Architektur und Stadtplanung in Frankfurt - Professor Christoph Mäckler im Gespräch über die Zukunft der Stadt

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Wünsche, Warnungen und Prognosen:
Was passiert mit Frankfurt am Main?

Architekt und Städtebauer Prof. Christoph Mäckler im Gespräch

Der Architekt Christoph Mäckler hat mit seinem Architekturbüro MÄCKLERARCHITEKTEN das Stadtbild von Frankfurt am Main geprägt wie kaum ein anderer Architekt. Zu seinen Entwürfen in der Main-Metropole zählen das Deutsche Romantik-Museum, das Geschäftshaus Goethestraße 34 am Opernplatz, die innerstädtische Nachverdichtung Wohnen am Dom sowie die Neugestaltung der Alten Brücke mit der Kunsthalle Portikus.

Auch zahlreiche Entwürfe für Hochhäuser gehen auf das Konto von Christoph Mäckler, wie der OpernTurm und der Tower 185. Derzeit setzt sein Büro außerdem den Entwurf für das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen um. Als Direktor des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst ist er Berater zahlreicher Städte. Herr Mäckler hat außerdem als Vorsitzender des DomRömer-Gestaltungsbeirats die Neue Frankfurter Altstadt maßgeblich mitgeprägt.

Grund genug, mit dem Architekten über seine Liebe zu Frankfurt und neue Stadtviertel zu sprechen, insbesondere aber auch im Hinblick auf ständig steigende Immobilienpreise sowie Auswirkungen der Coronakrise.

SKYLINE ATLAS: Hallo Herr Mäckler, schön, dass Sie sich die Zeit genommen haben für unser Gespräch. Unsere Leser haben sich im Vorfeld Gedanken gemacht, um Fragen einzureichen. Es besteht ein großes Interesse am Hochhausbau in Frankfurt, aber auch in anderen deutschen Städten tut sich diesbezüglich etwas. Was sagen Sie zu dem Trend?

Prof. Christoph Mäckler: Also zunächst einmal ist ein Hochhaus ein Bauprojekt, was, wenn es gut gemacht ist, sehr viel Wirtschaftlichkeit innehat, gleichzeitig auch das Stadtleben fördern kann.

Dazu ist es notwendig, dass man vor allem auf den Fuß des Hochhauses schaut, weil der Sockel ist der Bereich des Hochhauses, der den Stadtkörper berührt. Und das tun die wenigsten Beteiligten, vor allem die wenigsten Städte.

Ein Hochhaus kann abstoßend sein. Ein Hochhaus kann einladend sein. Es kommt deshalb einfach drauf an, wie die Erdgeschoss-Zonen geplant sind. Die Höhe des Hochhauses ist, solange es wirtschaftlich ist, für meine Begriffe völlig frei.

In Deutschland sind Hochhäuser mit mehr als 200 Metern Höhe wenig realistisch, weil die Vermarktung nicht sehr einfach ist. Für die Stadtentwicklung selbst ist es wichtig, dass ein Hochhaus richtig an den öffentlichen Nahverkehr angebunden ist. Das Hochhaus muss sich außerdem nahtlos einfügen in den städtischen Raum. Das heißt, es darf nicht zu nah an identitätsstiftenden Gebäuden der Stadt stehen. Denken Sie an Hamburg, denken Sie an München. Dort wird das auch praktiziert. In Frankfurt sieht das etwas anders aus mit seiner Hochhauskulisse. Die Stadt ist in ihrer Identität nach dem Krieg komplett zerstört worden und brannte in einer Nacht komplett nieder, weil es eine Fachwerkstatt war.

Und deshalb macht es hier durchaus Sinn, neue Hochhäuser in Pulks zu errichten und nicht über die ganze Stadt zu verstreuen.

Außerhalb von Frankfurt hat das Thema Hochhaus natürlich auch seine Berechtigung. Aber es funktioniert nur dann, wenn für Hochhäuser ein Bedarf vorhanden ist. Daher kann ich mir auch in anderen Großstädten wie Leipzig, Düsseldorf oder auch Hamburg neue Hochhäuser gut vorstellen. Prinzipiell sind Hochhäuser besser als flach liegende, riesige Baukörper mit hunderten von Metern monotoner langer Fassaden im Stadtraum. Dann lieber einen kleinen Sockel und dafür ein hohes Hochhaus.

Christoph Mäckler - fotografiert von Thorsten Jansen Photography in Frankfurt - Architekturfotografie

Prof. Christoph Mäckler – fotografiert von Thorsten Jansen

MÄCKLERARCHITEKTEN in Frankfurt am Main - Architekturbüro FFM
Architekten Büro FFM - MÄCKLERARCHITEKTEN
Prof. Christoph Mäckler vor "seinem" OpernTurm (ganz rechts)

SKYLINE ATLAS: Was sind neben Multi-Funktionalität und nachhaltigen Konzepten weitere wichtige Faktoren, um die Stadt in der Zukunft nicht nur als ein Investitions-Hotspot verkümmern zu lassen?

Prof. Christoph Mäckler: Die Multi-Funktionalität, die wir als funktionale Mischung bezeichnen, ist das A und O für die Lebendigkeit der Stadt. In der Stadt muss gearbeitet und gleichzeitig gewohnt werden. Die Stadt braucht darüber hinaus eine hohe Dichte. Es müssen viele Menschen im städtischen Raum leben. Dichte ist bei vielen Planern unverständlicherweise heute ein Schimpfwort wie Beton in der Architektur. Aber die alten Städte sind alle sehr, sehr viel dichter als das, was wir derzeit bauen. Das wird gerne vergessen.

