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Kommunalwahl 2021: Was plant die CDU für Frankfurt?

CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Nils Kößler im Gespräch

Die Stadt Frankfurt am Main zieht seit Jahren wie ein Magnet Zehntausende Neubürger an. Alleine in den letzten 10 Jahren wuchs die Einwohnerzahl um mehr als 100.000 Einwohner, was einem Zuwachs von rund 16 Prozent entspricht.

Jahr für Jahr werden Tausende neue Wohnungen in der Stadt fertiggestellt. Zu wenige und die falschen, sagen manche Immobilienexperten. Der SKYLINE ATLAS führt daher im Vorfeld der am 14. März 2021 stattfindenen hessischen Kommunalwahl ein Interview mit dem Fraktionschef der CDU im Frankfurter Rathaus durch.

SKYLINE ATLAS: Einen schönen guten Tag Herr Kößler. Wir leben in einer turbulenten Zeit. Zahlreiche Herausforderungen beschäftigen derzeit die Politik auf allen Ebenen, viele davon haben mit der Coronakrise zu tun. Das öffentliche und gesellschaftliche Leben ist eingeschränkt, der Stadt brechen gravierende Einnahmen weg und dann haben wir da noch das Thema mit der sich verschärfenden Wohnungskrise. Wie erleben Sie die Krise derzeit und was bedeutet das für die Handlungsfähigkeit der Stadt?

Dr. Nils Kößler: Das Auftreten des Covid-19-Virus ist ein außergewöhnliches Ereignis, für das es keine Vorsorgeplanung geben konnte. Unsere Krankenhäuser und unser medizinisches System haben die Aufgaben dennoch sehr gut erfüllt und viele Menschen gerettet bzw. vor schwereren Folgen bewahrt. Auch haben wir schnell erkannt, dass durch die Schließungen und Einschränkungen von Geschäften, Hotels, Restaurants etc. ein wirtschaftlicher Ruin droht, wenn wir als Staat nicht entschlossen helfen.

Dass es Fehler gab, widerspricht nicht der Tatsache, dass es in großen Teilen richtig und erfolgreich war. Die Stadt Frankfurt ist von den wirtschaftlichen Folgen gleich mehrfach betroffen: Die Krise in der Luftverkehrsbranche wird nicht nur zum Verlust der Fraport-Dividende von rund 40 Mio. Euro in diesem Jahr führen. Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Uns fehlen wichtige Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Mietausfälle gerade auch bei Läden und Parkhäusern verstärken den Verlust. Zudem werden die Einkommen und Gewinne der Unternehmen sinken, so dass die Steuereinnahmen von Bund, Land und Stadt schrumpfen. Aufgrund der soliden Finanzpolitik der letzten Jahrzehnte gibt es Reserven, die jetzt zur Verfügung stehen. Daher ist die Stadt auch finanziell handlungsfähig – noch.

Der Einfluss von Corona auf den Wohnungsmarkt lässt sich nicht seriös voraussagen. Dass sinkende Einkommen mittelbar den Preisanstieg verringern werden, ist möglich. Auch haben viele Menschen die Vorteile und Möglichkeiten der Arbeit aus dem „Home-Office“ kennengelernt. Somit werden Wohnorte außerhalb Frankfurts wieder attraktiver, weil die Fahrzeiten zum Arbeitsplatz weniger ins Gewicht fallen. Aber erst dann, wenn die Gesamtsituation wieder derjenigen von Anfang 2020 ähnelt, kann man sehen, wie stark welche Effekte wirken. Eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt, die wir uns ja wünschen, könnte also als Nebeneffekt durch die Pandemie gefördert werden. Aber darauf werden wir uns nicht verlassen.

CDU Frankfurt Spitzenkandidat - Dr. Nils Kößler

SKYLINE ATLAS: Im August 2020 hat die Frankfurter CDU Sie auf ihrem Parteitag ihren Spitzenkandidaten für die Kommunalwahl im März 2021 gewählt. Sie haben die Wahl mit 98,2 Prozent der Stimmen gewonnen. Herzlichen Glückwunsch dazu, das ist ein großer Vertrauensbeweis. Was sind die Pläne der CDU und wie wollen Sie die Wähler überzeugen?

