Frankfurt am Main ansässig, widmet sich der Erforschung und Lehre der Kunst des Städtebaus. Unter dieser Kunst wird zweierlei verstanden: zum einen wird der künstlerische Charakter des Städtebaus betont, die ästhetisch-gestalterische Seite der Stadt. Zum anderen wird damit die Kunst gemeint, im Städtebau unterschiedliche Aspekte wie soziale, ökonomische, politische, ökologische, technische und kulturelle Anforderungen in der Gestaltgebung der Stadt zusammenzubringen. Diese Kunst, ein multidisziplinäres Verständnis der Stadt in der Stadtgestalt zusammenzuführen, ging mit den reduktionistischen Auffassungen einer funktionalistischen, soziologischen oder verkehrstechnischen Stadtplanung weitgehend verloren, prägte aber den jungen Urbanismus des frühen 20. Jahrhunderts, der dafür den Begriff der Stadtbaukunst verwendete. Daran knüpft das Institut für Stadtbaukunst an. Das Institut will die in den letzten Jahrzehnten auseinander gedrifteten Disziplinen Architektur, Stadtplanung, Raumplanung, Grünplanung, Verkehrsplanung und Tiefbau wieder zusammenführen.

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