Dichte führt dazu, dass viele Menschen an einem Ort leben. Und wenn viele Menschen in einer Stadt leben, dann können dort auch viele Geschäfte existieren. Das sehen Sie in vielen Teilen Berlins, aber auch in Hamburg und München. Dort, wo dicht gebaut ist und viele Menschen leben, gibt es einfach Lebendigkeit, Begegnung und ausreichend Kaufkraft.

Architekt Christoph Mäckler - MÄCKLERARCHITEKTEN

Das nächste, was wichtig ist, also gleich nach der Dichte und der funktionalen Mischung ist, dass es eine soziale Vielfalt gibt. Das heißt, sie müssen große und kleine Wohnungen anbieten. Es muss auch geförderten Wohnungsbau und nicht nur frei finanzierten Wohnungsbau geben, sodass sich die gesamte Gesellschaft mit ihren unterschiedlichen Einkommensschichten in der Stadt abbildet. Das ist eines der wesentlichen Elemente im Städtebau für den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft!

Eine wichtige Voraussetzung, die meist im Städtebau komplett vergessen wird, ist die Trennung von privaten und öffentlichen Räumen. Der öffentliche Raum der Stadt ist der Straßenraum und der Platzraum. Hier kann sich jeder bewegen, der auf dieser Welt geboren ist. Der öffentliche Raum ist der soziale Raum unserer Gesellschaft, ein Raum der Begegnung. Auf dem  Privatraum der Europäischen Stadt stehen die Häuser mit ihren Höfen und Gärten. Sie sind privat und müssen privat bleiben. Eine Durchwegung führt dazu, dass die soziale Kontrolle aufgehoben wird. Wir brauchen private Räume, Hofräume als Ergänzung zur Wohnfläche in der Stadt – als weiteres, ganz wichtiges Element des Städtebaus.

Dann braucht eine Stadt Grün. Aber nicht so, wie wir das heute planen: Dass wir auf eine grüne Fläche lauter Häuschen oder Häuser sprenkeln. Sondern man braucht öffentliche städtische Räume von Straßen, mit groß gewachsenen Bäumen, Boulevards oder Alleen, die zu Luftschneisen werden. Und wir brauchen mehr städtische Parks. Der städtische Park ist völlig außer Mode geraten, weil wir glauben, mit der lockeren durchgrünten Stadt städtisches Leben entwickeln zu können. Das ist aber grundsätzlich falsch und muss verändert werden. Das heißt, der öffentliche Parkraum ist ein wesentliches Element der Stadtentwicklung. Und dieser Park gehört zur Stadt, wie das Haus und die Straße und der Platz zur Stadt gehören und muss eben auch als Landschaftsraum geplant und angelegt werden.

SKYLINE ATLAS: Der große Zuzug von Menschen in Ballungsräume wie den Großraum Frankfurt stellt die Lokalpolitik überall vor Herausforderungen. Viele Menschen wollen zentrumsnah wohnen, finden aber auch dort kaum eine bezahlbare Wohnung.

Prof. Christoph Mäckler: Das liegt einfach daran, dass wir keine Zentren mit den zuvor genannten Kriterien bauen. Wir bauen keine neuen Städte, sondern es werden Quartiere gebaut, denen die Mischnutzung, Dichte und soziale Vielfalt fehlen.

Und weil dies so ist, möchten alle eben in die alten Stadtteile hinein. Denn die alten Stadtquartiere haben Dichte, sie haben soziale Vielfalt und sie haben funktionale Diversität und sie haben die klare Trennung von öffentlichem Straßenraum und privatem Hof- oder Gartenraum. Diese strikte Trennung in Privat und Öffentlich gibt es übrigens nach wie vor im Einfamilienhausgebiet. Warum also nicht auch im Mietwohnungsbau der Stadt?

SKYLINE ATLAS: Warum werden dann nicht mehr von solchen Gebieten gebaut?

Prof. Christoph Mäckler: Das liegt ganz einfach daran, dass wir Baugesetze haben, wie die Baunutzungsverordnung oder die TA Lärm (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm), die es verhindern, dass genau so gebaut werden kann, wie wir heute am liebsten leben. Das weiß seit der Düsseldorfer Erklärung“des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst auch die Politik. Mehr als 100 Städten haben die Düsseldorfer Erklärung unterzeichnet, in der wir dafür eintreten, die Baugesetzgebung zu ändern.

SKYLINE ATLAS: Kommen wir einmal auf das Frankfurter Europaviertel zu sprechen. Man liest diesbezüglich nicht viel Gutes. Insbesondere die architektonische Qualität und Weitläufigkeit wird immer wieder kritisiert. Wie sehen Sie das?

Prof. Christoph Mäckler: Also es ist weniger die Weitläufigkeit noch ist es die architektonische Qualität. Es ist der Mangel an funktionaler Mischung und sozialer Vielfalt, die das Viertel am Tage leblos gestalten. Sie können dort, wo am Tage keine Menschen sind, weil dort nicht gearbeitet wird, kein Café aufmachen. Da kann kaum ein Geschäft eröffnen. Es ist leider eine sehr monofunktionale Struktur, wie in vielen deutschen Städten und liegt nicht an der konkreten Planungspolitik in Frankfurt, sondern meist an den Investoren, die andere Vorstellungen haben.

Europaviertel Frankfurt aus der Luft - Luftaufnahme Oktober 2020

SKYLINE ATLAS: Es gibt eine rege Diskussion um die Zukunft der Doppelanlage aus Schauspiel und Oper. Was halten Sie von den verschiedenen Plänen und dem Versuch der Etablierung einer Kulturmeile? Macht die von einer Bürgerinitiative vorgeschlagene Rekonstruktion des Historischen Schauspielhauses heute noch Sinn?