Dr. Nils Kößler: Die CDU steht für eine auf Fakten und Vernunft basierende Politik. Das wird so bleiben und wir bedienen – im Gegensatz zu anderen Parteien – keine bestimmten Teile der Bevölkerung vor allen anderen. Wir streben immer Lösungen an, bei denen alle Frankfurterinnen und Frankfurter berücksichtigt werden.

Ich mache das am Beispiel der Verkehrspolitik deutlich: Für eine gute Mobilität brauchen wir sämtliche Verkehrsmittel, also Angebote für Radfahrer, Autofahrer, Fußgänger und Nutzer von U-Bahnen, Straßenbahnen sowie Bussen. Basis dafür muss eine durchdachte Gesamtverkehrsplanung sein. Mit uns gibt es keine „Verteufelung“ des Automobils, aber klar ist auch: Wächst die Stadt weiter, muss die Zahl der Kraftfahrzeuge speziell in der Innenstadt zurückgehen. Dazu brauchen wir gute ÖPNV-Angebote. Die U-Bahn-Lücke zwischen Bockenheim und Ginnheim muss endlich geschlossen werden und zwar so, dass auch die Goethe-Universität optimal angebunden ist. Ebenso muss es mit der Regionaltangente West zügig in Richtung Bau gehen. Beim Mainkai haben wir eine Lösung vorgeschlagen, die allen hilft: Die Mainuferstraße bleibt für den Verkehr offen, und dennoch wird es mit unserem Vorschlag für einen „Platz am Fahrtor“ so schön, dass sich viele gerne dort aufhalten werden.

U-Bahn (VgF) und ÖPNV sind ein Wahlkampfthema 2021 in Frankfurt am Main

SKYLINE ATLAS: Für viele Menschen sind die politischen Erfolge der Frankfurter CDU nicht greifbar. Welche wichtigen Themen konnten Sie erfolgreich einbringen?

Dr. Nils Kößler: Vielen ist nicht bewusst, dass ohne die CDU Sauberkeit und Sicherheit in Frankfurt am Main deutlich größere Probleme wären, als sie derzeit wahrgenommen werden. Die in der Sache kaum zu begründenden Vorbehalte anderer Parteien gegen Videoüberwachung an Zentren mit hoher Gefährdung und viel Kriminalität haben lange effektivere Maßnahmen verhindert. Umso erfreulicher war es, dass sich SPD und Grüne 2017 endlich darauf eingelassen haben, an der Hauptwache und in der Taunusstraße eine dauerhafte Videoüberwachung anzubringen. Auch die temporäre Kameraanlage an der Allerheiligenstraße ist das Ergebnis unserer sicherheitspolitischen Vorstellungen.

In der Kontinuität zu dem Schwerpunkt von Petra Roth steht die CDU wie keine zweite Partei für das Thema Sauberkeit, das ihr Amtsnachfolger leider sträflich vernachlässigt hat. „Sauberes Frankfurt“ war keine Chefsache mehr. Die Vermüllung öffentlicher Grünanlagen und Plätze durch Partyvolk, die Abfall- und Sperrmüllablagerungen in den Stadtteilen oder die wilden Müllkippen am Stadtrand werden jetzt entschlossen bekämpft. Durch den neuen Bußgeldkatalog wird die weggeworfene Zigarettenkippe richtig teuer. Und mit der Task-Force Umwelt bei der Stadtpolizei wird die illegale Entsorgung von Abfällen aller Art zielgerichtet verfolgt.

Überwachung durch Kameras - Sicherheit in der Öffentlichkeit

SKYLINE ATLAS: Kommen wir einmal auf konkrete Themen zu sprechen, die unsere Leser im Vorfeld zu diesem Interview gestellt haben. Das am meisten genannte Themenfeld sind die ständig steigenden Immobilienpreise. Wie möchte die CDU Frankfurt das Wohnen bezahlbar machen? Oder ist zentrumsnahes Wohnen künftig nicht mehr für jedermann möglich?

Dr. Nils Kößler: Unser Ziel bleibt, dass jedermann in Frankfurt am Main den für ihn passenden und bezahlbaren Wohnraum finden kann. Eine Stabilisierung der Mieten halten wir deshalb für dringend notwendig. Zu diesem Zweck wollen wir nach der Wahl eine Best-Practice-Liste aus den Erfahrungen erfolgreicher Großstädte wie Hamburg erstellen und diese Methoden übernehmen.

