HHEP Frankfurt - Hochhausentwicklungsplan 2021 - Wird der Hochhausplan zur Lachnummer? Hochhäuser Frankfurt - (c) Konstantin von Wedelstädt

Wird der neue Hochhausentwicklungplan zu einer Lachnummer für Frankfurt?

In den letzten Wochen hat Planungsdezernent Mike Josef (SPD) die Fortschreibung des Frankfurter Hochhausentwicklungsplans auf den Weg gebracht. Und zwar zufälligerweise kurz bevor im März 2021 die hessische Kommunalwahl stattfinden wird. Seitdem die neuen Standorte vor einigen Tagen durch die Lokalpresse gingen, war auffällig wenig Auseinandersetzung der Medien mit den vorgesehenen Standorten zu lesen. Die geplanten Hochhausquartiere schienen wie in Stein gemeißelt.

Dass gerade jetzt die Fortschreibung auf den Weg gebracht wird, wirft nicht nur wegen dem Timing Fragen auf. Auch die neu ins Spiel gebrachten Hochhausstandorte City Ost und westliches Mainufer sind derzeit nicht schlüssig. Im Ostend und am Mainufer sollen bzw. können nur Hochhäuser von geringer Höhe entstehen, bis vielleicht 100 Meter Höhe. Demnach bliebe nur das ohnehin eng bebaute Bankenviertel für neue Wolkenkratzer-Standorte übrig, das auch noch von Bahnhofsviertel, Westend und Oper eingegrenzt wird – diese sind Tabugebiete für eine Hochhausentwicklung.

Im Klartext bedeutet dies, dass für die nächsten 10 Jahre die Tür für höhere Hochhäuser bewusst zugeschlagen werden könnte (solange hat in der Regel ein Hochhausentwicklungsplan Gültigkeit).

Zur Erinnerung: Die ursprünglichen Hochhauspläne stammen aus dem Planungsdezernat in der Ära unter Martin Wentz, der auch seinerzeit das Büro von Jochem Jourdan mit der Ausarbeitung der Hochhausrahmenpläne beauftragte. Es war vor allem die Weitsicht des Martin Wentz, die Frankfurt zu seiner heutigen städtebaulichen Wahrnehmung in der Innenstadt gebracht hat.

Planungsdezernent Mike Josef von der SPD (links) im Gespräch mit dem SKYLINE ATLAS - Michael Wutzke (Mitte) und Thomas Gessner (rechts)

Planungsdezernent Mike Josef von der SPD (links) im Gespräch mit zwei Redakteuren des SKYLINE ATLAS (Oktober 2020)

Keine Beachtung im neuen Hochhausleitbild 2021 sollen jedoch naheliegende Standorte wie südöstlich des Europaviertels, der Stiftstraße und der östlichen Innenstadt haben, obwohl dort städtebaulich kaum eine Problematik besteht. Darüber wunderte sich im übrigen auch Florian Reineking (FDP), der damit den Auslöser für diesen Artikel hier gab. Ähnlich sieht es auch Frank Somogyi (CDU), der findet: „Das ohnehin dringend sanierungsbedürftige Gebiet zwischen Mainzer Landstraße, Hauptbahnhof und Hafenstraße würde sich eigentlich auch eignen.“

Das bedeutet: Den beauftragten Planungsbüros wird mit der (zu) engen politischen Vorgabe der Hochhaus-Standorte in Kombination mit der Höhenbegrenzung die Möglichkeit genommen, den Hochhausentwicklungsplan 2021 tatsächlich kreativ zu denken. Ein Mißerfolg ist damit vorhersehbar.

Die Situation beim Hochhausentwicklungsplan 2021 entwickelt sich gerade wie die ebenfalls politisch verursachte Problematik am geplanten Hochhaus Molenkopf. Auch hier waren Standort und Höhenvorgabe schuld, dass kein kreativer Architekturentwurf entstehen konnte. Ergebnis war ein aufdringlicher Entwurf, der die Dimensionen des Standorts völlig sprengt.

Die Stadtpolitik ist daher gut beraten, weitere Standorte für Hochhauspotential untersuchen zu lassen. In ähnlicher Weise äußerte sich auch der CDU-Spitzenkandidat Dr. Nils Kößler in einem kürzlich geführten Interview mit dem SKYLINE ATLAS. Kaum jemand kann sich bisher ernsthaft hohe Hochhäuser in der City Ost, am Mainufer oder an etablierten Wohnquartieren vorstellen. Wenn es ab sofort vor allem weniger hohe Hochhaustürme geben soll, wird Frankfurt zur Lachnummer.

Eine Kritik von Michael Wutzke.

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