Prof. Christoph Mäckler: Also die letzte Frage beantworte ich eindeutig mit Nein. Das historische Schauspiel und unsere historische Oper entstanden in den 1960er Jahren in einer von den Architekten Apel Becker und Beckert (ABB) geprägten Zeit. Das ist ein wunderbarer Bau. Wenn er erhalten werden könnte, wäre ich der erste, der überhaupt von einem Abriss absehen würde. Ich habe mich immer dagegen gewehrt und ich habe eine gewisse heimliche Hoffnung, dass in Zeiten der Pandemie, die ja dazu führen wird, dass es auch weniger Geld geben wird, doch einmal darüber nachgedacht wird, dass man das historische Haus tatsächlich saniert – insbesondere da das Foyer nun unter Denkmalschutz steht.

Wenn es uns selbst gehören würde, dann würden wir die Theater-Doppelanlage sanieren. Wenn es nichtdestotrotz einen Neubau geben soll und muss, dann halte ich von dem Plan der Kulturmeile unserer Kulturdezernentin Ina Hartwig sehr viel. Eine Kulturmeile würde einen attraktiven öffentlichen Raum in der Innenstadt mit hoher Aufenthaltsqualität und großer Lebendigkeit schaffen und die Wallanlage zum Main hin öffnen. In unserer gutachterlichen Stellungnahme hierzu wird darauf hingewiesen, dass das Grün der Wallanlagen weder zerstört noch vermindert wird.

Die Theater-Doppelanlage an der Gallusanlage in Frankfurt - Abriß oder Sanierung?

SKYLINE ATLAS: Derzeit finden umfangreiche Baumaßnahmen im Frankfurter Hauptbahnhof statt, mit dem Ziel, den Bahnhof zukunftsgerecht zu machen. Wer jedoch den Bahnhof verlässt, landet auf einem unansehnlichen Bahnhofsvorplatz. Hier prägen notdürftig wiederhergestellte Bauten und komplizierte Wegeverbindungen das Stadtbild. Und dann ist da noch das Bahnhofsviertel mit seinen ganz eigenen Problemen. Wie könnte man dieses Gebiet neu denken, damit es ein angemessenes Entrée zur Stadt wird?

Prof. Christoph Mäckler: Der Bahnhofsvorplatz ist eine Unverschämtheit. Er gehört der Deutschen Bahn und nicht der Stadt Frankfurt. Wer so mit dem öffentlichen Raum umgeht, zeigt, dass ihm seine Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit nicht bewußt ist, und deswegen sieht dieser Platz so aus, wie er aussieht. Er sieht aber schon seit Jahrzehnten so aus und die sogenannte B-Ebene der Bahn hat den gleichen desolaten Zustand. Im Grunde genommen müsste die gesamte B-Ebene genutzt werden, um den Verkehr dort unten durchzuleiten, sodass man oben Fläche hätte, um beispielsweise den Ankommenden des Bahnverkehrs genügend Raum zu geben, um auf die öffentlichen Verkehrsmittel und die Taxis umzusteigen. Dem Platz fehlt seine Umsteigefunktion.

Ein Unternehmen wie die Deutsche Bahn leistet es sich, in Stuttgart ein milliardenschweres Projekt zu stemmen, was lediglich dazu führt, dass man 30 Minuten schneller in München ist. Aber dann hier an einem der zentralen Drehscheiben für den Verkehr in Deutschland den Bahnhofsvorplatz so verdrecken und verkommen zu lassen, ist ein Skandal.

Bahnhofsvorplatz Frankfurt am Main - HBF Frankfurt
HBF Frankfurt - Der Vorplatz am Hauptbahnhof ist unansehnlich - Kritik an der Deutschen Bahn wird lauter

SKYLINE ATLAS: Die Neue Altstadt gilt heute als ein großer Erfolg. Sie haben als Vorsitzender des DomRömer-Gestaltungsbeirat die Neue Frankfurter Altstadt maßgeblich mitgeprägt. Wie geht es in diesem Bereich irgendwann weiter? Gibt es Möglichkeiten, um die Attraktivität der Stadt in diesem Bereich zu verbessern?

Prof. Christoph Mäckler: Ja, natürlich sowohl baulich als auch inhaltlich. Wenn so etwas neu gebaut ist, dann müssen erst einmal ein paar Generationen dort leben, um dieses Areal als „Zuhause“ zu adaptieren. Im Moment ist mir die Altstadt am Abend zu tot. Die Häuser sind mir zu wenig belebt, denn es sind oft Zweitwohnungen oder Zweithäuser, die dort entstanden sind. Das ist sehr schade.

Ansonsten glaube ich, dass man an dem DomRömer-Projekt sehr gut nachvollziehen kann, wie guter Städtebau vor allem durch eine intensive politische Begleitung, aber auch durch das Hinzufügen eines Gestaltungsbeirats mit ausgewiesener Kompetenz  entwickelt werden kann. Man entwickelt gemeinsam ein Konzept und, das ist das Wesentliche, man begleitet das Bauvorhaben durch die Politik. Das hat über all die Jahre gut geklappt und war vorbildlich. Und wenn die Politik diese erfolgreiche Vorgehensweise verstehen würde, dann würde sie diese auch bei Neubaugebieten zur Anwendung bringen. Dann würden sich die Politiker alle sechs Wochen hinsetzen und kontrollieren, dass die erwarteten Qualitäten auch umgesetzt werden. Noch einmal: Das war beim DomRömer-Projekt vorbildlich und das ist leider etwas, was in der Bundesrepublik Deutschland bisher von der Politik so bisher überhaupt nicht verstanden wird.