Die Miete von durchschnittlich 8 Euro pro Quadratmeter für die Mieterinnen und Mieter der ABG Frankfurt ist als wichtige soziale Komponente im Wohnungsbau unserer Stadt unverzichtbar. Diese will die CDU absichern. Außerdem möchten wir den Weg fortsetzen, dass die ABG bei ihrer Neubautätigkeit geförderten Wohnungsbau mit einem Anteil von deutlich über 40 Prozent realisiert.

Ein Pflichtanteil von 30 Prozent gefördertem Wohnungsbau für alle anderen Bauherren in neuen Bebauungsplänen und städtebaulichen Verträgen ist darüber hinaus die richtige Vorgabe, bei der es bleiben soll. Am Ende halten wir Eigentum der Mieter an der von ihnen bewohnten Wohnung für den besten Schutz vor Mieterhöhungen in der wachsenden Stadt, in der Mietpreisbremsen wirkungslos bleiben und vor allem das Angebot an Wohnraum vermehrt werden muss. Deswegen wollen wir Förderinstrumente, die zu mehr Eigentumswohnungen für Familien führen. Wohnungsbaugenossenschaften sind ebenfalls wichtig und sollen unterstützt werden, weil die Mieter hier mittelbar auch in ihrer eigenen Wohnung wohnen.

Ganz normale Wohnhäuser - Steigende Wohnkosten sind derzeit ein Problem für viele Bürger

SKYLINE ATLAS: Wie steht es um die Ausweisung von weiterem Bauland? Wäre eine Gebietsreform mit Erweiterung der Frankfurter Stadtgrenzen hilfreich? Oder reicht das Instrument einer Regionalplanung bzw. regionalen Planungsgemeinschaft aus?

Dr. Nils Kößler: Die Zeiten von zwangsweisen Eingemeindungen sind vorbei. Wenn man sich anschaut, welchen Widerstand der Menschen es damals bei der Gebietsreform in Hessen zwischen 1970 und 1980 gab, erkennt man, dass darin keine erfolgversprechende Lösung liegt. Zudem sehe ich keine Mehrheit im Hessischen Landtag für solche Bestrebungen.

Für unser Jahrzehnt ist der richtige Weg die Zusammenarbeit der Kommunen zum gegenseitigen Vorteil. Ein kluges Instrument, über das die Stadt Frankfurt ihre Interessen im Umland vertreten kann, ist dabei der bestehende Regionalverband. Läge die Planungshoheit ausschließlich bei den einzelnen Kommunen, wäre es sehr viel schwerer, auch in den Umlandgemeinden größere Baugebiete auszuweisen – und gerade dort brauchen wir Wohnungsbau, denn Frankfurt kann aufgrund seiner Fläche nicht endlos wachsen.

SKYLINE ATLAS: Der Widerstand gegen die Stadterweiterung im Nordwesten ist in der Frankfurter CDU groß. Regionalverbandspräsident Horn (CDU) hat kürzlich als Alternative die vollständige Bebauung des Rebstockareals vorgeschlagen. Wie stehen Sie dazu?

Dr. Nils Kößler: Beim A5-Gebiet gab es leider eine sehr ungeschickte Kommunikation des Frankfurter Planungsdezernenten mit den Nachbargemeinden und den Ortsbeiräten. Das hat viel Unmut erzeugt, auch bei den CDU-Verbänden in den betroffenen Stadteilen. Die Voruntersuchung, die immer noch nicht abgeschlossen ist, wird uns aber zeigen, wo dort unter Berücksichtigung der regionalen Flächennutzungsplanung wie und was gebaut werden kann. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Akzeptanz für das Projekt stellt zudem der Ideenwettbewerb dar, der im Jahr 2020 mit hoher Bürgerbeteiligung durchgeführt worden ist. Hier ist noch viel im Fluss.

Das Rebstockareal und seine zukünftige Bebauung befinden sich dem gegenüber schon in der Detailplanung, was die CDU ohne Einschränkungen mitträgt. Eine vollständige Bebauung des Areals lehnt die Frankfurter CDU aber ab. Die Kleingartenanlagen in Frankfurt am Main, von denen einige schon weit über 100 Jahre bestehen, haben einen großen Wert: Viele Menschen, die im Geschosswohnungsbau und vielleicht sogar ohne Balkon leben, können im Kleingarten ein Stück Natur erleben und gestalten. Die Kinder lernen, wie Obst und Gemüse erzeugt werden. Es entstehen neue Gemeinschaften, die unsere Stadtgesellschaft stabilisieren. Oft wohnen die Leute nah bei ihren Gärten. Mit dem Auto erst zum Garten anreisen zu müssen, ist ein Nachteil. Für die CDU sind Kleingärten keine simplen Reserveflächen und kein fortwährendes Bauerwartungsland.