In der Politik ist der Baubereich nicht der wichtigste Bereich. Überlegen Sie sich einmal was passiert, wenn der Bundestag neu gewählt wird. Das letzte, was stets an Ministerien vergeben wird, ist die Baubehörde. Seit über 20 Jahren ist das Ressort nicht mehr eigenständig, sondern wird dem Verkehrsministerium oder jetzt dem Ministerium des Inneren und Heimat untergeordnet. Der Städtebau läuft einfach nebenher. Das ist ein richtig großer Fehler.

Prof. Christoph Mäckler (MÄCKLERARCHITEKTEN, Frankfurt a.M.) - Architekt und Städtebauer - Interview Oktober 2020

SKYLINE ATLAS: Durch den Zweiten Weltkrieg verlor der Rathausturm „Langer Franz“ sein spektakuläres Dach. Seitdem steht er nicht weit entfernt zur Paulskirche und fristet ein eher kümmerliches Dasein. Jetzt wollen Sie dem Turm seinen Abschluss zurückgeben. Was genau steckt dahinter und wie kann man unterstützen?

Prof. Christoph Mäckler: Das schließt wunderbar an das zuvor Gesagte an. Unsere städtischen Politiker, die Menschen, die wir wählen, dass sie uns in der Stadt verwalten und umsorgen, sitzen 75 Jahre nach Beendigung des 2. Weltkriegs noch immer in einer Rathaus-Ruine. Wenn Sie heute den einen oder einen anderen Frankfurter Politiker fragen, dann erleben Sie oft, dass die Leute gar nicht wissen, dass Frankfurt mal einen Rathausturm hatte. Können Sie sich das Rathaus in Hamburg oder München mit einer Noteindeckung aus Dachpappe vorstellen? Nein, das gibt es nur in Frankfurt. Und es geht streng genommen auch nicht nur um diesen einen Rathausturm, sondern es ist die ganze Dachlandschaft. Es sind der „Lange Franz“ und der „Kleine Cohn“ und es ist das Dach auf der Kämmerei. Es sind die Dachgiebel an der Bernauer Straße und viele weitere kleine Türmchen und Teile, die dem Frankfurter Rathaus fehlen.

Wir haben deshalb eine Initiative gegründet namens Neuer Brückenbauverein. Dieser Brückenbauverein hat mittlerweile eine Viertelmillion Euro eingesammelt von über 350 Spendern. Das sind Frankfurter, die der Meinung sind, dass ihr Rathaus wiederaufgebaut werden muss. Darum kümmere ich mich auch. Der Rathausturm, und das ist interessant und weiß kaum einer, steht ja hinter dem Rathaus. Er steht nicht etwa am Rathausplatz, sondern hinten an der letzten Ecke des Rathauses. Und das hat unter anderem etwas damit zu tun, dass es hier ein städtebauliches Ensemble zwischen Braubachstraße und Rathausturm, aber auch zwischen dem Hauptbahnhof und dem Rathausturm gibt. Man hat am Ende des 19.Jahrhunderts den Frankfurter Hauptbahnhof errichtet, 1888 eröffnet, und der Anreisende am Hauptbahnhof hat durch die Münchener Straße hindurch über alle Dächer hinweg zum Zentrum der Stadt geschaut. Sie sehen den Rathausturm auch heute noch von der Münchener Straße aus, obwohl es nur noch einen Turmstumpf gibt. Er war als Wegweiser ins Zentrum der Stadt geplant, sozusagen der erste Blick zur repräsentativen Verwaltung dieser Stadt.

Langer Franz - Wiederaufbau Rathausturm Frankfurt - Spendenaktion Neuer Brückenbauverein

Der Neue Brückenbauverein sammelt Spenden für den Wiederaufbau des Rathausturms „Langer Franz“.

Jeder kann mithelfen!
Mehr zur Aktion

SKYLINE ATLAS: Wo wir wieder beim Thema Türme sind. In den letzten Jahren entstehen bei neuen Hochhäusern in Frankfurt relativ schlicht gehaltene Baukörper, die nicht immer einladend sind. Die Qualität der Architektur scheint sich in den letzten Jahren nicht besonders zu verbessern, auch wenn ein Architektenwettbewerb durchgeführt wurde. Helfen vielleicht mehrstufige Wettbewerbe, statt geschlossener Wettbewerbe, eine Ergebnisoffenheit und damit eine bessere Architektur zu erreichen?

Prof. Christoph Mäckler: Also eine bessere Architektur wird so auf alle Fälle erreicht. Wenn Sie offene Wettbewerbe machen, dann ist das zwar sehr mühsam. Vielleicht muss man sie nicht gleich ganz offen machen, sondern etwas einschränken. Aber man sollte immer auch schauen, dass junge Architekten die Chance haben, an Wettbewerben teilzunehmen. Ein Hochhaus ist ein sehr komplexes Gebilde und jeder Fehler, den sie in einem Geschoss machen, kann bei der Vielzahl der Geschosse letztendlich im Ruin des eigenen Büros enden. Daher kommen in der Regel vor allem erfahrene Büros zum Einsatz.

Dass diese Häuser prinzipiell meistens aus Glas sind und dünne Wände haben, das liegt auch wieder an unseren Baugesetzen. Wenn Sie eine Geschossflächenzahl ausrechnen, also die sogenannte GFZ, dann ist das immer die Bruttogrundfläche, die berechnet wird. Das heißt, es wird nicht die vermietbare Fläche zur Berechnung genommen, sondern die Brutto-Fläche inklusive aller Wände.

Wenn Sie laut Vorgaben 1.000 Quadratmeter bauen dürfen, dann sind das 1.000 Quadratmeter brutto, das heißt sie müssen die Wände abziehen, um zur vermietbaren Fläche zu kommen. Und man fragt sich, warum das eigentlich so sein muss. Wieso basiert die Berechnung auf Grundlage der Bruttogrundfläche? Es ist ein großes Übel, dass dies so ist.

Denn: Bei Verwendung der Bruttogrundfläche entstehen immer wieder Diskussionen wegen der Wanddicken, sodass zum Nachteil des städtischen Raumes meist dünne Glasfassaden zum Einsatz kommen. Wenn Sie sich jetzt überlegen, was nur 10 Zentimeter ausmachen in einem Bauwerk, das wie der Opernturm vielleicht einen Umfang von 160 Metern hat. Dann verlieren sei pro Geschoß 16 Quadratmeter vermietbarer Fläche. Bei einem normalen Bürohaus mit 7 Geschossen verlieren sie über 100 Quadratmeter und beim OpernTurm mit seinen 40 Geschossen über 600 Quadratmeter vermietbarer Fläche.

Und daher sage ich, dass auch diesbezüglich die Bundesbaugesetze verändert werden müssen, weil man auch Bauherren von Hochhäusern zugestehen muss, dass sie damit auch Geld verdienen wollen. Würde der Gesetzgeber die Regelungen anpassen, könnte es auch plötzlich Hochhäuser mit in die Tiefe gestalteten Fassaden geben.

Die meisten Hochhäuser sind aus Glas und nur ganz wenige haben eine strukturierte und gestaltete Steinfassade, die überdies im Gegensatz zur Ganzglasfassade durch die Reduzierung von Kühlenergie energetisch deutlich besser abschneidet.

OpernTurm Frankfurt - Entworfen von Prof. Christoph Mäckler - Modell des Hochhauses im Büro von MÄCKLERARCHITEKTEN

Der von MÄCKLERARCHITEKTEN entworfene OpernTurm in Frankfurt hat eine bei Hochhäusern eher selten vorkommende Natursteinfassade.

SKYLINE ATLAS: Also, woran liegt das? Könnten Architekten das nicht mehr Vorschläge in die Politik eingeben, um beispielsweise die vermietbare Grundfläche als Kriterium heranzuziehen? Warum passiert das nicht stärker?

Prof. Christoph Mäckler: Weil die Politik dies nicht versteht oder sich dafür zu wenig interessiert. Ich habe ein „Institut für Stadtbaukunst“ gegründet und wir haben in zehn Jahren ebenso viele Konferenzen in Düsseldorf abgehalten mit Hunderten von Baudezernenten, Politikern, Planern, Wissenschaftlern, Journalisten und weiteren Beteiligten. Im letzten Jahr haben wir die „Düsseldorfer Erklärung“ herausgegeben, die derartige Veränderungen an den Baugesetzen vorschlägt. Die Erklärung wurde von Politikern, Baubürgermeistern, Planungsdezernenten und Amtsleitern aus mehr als 100 Städten der Bundesrepublik Deutschland unterschrieben. Sie sehen also: es gibt durchaus den Willen, Bundesgesetze wie die Baunutzungsverordnung oder die TA Lärm ändern zu wollen.

Bei diesen 100 Städten bleibt kaum eine größere Stadt in Deutschland übrig, die fehlt. Alle Großen sind dabei, von Hamburg bis runter nach München und von Hannover über Frankfurt, Würzburg bis nach Nürnberg. Man braucht offenbar einen langen Atem.

Professor Mäckler - CMA Frankfurt am Main

SKYLINE ATLAS: Haben Architekten zu wenig Mut, wenn es um innovative Architektur geht. Oder liegt es an den Bauherren, dass spektakuläre Entwürfe nicht umgesetzt werden?

Prof. Christoph Mäckler: Was meinen Sie mit Mut und was ist denn überhaupt spektakuläre Architektur? Ja, wenn Sie ein Hochhaus bauen, dann finde ich das durchaus angemessen, dass ein solches Gebäude als Solitär etwas Besonderes hat. Aber die normalen Häuser der Stadt, die bilden den städtischen Raum, mit Straßen und Plätzen, und da ist spektakuläres Bauen nicht angesagt. Und man muss sehen, dass 95 Prozent der Bauaufgaben, die wir Architekten zu erledigen haben, ganz normale Häuser sind, die sich dem städtischen Raum unterordnen – oder ihn aktiv als Ensemble zu gestalten haben.

Da scheint das Wort „spektakulär“ nicht angebracht zu sein. Häuser müssen gut proportioniert und gestaltet sein und sie müssen den städtischen Raum mit ihren Straßenfassaden ergänzen. Das, was wir an beiden Seiten der Straße sehen, ist ja nur die Straßenfassade der Häuser, hinter der gewohnt und gearbeitet wird.

Das Spektakuläre finden Sie vielleicht bei einem Hochhauspreis. Da braucht man einen Hüftschwung oder ein Haus, was schief im Wind steht oder auf 100 Metern Höhe mit Waldbäumen bepflanzt wird. Das hat aber rein mit der Dekadenz unserer Zeit zu tun. Mit architektonischer Qualität hat das Spektakuläre nichts zu tun. Und es hilft auch dem Bürger in keiner Weise. Denn unser Beruf ist zutiefst unserer Gesellschaft verpflichtet, und da geht es nicht um unsere Selbstdarstellung.

SKYLINE ATLAS: Im Jahr 2020 schlug die Coronakrise unvermittelt in das gesellschaftliche Leben ein. Welche Konsequenzen hat COVID-19 auf die Arbeit von Architekten und Bauplanung?

Prof. Christoph Mäckler: Keine, eindeutig keine. Wenn wir jetzt anfangen, der Stadt eine Ideologie aufzudrängen, wie wir sie in den letzten Jahrzehnten hatten, dann tun wir nichts Gutes. Die Stadt ist die Stadt und sie kommt zuerst. Krankheiten gibt es zu jeder Zeit.