Stadtpolitik Frankfurt - CDU Fraktionsvorsitzender Dr. Nils Kößler

SKYLINE ATLAS: In Berlin hat der Mietendeckel für kontroverse Diskussionen geführt. Kritiker sagen, dass damit nicht nur die Mieten eingefroren werden, sondern sich damit die städtebauliche Entwicklung verzögert und Investitionen gebremst werde. Droht auch Frankfurt ein Mietendeckel und was wäre dessen Folge?

Dr. Nils Kößler: Zunächst würde ich die Entscheidungen der Gerichte für Berlin abwarten. Denkbar ist, dass der sogenannte Mietendeckel am Ende als untaugliches Instrument in die Geschichte eingeht. Vor allem wird er nicht eine einzige neue Wohnung schaffen. Leute, die schon eine Wohnung haben, werden sich kurzfristig vielleicht Vorteile ausrechnen. Wenn aber in einigen Jahren die Mittel für deren Sanierung und Renovierung nicht mehr vorhanden sind, wird es ein böses Erwachen geben. Gerade in Berlin weiß man durch die Nähe zur ehemaligen DDR, wie die Wohnraumversorgung für viele Menschen aussieht, wenn es künstlich niedrig gehaltene Mieten gibt. Der Bau von Wohnungen muss eine sinnvolle Investition sein. Auch sorgt nur ein angemessener Ertrag von Bestandswohnungen dafür, dass diese vom Eigentümer in Schuss gehalten und im notwendigen Umfang weiterentwickelt werden.

SKYLINE ATLAS: Der Baulandbeschluss widerspricht der ordnungspolitischen Tradition der CDU diametral. Fachleute aus Wissenschaft und Immobilienwirtschaft warnen vor seinen Folgen. Will die CDU den Baulandbeschluss, wenn möglich, wieder zurücknehmen?

Dr. Nils Kößler: Den Frankfurter Baulandbeschluss sollten wir ebenso wenig verteufeln wie das Auto. Er hatte und hat eine Berechtigung dort, wo die sogenannten Planungsgewinne durch neues Bauland sozial gerecht verteilt werden. Dazu gehört auch, dass die Kosten für Erschließung und soziale Infrastruktur aus diesen Gewinnen finanziert und nicht allein von der Kommune getragen werden. Es kann nicht sein, dass aus einem Acker mit dem Wert von 1 Euro pro Quadratmeter teures Bauland mit einem Wert von 2000 Euro pro Quadratmeter wird (der Eigentümer also 199.900 Prozent Gewinn erwirtschaftet) und die Stadt dann die Straßen, Grünanlagen, Kindereinrichtungen und Schulen baut. 

Darüber hinaus macht der Baulandbeschluss aber detaillierte Vorgaben für insgesamt 70 Prozent der neu zu schaffenden Wohnfläche. Das ist eine ganze Menge und kommt dabei heraus, wenn sich drei verschiedene Parteien auf eine solche Regulierung verständigen müssen. Die Aufnahme von preisreduzierten Eigentumswohnungen mit einer Quote von 10 Prozent ist z.B. eine wichtige Regelung, weil sie jungen Familien und Menschen mit mittleren Einkommen die Gelegenheit zum Erwerb von Immobilieneigentum gibt. Das entspricht einer klassischen CDU-Forderung.

Meiner Meinung nach muss sich der Baulandbeschluss an seinen tatsächlichen Ergebnissen messen lassen. Er ist Anfang 2020 in Kraft getreten. Wenn wir nach einiger Zeit feststellen, dass er die Erwartungen nicht erfüllt, sollten alle Beteiligten den Mut zu Korrekturen aufbringen.

SKYLINE ATLAS: Frankfurt ist nicht nur das Gebiet innerhalb des Alleenrings. Welche Ziele hat die CDU für die Entwicklung der Stadtteile?