SKYLINE ATLAS: Das hätten wir so nicht erwartet. Welche planerischen Auswirkungen hat dies für die Konzeption z.B. des von Ihnen gestalteten Terminal 3 in Frankfurt? Gibt es daran Veränderungen?

Prof. Christoph Mäckler: Nein. Wir sind mitten im Bauen. Da drehen sich mehr als 50 Kräne, da können sie nicht anfangen, große Veränderungen vorzunehmen, sonst landen sie da, wo der Berliner Flughafen gelandet ist.

Der Entwurf des Terminal 3 ermöglicht eine modulare Entwicklung des Terminals. Das Konzept kann zu jeder Zeit erweitert oder verändert werden, ohne die Architektur des Gesamtgebäudes zu beeinträchtigen. Wir wissen alle, wie häufig Flughäfen an neue Sicherheitsstandards, neue Flugzeuge oder geänderte Bedürfnisse der Passagiere angepasst werden. Bürointern nennen wir den Entwurf deshalb auch das „wachsende Terminal“.

Frankfurt Terminal 3 - Flughafen Frankfurt - Entworfen von Christoph Mäckler

SKYLINE ATLAS: Das Planungsdezernat arbeitet an einer Neuauflage des Hochhausentwicklungsplans. Hierzu sind schon einige Ansätze durchgesickert. Es soll untersucht werden, wo südlich des Hauptbahnhofs und im Frankfurter Ostend Hochhäuser entstehen können. Was ist Ihre Meinung dazu?

Prof. Christoph Mäckler: Ich halte den Frankfurter Osten mit seiner neuen Lebendigkeit für einen Standort, der durchaus hochhaustauglich ist.

SKYLINE ATLAS: Was glauben Sie, wie Frankfurt in 20 Jahren aussehen wird? Was werden die Herausforderungen sein?

Prof. Christoph Mäckler: Die Herausforderung wird sein, dass wir Städte so bauen, dass Menschen sich darin begegnen können und sich wohlfühlen, dass wir Platz- und Straßenräume bauen, und städtische Parkanlagen schaffen, dass wir also städtebauliche Entwicklungen haben, die dem Menschen unserer Zeit und ihren Bedürfnissen zu leben angemessen sind. Ein wichtiges Kriterium ist die städtebauliche Gestalt, die maßgeblich von den Häusern und ihren Straßenfassaden oder Platzfassaden bestimmt wird.

Was wir Architekten uns zu selten klarmachen ist, dass es im deutschen Sprachgebrauch die „Straßenfassade“ und die „Hoffassade“ gibt. Es gibt Straßenfenster und es gibt Hoffenster. Die repräsentativen Fassaden befanden sich immer an der Straße. Das heißt, man hat die Straße geschmückt, man hat sie mit einer Hausfassade, die zu einem öffentlichen Raum ausgerichtet ist, schöner gemacht, damit ein bauliches Ensemble geschaffen wird. Man hat nicht spektakulär gearbeitet. Spektakulär heißt nämlich sich dem, was an Bestand da ist, entgegen zu setzen. Und genau davon müssen wir Architekten runterkommen. Wir müssen wieder lernen, im Detail zu arbeiten, mit den Materialien, die uns zur Verfügung stehen. Und man kann das im Übrigen wunderbar am DomRömer-Viertel sehen, denn da können Sie sehen, wie junge Architekten/Architektinnen und Kollegen/Kolleginnen wie Meinhard Morgner modernste Häuser bauen. Das sind Giebelhäuser mit Schieferdach. Und wenn so etwas geht, wenn man das dann nachgewiesen hat, dann müssen wir Architekten nochmal darüber nachdenken, wie Stadt sich in Zukunft darstellt und was das für unsere Architektur bedeutet.

Modern vs historisierend: Markt 30 im DomRömer-Viertel - entworfen von Meinhard Morgner

Markt 30 von Meinhard Morgner im DomRömer-Viertel

SKYLINE ATLAS: Ein schönes Schlusswort, vielen Dank für das Gespräch.

Das Büro von MÄCKLERARCHITEKTEN - hier wird viel gearbeitet!
Voll im Einsatz: Thomas Gessner dreht den Videoteil zum Interview: 5 Fragen an... Prof. Christoph Mäckler
Support und Filmcrew: Danke an MÄCKLERARCHITEKTEN für die tolle Unterstützung! Von links nach rechts: Michael Wutzke - Ellen Denk - Caroline Mohler - Thomas Gessner

5 Fragen an...

Christoph Mäckler hat im Rahmen unserer Videoreihe „5 Fragen an…“ weitere Antworten gegeben. Für die Wiedergabe bitte auf das Symbol zum Abspielen klicken.

Alternativ: Video auf Youtube ansehen

Zur Person: Prof. Christoph Mäckler

Berufliche Laufbahn

Der Architekt Christoph Mäckler hat mit seinem Architekturbüro MÄCKLERARCHITEKTEN das Stadtbild von Frankfurt am Main geprägt wie kaum ein anderer Architekt.

Christoph Mäckler, 1951 in Frankfurt am Main geboren, erhielt seine Ausbildung am humanistischen Gymnasium und später als Architekturstudent an der Technischen Hochschule in Aachen (Diplom 1980).

Bereits 1979 wurde er mit dem Schinkelpreis ausgezeichnet. 1981 gründete er ein eigenes Büro für Architektur und Städtebau in Frankfurt am Main.

Von 1998 bis 2018 war er ordentlicher Professor für Städtebau an der TU Dortmund und berät seit 2008 als Direktor und Gründer des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst zahlreiche Städte.

Mitgliedschaft bei Organisationen

Seit 2001: Kuratoriumsmitglied im Verein Atlantik-Brücke e.V.
Seit 2006: Gründungs- und Vorstandsmitglied im Neuen Brückenbauverein e.V. in Frankfurt a.M.
Seit 2008: Gründer und Direktor des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst an der TU Dortmund
Seit 2009: Mitglied in der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung
2009–2018: Vorsitzender im Gestaltungsbeirat für die Bebauung des DomRömer-Areals in Frankfurt a.M.
Seit 2013: Mitglied BDA Dortmund Hamm Unna
Seit 2017: Mitglied im Gestaltungsbeirat Münster, seit 2020 Vorsitz
Seit 2019: Mitglied (Vertreter) im Gestaltungsbeirat Soest

Auszug realisierter Bauten

2024: Terminal 3, Flughafen Frankfurt a.M. (Inbetriebnahme 2025/26)
2020: Deutsches Romantik-Museum, Frankfurt a.M.
2017: Wohnbauten Friedrich-List-Straße, Riederwald-Siedlung, Frankfurt a.M.
2016: Energiebilanz-Häuser, Schlettweinstraße, Riederwald-Siedlung, Frankfurt a.M.
2016: Augustinermuseum, Freiburg i.Br. (2.BA)
2016: Goethestraße 34, Frankfurt a.M.
2014: One Goetheplaza, Frankfurt a.M.
2013: ZoofensterWaldorf Astoria, Berlin
2012: Tower 185, Frankfurt a.M.
2010: Augustinermuseum, Freiburg i.Br. (1.BA / Wiedereröffnung)
2009: OpernTurm, Frankfurt a.M.
2006: Kunsthalle Portikus, Frankfurt a.M.

Christoph Mäckler - fotografiert von Rainer Taepper Architekturfotografie

Prof. Christoph Mäckler – fotografiert von Rainer Taepper

Werdegang von Christoph Mäckler

Christoph Mäckler erhielt seine Ausbildung am Humanistischen Gymnasium und später als Architekturstudent an der Technischen Hochschule in Aachen (Diplom 1980). Bereits 1979 wurde er mit dem Schinkelpreis ausgezeichnet. 1981 gründete er ein eigenes Büro für Architektur und Stadtbereichsplanung in Frankfurt am Main. Für seine Bauten, die er als sehr junger Architekt schon 1987 in der Aedes Galerie in Berlin ausstellen konnte, erhielt er viele Preise.

Neben seiner Tätigkeit als freischaffender Architekt hat Christoph Mäckler sich mit zahlreichen kritischen Beiträgen immer wieder in die zeitgenössische Architekturdebatte eingebracht. Insbesondere hat er sich intensiv mit Fragen der Stadtstruktur seiner Heimatstadt Frankfurt am Main auseinandergesetzt: als Mitglied des Städtebaubeirates (1983–1996), mit einer detaillierten, analytisch-architekturhistorischen Betrachtung über Frankfurter Brücken (1984) und mit seinem einflussreichen „Frankfurt Projekt“ (1987), das im Deutschen Architekturmuseum gezeigt wurde. Diese frühe Studie – eine Auseinandersetzung mit dem Bautypus Hochhaus und dessen Einbindung in den städtebaulichen Kontext – zeugt von einem modernen Verständnis der Stadt, das auf einem ausgeprägten historischen Bewusstsein gründet. Der Gedanke, der gefährdeten europäischen Stadt eine geschichtlich begründete, strukturierte Ordnung zurückzugeben und neue Traditionen und Orte der Identifikation zu schaffen, der im Rahmen der Studie bereits ansatzweise formuliert ist, zieht sich wie ein Leitfaden durch sein weiteres Schaffen. Ihn präzisierte Mäckler 1987 im Workshop “architects under 35, la città e il fiume”, Florenz, und in seinen diversen Gastprofessuren: Internationale Gastprofessur seminario internationale di progettazione Castel Sant’Elmo, Neapel (1990–1991,1994–1995), Gastprofessur an der TU Braunschweig (1990–1991), Gastprofessur Universität Hannover (1995–1996). Diese Lehrtätigkeiten führten zu seiner Berufung als ordentlicher Professor an der Technischen Universität Dortmund, wo er von 1998 bis 2018 den Lehrstuhl für Städtebau leitete.

In seinen zahlreichen, von der Fachpresse kritisch aufgenommenen, manchmal kontrovers diskutierten Beiträgen zum Thema Stadt und ihre Schönheit plädiert Christoph Mäckler für die Einführung einer Gestaltungssatzung im öffentlichen Raum. Christoph Mäcklers Engagement für die Architektur bekundete sich auch in seiner Position als Vorstandsvorsitzender des Bundes Deutscher Architekten BDA, Frankfurt am Main, von 1991–1996. Seit 2009 ist Christoph Mäckler Vorsitzender des Gestaltungsbeirates der Stadt Frankfurt am Main, der die Aufgabe hat, der Stadt beratend zur Seite zu stehen, um die hohe gestalterische Qualität der Neubebauung des DomRömer-Areals sicherzustellen. Seit 2017 ist er zudem Mitglied im Gestaltungsbeirat der Stadt Münster. Für seine zweite Ausstellung in der Aedes-Galerie 1991 in Berlin formulierte Mäckler erstmals die Idee von einer „Rematerialisierung der Moderne“, die eine Versöhnung von Tradition und Moderne in der Architektur bedeutet. Sie schließt nicht nur die Wiedergewinnung von Oberfläche und Volumen, das Verständnis für die Materialbeschaffenheit eines Baukörpers und seine Alterungsfähigkeit ein, sondern auch die Selbstverständlichkeit im architektonischen Ausdruck. Sein Aufruf richtet sich gegen die Belanglosigkeit und Unbekümmertheit unserer Zeit, in der schon das einfache Zusammensetzen industrieller Produkte als Architektur bezeichnet wird, und ebenso gegen die bloße Selbstdarstellung des Architekten, einer Look-at-me-Architektur, bei der die Geschichte des Ortes und seines Werkstoffes außer Acht gelassen werden.