Dr. Nils Kößler: Die beiden richtungsweisenden Frankfurter Oberbürgermeister der CDU, Walter Wallmann und Petra Roth, haben Frankfurt am Main immer als Einheit der Innenstadt und der Stadtteile gesehen. Nur wer diese Einheit beachtet, wird politischen Erfolg haben. Die CDU hat die Interessen der Stadtteil stets gesehen und vertreten, aber ohne dabei die Innenstadt zu vernachlässigen.

Die Wirtschaftskraft und die internationale Bekanntheit Frankfurts kommen im Wesentlichen von der Innenstadt. Seine Liebenswürdigkeit, die typische Frankfurter Lebensart, das Empfinden als Heimat und das Wohlfühlen ist vor allem den Stadtteilen zu verdanken. Zusammen gesehen ergibt sich das faszinierende Mosaik „Frankfurt am Main“. Daher bin ich der Meinung, dass zum Beispiel die Stadtteilzentren gestärkt werden müssen, um weiterhin eine dezentrale Versorgung zu gewährleisten. Sowohl Einzelhandel als auch Arztpraxen müssen neben weiterer Infrastruktur ihren Platz in den Stadtteilen haben. Bürgerhäuser sichern als Veranstaltungsorte das Leben in den Stadtteilen Frankfurts und sollten diese Funktion auch in Zukunft wahrnehmen, wenn andere Räume nicht zur Verfügung stehen.

Alleenring Frnakfurt am Main - Alleenring FFM - Karte - Wo der Alleen-Ring verläuft

SKYLINE ATLAS: In den letzten Monaten stehen verschiedene Varianten für einen neuen Theaterbau zur Diskussion. Welche Variante können Sie sich am ehesten vorstellen?

Dr. Nils Kößler: Auf jeden Fall hat die Frankfurter CDU diese Diskussion ordentlich in Schwung gebracht! Schon früh sahen wir ein, dass eine Sanierung des Bestandsgebäudes keine sinnvolle Lösung sein würde. Die Verlagerung des laufenden Betriebes an Interimsspielstätten würde nicht nur sicher erhebliche Kosten verursachen. Auch wären die Belastungen für die Künstler und das Personal sowie nicht zuletzt für die Besucher unzumutbar. Für beide Bühnen steht bei so einer Variante die große künstlerische Reputation auf dem Spiel. Demgegenüber erweist sich ein Neubau der Bühnen an einer anderen Stelle als die einzig realistische Alternative, um seriös mit den unvermeidlichen Kosten- und Zeitrahmen zu arbeiten. Der Bau einer neuen Doppelanlage ist aus Sicht der CDU auch der Aufspaltung von Oper und Schauspiel grundsätzlich vorzuziehen. Selbstverständlich muss eine umfassende städtebauliche Untersuchung der Auswahl des optimalen Standortes vorangehen.

Hier sehen wir einige Vorzüge des aktuell noch von Raab Karcher gepachteten städtischen Grundstücks im Frankfurter Ostend: Es verfügt mit 24.000 Quadratmeter über die doppelte Fläche gegenüber dem aktuellen Bühnenstandort und hat nicht nur eine einmalige Lage am Fluss, sondern könnte auch zum Kraftzentrum der gerade im Ostend ansässigen Kulturinstitutionen werden. Die Frankfurter Stadtführung hat vor vielen Generationen Mut bewiesen, als sie den neuen Hauptbahnhof vor den damaligen Toren der Stadt baute. Und auch der Bau des alten Schauspiels vor über 100 Jahren am heutigen Ort war ein gewisses Wagnis, da dort bisher nichts Vergleichbares stand. Man hatte aber Mut und war entschlossen; und das sollten wir heute auch öfter sein! Die rationalen Argumente für neue Standorte eher im Bereich der klassischen Innenstadt erkennen wir gleichwohl. Alle Vorschläge müssen unvoreingenommen geprüft und bewertet werden.

Stadtverordneter Nils Kößler (CDU) - Spitzenkandidat der CDU in Frankfurt am Main für die Kommunalwahl 2021

SKYLINE ATLAS: Die CDU Frankfurt hat vor einiger Zeit gemeinsam mit dem Bund Deutscher Architekten (BDA) einen Gestaltungsbeirat für Frankfurt gefordert. Wird dies weiterverfolgt?