Dass die von Christoph Mäckler initiierte Debatte ein wesentliches Thema unserer Zeit getroffen hat, bezeugen zahlreiche Abhandlungen über seine Bauten in der Fach- und Tagespresse. Über das 1999 mit dem Dortmunder Lehrstuhl veranstaltete, internationale Symposium „Werkstoff“ erschien aufgrund großer Resonanz ein gesamtes Bauwelt-Heft mit den wichtigsten Vorträgen zum Thema. Die Buchveröffentlichung „Werkstoff Stein“ im Birkhäuser Verlag folgte im Jahr 2004. Das im Jahr 2008 erschienene Buch „Christoph Mäckler – Die Rematerialisierung der Moderne“ zeigt einen bemerkenswerten Querschnitt durch das bisherige Werk von Christoph Mäckler und verdeutlicht seine Auffassung einer Weiterentwicklung der Moderne.

„Jede Architektur beginnt mit der Geschichte des Ortes. Daraus entwickeln wir alles!“ Diese Haltung Mäcklers stellt in besonderem Maße eine Herausforderung bei der Planung von Gebäuden und deren Einbindung in den Stadtraum dar. Nah- und Fernwirkung der Bauten sprechen unterschiedliche Qualitäten an: „Die Schönheit der Gesamtform muss sich in der Nähe des Details bestätigen. Handwerkliche Kunst am Bauwerk wird dort erfahrbar, wo uns das Ertasten mit dem Auge nicht mehr ausreicht, dort wo es uns reizt, das Material zu betasten, uns die Schärfe einer Kante, die kratzige Härte eines mit Stockhammer bearbeiteten Steinsockels, die Geschmeidigkeit einer polierten Steinoberfläche mit dem Tastsinn zu verdeutlichen suchen.“ Die Dauerhaftigkeit von Steinfassaden ist ein wichtiges Kriterium auch bei der Nachhaltigkeit von Gebäuden. Der heute so wichtige Grundsatz einer energetisch optimierten Bauweise lässt sich nach Christoph Mäcklers Auffassung auch ohne erheblichen technischen Aufwand allein durch die richtige Wahl der Fassadenausbildung und -konstruktion erreichen.

Zu den bedeutenden Bauwerken des Büros zählen die Hochhausprojekte, Modernisierung CityHaus I der DZ-Bank (2008), OpernTurm (2009) und Tower 185 (2011) in Frankfurt am Main sowie das Waldorf Astoria – Zoofenster in Berlin (2012), ebenso wie die Museumsbauten Kunsthalle Portikus, Deutsches Romantik-Museum (2020) in Frankfurt am Main (2006) und Augustinermuseum in Freiburg im Breisgau (2020, 2010 wiedereröffnet).

Derzeit auch im Bau ist das Großprojekt Terminal 3 am Flughafen Frankfurt (2024). Desweiteren zu nennen sind die Büro- und Geschäftshäuser wie beispielsweise das das prägnante Eingangsbauwerk der Frankfurter Luxusmeile „Goethe 34“ (2016) ebenso wie die Wohnbauten Energiebilanz-Häuser Schlettweinstraße (2016) und Friedrich-List-Straße (2017) in der Frankfurter Riederwald-Siedlung – stets im Bewusstsein, dass jede Architektur ein Stück Stadt ist.

Zu den Schlüsselprojekten des Büros sind mit ihrer Fertigstellung gleichnamige Buchpublikationen erschienen – „Kunsthalle Portikus Frankfurt am Main“ 2006 im Niggli Verlag, im Berliner Jovis Verlag erschienene Bücher sind 2010 „OpernTurm Frankfurt am Main“, 2012 „Tower 185 Frankfurt am Main“ und 2014 „Zoofenster Berlin“, die Publikation „Augustinermuseum Freiburg im Breisgau“ erschien 2011 im Freiburger Rombach Verlag.

Seit 2008 ist er als Direktor und Begründer des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst Berater für zahlreiche Städte in Deutschland. Das Deutsche Institut für Stadtbaukunst, an der TU Dortmund gegründet und seit 2018 in Frankfurt am Main ansässig, widmet sich der Erforschung und Lehre der Kunst des Städtebaus. Unter dieser Kunst wird zweierlei verstanden: zum einen wird der künstlerische Charakter des Städtebaus betont, die ästhetisch-gestalterische Seite der Stadt. Zum anderen wird damit die Kunst gemeint, im Städtebau unterschiedliche Aspekte wie soziale, ökonomische, politische, ökologische, technische und kulturelle Anforderungen in der Gestaltgebung der Stadt zusammenzubringen. Diese Kunst, ein multidisziplinäres Verständnis der Stadt in der Stadtgestalt zusammenzuführen, ging mit den reduktionistischen Auffassungen einer funktionalistischen, soziologischen oder verkehrstechnischen Stadtplanung weitgehend verloren, prägte aber den jungen Urbanismus des frühen 20. Jahrhunderts, der dafür den Begriff der Stadtbaukunst verwendete. Daran knüpft das Institut für Stadtbaukunst an. Das Institut will die in den letzten Jahrzehnten auseinander gedrifteten Disziplinen Architektur, Stadtplanung, Raumplanung, Grünplanung, Verkehrsplanung und Tiefbau wieder zusammenführen.

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