Dr. Nils Kößler: Ja. Die Einrichtung eines Gestaltungsbeirats halten wir für sinnvoll und wichtig. Die guten Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt bestätigen uns. In unserer Stadt ist mit Blick auf die Baukultur noch Luft nach oben. Eine neutrale Instanz aus herausragenden Sachverständigen im Bereich Architektur, die sich mit wichtigen, städtebaulich relevanten Projekten befasst und dazu ihre Expertise abgibt, wird helfen, das Stadtbild zu verschönern. In der aktuellen Koalition hat die SPD dies leider verhindert. Der Gestaltungsbeirat bleibt insofern unser Ziel und wir hoffen, mit einem starken Wählervotum dies nach dem 14. März 2021 erreichen zu können.

SKYLINE ATLAS: Frankfurt hat kaum noch freie Hochhausstandorte. Könnten Sie sich einen dritten Hochhauspulk im Ostend, ausgehend von der EZB, vorstellen? Oder gibt es Alternativen?

Dr. Nils Kößler: Einen neuen Cluster im Ostend, der die EZB als städtebaulichen Leuchtturm klar beibehält, finde ich sehr attraktiv. Die markante Skyline ist ein Frankfurter Wahrzeichen, das wir als CDU angemessen weiterentwickeln wollen. Deshalb ist es richtig, den Hochhausrahmenplan von 2008 jetzt fortzuschreiben. Wenn wir bestimmte, von weitem sichtbare „Landmarken“ wie den Dom oder die EZB nicht gefährden wollen, muss es eine behutsame und moderate Entwicklung sein. Darum erscheint es mir wichtig, dass weitere Hochhäuser im Ostend das besondere Erscheinungsbild der EZB nicht beeinträchtigen. Hochhäuser sollte man immer in ihrer Gesamtheit und nicht isoliert sehen.

Den Ansatz, Hochhäuser nicht nach dem Zufallsprinzip über die ganze Stadt zu verteilen, sollten wir beibehalten. Begründete Ausnahmen müssen jedoch möglich bleiben, wie man etwa an der EZB oder dem Henninger-Turm erkennen kann. Davon abgesehen ist es sehr sinnvoll, bei der Planung vor allem gemeinsame Standorte für heutige und zukünftige Gebäude in den Blick zu nehmen. Die derzeit diskutierten drei Bereiche sind – ausgehend vom Bestand – ohne Weiteres schlüssig, aber aus meiner Sicht nicht abschließend. So zeigt sich beispielswiese auch zwischen Messe und Bockenheim inzwischen eine signifikante Häufung von Hochhäusern, das beginnt mit dem Messeturm und setzt sich über Westend Gate (Marriott-Hotel) sowie One Forty West bis zum Senckenberg-Turm (vormals 99 West) fort.

Frankfurt Wohnung zur Miete oder Kauf finden - Neubau Eigentumswohnungen mit Skylineblick in Mainhattan

SKYLINE ATLAS: In Berlin entsteht derzeit ein 20-geschossiges Wohnhochaus, das von einer Wohnungsbaugenossenschaft auf eigenem Grund errichtet wird. Warum wird nicht in größerem Umfang wie bisher (preisgedämpfter) Wohnraum auch in Frankfurter Hochhäusern geschaffen? Man könnte diese durch stadteigene Gesellschaften vorantreiben oder planungsrechtliche Vorgaben wie eine Mindestbebauung umsetzen.

Dr. Nils Kößler: Genau das geschieht gerade. Auf dem Millennium-Areal im Europaviertel entstehen zwei neue Hochhäuser. Eines wird mit 260 Metern das höchste Hochhaus Deutschlands werden. Der kleinere, 150 Meter hohe Turm ist fast komplett für Wohnungen vorgesehen, sowohl für frei finanzierte wie für geförderte. Auf dem Gelände des Alten Polizeipräsidiums zwischen Hauptbahnhof und Messe wird zudem ein ganzes Quartier neu entstehen, in dem auch ein 175 Meter hoher Turm möglich ist. 200 von 500 Wohnungen sind hier im geförderten Wohnungsbau geplant. Bei den Themen sollten wir allerdings nicht vergessen, dass Wohnungsbau oberhalb der Hochhausgrenze von 60 Metern aufgrund der höheren Anforderungen noch einmal signifikant teurer ist.

SKYLINE ATLAS: Werfen wir doch einen Blick in die Zukunft. Vor welchen Herausforderungen stehen wir als Gesellschaft und besonders hier in Frankfurt in den kommenden zehn Jahren?

Dr. Nils Kößler: Krisen haben oft die Eigenschaft, dass sie Entwicklungen stark beschleunigen. In zehn Jahren wird man sehen, ob die Voraussagen einiger „Zukunftsforscher“ zutreffen, dass in der Welt die Städte mehr und mehr auf Kosten der restlichen Flächen wachsen. Ein entsprechendes Wachstum der Megastädte mit 10 Millionen Einwohnern und mehr wird vorausgesagt. Natürlich sehe ich Frankfurt nicht als 10-Millionen- Stadt, aber die Grenze zur Millionenstadt ist bei anhaltendem Wachstum in Sicht.

Gleichzeitig wissen wir, dass viele Entwicklungen endlich sind und dann oftmals eine Entwicklung in die gegenteilige Richtung einsetzt: Der Stadtflucht der 1970er Jahre folgte eine Landflucht ungefähr ab dem Jahr 2000. Wenn Arbeiten im Homeoffice in Zukunft das Pendeln zur Firma wirklich oft ersetzen sollte, kann es gut sein, dass die Gebiete um die Städte deutlich attraktiver werden. Das muss durch einen klugen Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel unterstützt werden.

Ein Beispiel: Von Montabaur braucht man mit dem Zug rund 44 Minuten für die gut 100 Kilometer bis zum Frankfurter Flughafen. Vom Frankfurter Stadtteil Harheim ist man aber mit dem Bus und dann der Bahn kaum schneller. Entscheidend ist also die Lage an der Schiene. Daher kann es sein, dass sich die aktuelle Zunahme der Stadtbevölkerung stark verlangsamen und eine ausgeglichenere Verteilung zwischen Stadt und Land entstehen wird.

Verkehrsknotenpunkt Hauptbahnhof - Hier kreuzen die verschiedensten Bahnverbindungen

SKYLINE ATLAS: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Über Nils Kößler

Dr. Nils Kößler ist gelernter Jurist und seit 2011 Stadtverordneter der Stadt Frankfurt am Main. Er ist seit 2011 Mitglied des Ausschusses für Planung, Bau und Wohnungsbau sowie seit 2019 des Haupt- und Finanzausschusses. Von 2011 bis 2019 war er Mitglied des Ausschusses für Recht, Verwaltung und Sicherheit und von 2011 bis 2014 des Präsidiums der Stadtverordnetenversammlung. Derzeit ist Herr Kößler außerdem Fraktionsvorsitzender der CDU (Christlich Demokratische Union) im Frankfurter Römer.

Weitere Tätigkeiten: Mitglied im Denkmalbeirat der Stadt Frankfurt am Main von 2014 bis 2018 und im Beirat des Liegenschaftsfonds für gemeinschaftliche Wohnprojekte im Jahr 2016. Mitglied in der Koordinierungsgruppe zur städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme „Riedberg“ (seit 2014), im Aufsichtsrat der ABG Frankfurt Holding GmbH (seit 2016), im Aufsichtsrat der Stadtwerke Frankfurt am Main Holding GmbH (seit 2019) sowie stellvertretend in der Regionalversammlung Südhessen (seit 2016).

Dr. Nils Kößler - CDU Frankfurt - CDU Fraktion Frankfurt am Main - Kommunalwahl Hessen 2021 Spitzenkandidat FFM

2 Kommentare zu “Interview mit Dr. Nils Kößler

  1. Markus A. kommentierte: 8 Monaten ago Reply

    Die CDU ist offenbar die einzige Partei, die sich überhaupt noch ernsthaft dafür einsetzt, dass im größeren Stil Wohnungen gebaut werden!! Die Grünen demontieren sich gerade selbst, siehe Günthersburgpark. Weiter so, CDU. Danke!

  2. Antonia Braun kommentierte: 7 Monaten ago Reply

    Also ich habe eher Angst, dass jetzt ein Mietendeckel wie in Berlin kommt. Anstatt Mieten zu begrenzen muss die Politik endlich mal in großem Stil bauen und nicht nur immer reden. Im Hinblick auf Flächenversiegelung natürlich eher eng und hoch.

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